Formel 1

Nach der Daimler-Dominanz sucht Ferrari die Fehler im System

Sebastian Vettel wurde beim Großen Preis von Spanien nur Vierter.

Sebastian Vettel wurde beim Großen Preis von Spanien nur Vierter.

Foto: dpa

Hamburg  Auch in Barcelona fährt Mercedes der Konkurrenz davon. Bei Ferrari beginnt die Fehlersuche. Vettels Team steht unter Druck.

Toto Wolff ist schon die Frage peinlich, die er beantworten soll nach dem fünften Formel-1-Doppelerfolg in Serie: Ob denn seine Silberpfeile unschlagbar seien, die erste perfekte Saison in der Königsklasse möglich erscheint. „Sagen Sie so etwas nicht. Als allererstes muss man bescheiden bleiben", antwortet der Österreicher schließlich. Einmal, in der Saison 1988, hatte es McLaren geschafft mit Senna und Prost 15 von 16 WM-Läufen zu gewinnen. Die bisherige Mercedes-Bestmarke stammt aus der Saison 2016, als sich Lewis Hamilton und Nico Rosberg zu 19 Siegen in 21 Rennen jagten. Wohin soll das in diesem Jahr noch führen, wenn der größte Gegner nicht selbst zu besiegen scheint?

Alles das, was die Daimler-Dominanz ausmacht, das unerschütterliche Selbstvertrauen, die konsequente Fokussierung, das Zusammenspiel aller Rädchen in Rennstall und Rennwagen lässt Ferrari vermissen. Statt der beim Neustart in Barcelona erwarteten Wende sah es nach den Plätzen vier und fünf für Sebastian Vettel und Charles Leclerc eher nach Ende aus, zumindest nach dem Ende der Favoritenrolle. Die Klatsche in der Qualifikation war heftig, die Symptome im Rennen ähnlich: eigentlich ist alles da in Maranello, aber man bringt es nicht zusammen.

Auf dem Boden der Realität

Teamchef Mattia Binotto gerät zunehmend unter Druck. Als Sieger im internen Machtkampf und als Triumphator bei den Wintertestfahrten schien er schon der Erlöser der roten Titellosigkeit zu sein, hinzu kamen sein Wissen und sein Charme. In Barcelona wurde er zurück auf den Boden der Realität befördert. „Die Schwächen unseres Autos sind hier deutlich zum Tragen gekommen. Wir verlieren nicht nur in engen Kurven, wir verlieren in allen Kurven." Die Probleme sind vielfältig – Untersteuern, Reifennutzung, fehlende Balance. „Wir haben die Antwort auf das Problem noch nicht gefunden", muss der Ingenieur zugeben. Allein die mangelnde Bodenhaftung kann es nicht sein, für den der Frontflügel verantwortlich gemacht wird.

Bedeutet: Ferrari hat einen Fehler im System.

„Ein Schuss in den Ofen", bilanziert Vettel, der jetzt schon 48 Punkte Rückstand auf WM-Tabellenführer Hamilton hat, den ersten Abschnitt des Rennens. Die Aussage passt aber auch gut zum generellen ersten Auftritt mit dem neuen Antriebsstrang. Das Motoren-Update musste vorgezogen werden, weil Ferrari beim Saisonstart in Melbourne bereits gemerkt hatte, dass man sich von der Frühform hatten blenden lassen. Die Power auf der Geraden reichte zwar zu einer starken Startattacke, aber danach waren Reifen und Rennen ruiniert. Vettels Flehen, doch früher zum Boxenstopp kommen zu dürfen, wurden überhört. Binotto und seine Taktiker diskutierten lange, zu lange. Das gleiche passierte im zweiten Rennabschnitt wieder, als zu lange Uneinigkeit bestand, ob man lieber auf Charles Leclerc oder auf Vettel setzen solle. Wieder gingen wertvolle Sekunden verloren, die am Ende vielleicht für einen Podiumsplatz gereicht hätten. „Positionswechsel unter Fahrern sind nie eine einfache Angelegenheit, man versucht immer den richtigen Moment zu treffen", entschuldigt der Teamchef.

Schon wird von der Scuderia Fehlerrari gehöhnt.

Es ist nicht der Rückfall, sondern eher die Fortsetzung alter Zeiten: Die Roten bremsen sich selbst aus. Entsprechend desillusioniert gibt sich Vettel: „Es war ein großer Schritt zurück, Mercedes ist ganz weit weg. Wir hatten gedacht, dass wir viel schneller sind. Leider sind wir das nicht." Sein Vorgesetzter gratuliert bereits: „Wir können Mercedes nur ein Kompliment aussprechen. Sie machen uns das Leben schwer“, gratulierte Binotto, „wir haben gedacht, dass wir hier mit unseren Motor- und Aerodynamik-Upgrades um den Sieg kämpfen können. Aber die waren nicht genug. Das war insgesamt eine enttäuschende Vorstellung. Dieses Rennen hat uns klar gemacht, dass wir jetzt eine Menge zu tun haben." Dann zieht er die letzte Trumpfkarte: „Wir haben unsere Leidenschaft nicht verloren."

Darauf setzt auch Sebastian Vettel, der seine Anspruchshaltung in die Neutral-Stellung zurückschaltet: „Im Moment hat es keinen Sinn, auf die WM zu schauen. Wir müssen von Rennen zu Rennen denken." Konzentration oder Kapitulation?

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