Formel 1

Lewis Hamilton und Toto Wolff: ein perfektes Paar

Lewis Hamilton (l.) mit Mercedes-Sportchef Toto Wolff (r.) und Aufsichtsratschef Niki Lauda (Mitte).

Foto: imago

Lewis Hamilton (l.) mit Mercedes-Sportchef Toto Wolff (r.) und Aufsichtsratschef Niki Lauda (Mitte). Foto: imago

Mexiko-Stadt.  Lewis Hamilton und Sportchef Toto Wolff machen Mercedes zum Nonplusultra der Formel 1. Dem Briten reicht in Mexiko Platz fünf zum WM-Titel.

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Wer über die Chancen des Fast-Weltmeisters Lewis Hamilton schreibt, der kommt nicht an Sebastian Vettel vorbei. Vor dem Großen Preis von Mexiko (Sonntag 20 Uhr/RTL), bei dem dem Briten Platz fünf zum vierten Titel reicht, darf der bereits viermalige Champion noch einmal erklären, welche unglaublichen Fortschritte Ferrari gemacht habe in diesem Jahr. Dass er die letzten drei Rennen gewinnen könne. Und dass es schon einen Plan gäbe, wie die Schwächen im kommenden Jahr ausgemerzt werden. Und dass Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene im Falle der Niederlage keineswegs einen Genickschuss bekomme, wie es ein britischer TV-Reporter in dem ihm eigenen Humor impliziert hatte.

Natürlich muss man auch mit 66 Punkten Rückstand an seine Chance glauben, gerade bei einem technischen Sport. Vettels Annahme, dass die Scuderia nach den drei weggeworfenen Rennen in Asien gestärkt aus der Krise hervorgehen werde, mag stimmen. Das ist das Prinzip, das Vorbild Mercedes nach jeder der – bislang in der Hybrid-Ära seltenen – Schlappen perfektioniert hat. So stapelt Silberpfeil-Teamchef Toto Wolff tief, er erwarte in der dünnen Luft von Mexiko und beim hohen Anpressdruck der Rennwagen Probleme wie in Malaysia. Da war Red Bull dem Mercedes vor die Nase gefahren. Hamilton sagt wie Vettel, dass er die letzten drei Rennen gewinnen kann – er ist der einzige Fahrer, der alle 999 Runden bestritten hat. Ohne Ausfall durchzukommen, ist sein zweites Saisonziel.

Hamilton reißt das ganze Team mit

Wolff hat den Megastar der Formel 1 noch nie so stark erlebt, obwohl er schon die letzten drei Jahre in Silber je zehnmal gewonnen hat – in dieser Saison liegt er bei neun Einzelerfolgen. „Die rohe Geschwindigkeit von Lewis ist spektakulär, ebenso sein Verständnis für die Reifen und der Umgang mit dem Auto, wenn es mal schwierig zu fahren ist“, schwärmt Wolff, sonst eher ein Realo.

In jedem Rennen seit der Sommerpause habe Lewis Hamilton auf jeder Strecke das letze Quäntchen Leistung aus dem Mercedes herausholen können, unter jeder Bedingung – so sachlich bewertet der finnische Beifahrer Valtteri Bottas das, was man wohl eher „die Form seines Lebens“ nennen kann.

„Ich habe mich noch nie so stark gefühlt“, sagt Hamilton. Diese Ausstrahlung scheint wie ein Schutzschild zu wirken. Ähnlich wie bei Vettel kann er damit ein ganzes Team mitreißen. Hamiltons Ego schien nach dem Finale 2016 nicht mehr zur Mercedes-Philosophie zu passen. Das Team beschwerte sich, dass der Brite in Führung liegend bremste, damit die Verfolger auf den späteren Weltmeister Nico Rosberg auflaufen konnten.

Ein Männerabend als Konfliktlösung

Doch dann sah sich Nico Rosberg plötzlich nicht mehr in der Lage, dem Druck weiter standzuhalten, und trat zurück. Keine Rede mehr von einer Disziplinarstrafe für Hamilton, stattdessen fand er sich zu einem langen Küchengespräch zu Hause bei Toto Wolff ein. „Da haben wir nach dem schwierigen Moment von Abu Dhabi wieder zueinander gefunden, die ganzen Fragen und Frustrationen rausgelassen. Alles ist auf den Tisch gekommen, wir sind beide gestärkt da raus und haben als Team zu einer ganz neuen Einstellung gefunden.“

Ebenso entscheidend wie der Männerabend war Rosbergs Abschied von Mercedes. Der Wiesbadener hat zwar gerade erklärt, dass die beiden vielleicht mal wieder miteinander telefonieren könnten. Aber für Hamilton hat der Gegner aus Jugendtagen das Klima im ganzen Team vergiftet. Deshalb ist 2017 ein Befreiungsschlag – auch wenn er wieder einen Deutschen als Gegner hat.

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