Formel 1

Max Verstappen: Der rasende Rotzlöffel der Formel 1

Cool, cooler, Max Verstappen: Er pflegt das Bad-Boy-Image. Aber lachen kann darüber niemand mehr.

Cool, cooler, Max Verstappen: Er pflegt das Bad-Boy-Image. Aber lachen kann darüber niemand mehr.

Foto: Getty

Baku.   An Selbstbewusstsein mangelt es Max Verstappen nicht – an Erfolgen schon. Der junge Formel-1-Pilot läuft Gefahr seine Karriere zu ruinieren.

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Er ist derjenige unter den sechs Favoriten, der bislang am wenigsten erreicht hat. Aber auch der, der für die meiste Aufregung gesorgt hat, obwohl sein Teamkollege Daniel Ricciardo das letzte Rennen gewinnen konnte. Aber: Was nutzt diese Art von Aufmerksamkeit Max Verstappen, dem durchs Feld der Formel 1 pflügenden Holländer, wirklich? Er ruiniert den anderen die Rennen und sich vielleicht sogar die Karriere.

Der Große Preis von Aserbaidschan am Sonntag (14.10/RTL) soll die Rehabilitation bringen. Immerhin, nach dem letzten Rennen in Shanghai ging Verstappen von sich aus auf Sebastian Vettel zu, dem er mit missglücktem Überholversuch die Chance auf am Ende vielleicht entscheidende WM-Punkte zunichte gemacht hatte. Seither weiß die Welt, dass der rasende Rotzlöffel auch eine reuige Miene aufsetzen kann. Aber: Wie lange hält das angesichts seiner zornigen Entschlossenheit an?

Papa Jos wäre eine gute Eislaufmutti

Da will einer, immer noch, zu viel und zu schnell. Und alles auf einmal. Seit Lewis Hamilton gab es niemand, der so gut auf eine Formel-1-Karriere vorbereitet wurde. Papa Jos, selbst eher ein durchschnittlicher Rennfahrer, hätte auch eine gute Eislaufmutti abgegeben. Aber Hamilton wurde in seinem zweiten Jahr in einem Top-Team Weltmeister, Sebastian Vettel bei Red Bull Racing ebenfalls. Verstappen ist jetzt im dritten Jahr im großen Bullenstall, und er hat sich die Hörner immer noch nicht abgestoßen. Plötzlich findet intern niemand mehr das Bad-Boy-Image lustig. Seine Ausrede, dass es junge Piloten schwerer hätten, zieht nach schon 63 Rennen nicht mehr.

Aber die Offensive wird das bleiben, was der 20-Jährige sucht. Bedingungslos. „Ich schlafe gut“, sagt er nach den Anfeindungen von Shanghai, „und ich brauche keinen Psychologen.“ Das Selbstbewusstsein ist nach dem Crash-Kurs bereits auf dem üblichen Niveau: „Ja, ich hätte es anders machen sollen. Aber wenn man alles vorher weiß, dann könnte man die ganze Welt verändern.“ Seine Lernfähigkeit steht nicht zur Debatte, es geht allein um die Fähigkeit zur Einsicht. Aber das fällt umso schwerer, wenn man es schafft, einen Vettel oder Hamilton ans Limit zu bringen – fahrerisch, aber vor allem auch nervlich. Für viele Fans, nicht nur in Oranje, ist Verstappen der aufregendste Fahrer der Formel 1.

Maximaler Druck für Verstappen

Aus der „maximum attack“, die Verstappen für sich reklamiert, wird nun der maximale Druck. Nur 18 Punkte aus den ersten drei Rennen bedeuten Rang acht in der Gesamtwertung. Teamchef Christian Horner, der nur nach außen den immer feinsinnig lächelnden und verständnisvollen Vorgesetzten gibt, wird seinen Schützling zur Ordnung rufen – jeder Punktverlust schadet auch dem Rennstall. Horner sieht aber auch, wie die Kratzer auf dem fahrerischen Kronjuwel immer tiefer werden. Er sagt: „Ich glaube, Max hat jetzt eine Menge gelernt. Und er wird das in den nächsten Rennen zeigen. An seinem Mut und seinen Instinkten zweifelt niemand mehr, jetzt muss er seine Ungeduld in Griff bekommen. Er ist klug genug, das zu erkennen.“

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