Formel1

Personalkarussell: Die Formel 1 ist schwer im Umbruch

Fomel-1-Fahrer Sebastian Vettel wirkt nachdenklich

Fomel-1-Fahrer Sebastian Vettel wirkt nachdenklich

Foto: dpa

Silverstone.  Vor dem Rennen in Silverstone laufen Strategiespiele auf dem Fahrermarkt. Wer könnte wechseln? So früh in der Saison war es noch nie so spannend.

Es ist, nicht nur aus pa­triotischer Sicht, das schlimmstmögliche Szenario: Kein Formel-1-Rennen im kommenden Jahr in Hockenheim. Nico Hülkenberg raus als Werksfahrer bei Renault. Sebastian Vettel nicht mehr dabei, zumindest nicht im Ferrari. Mick Schumacher noch nicht bereit für die Königsklasse. Endzeitstimmung in der Autobahnnation, links und rechts überholt. Gewiss, es ist zugespitzt, und der Zeitraum kann sich bis Ende kommenden Jahres ausdehnen.

Die Zeit der wilden Wechsel hat scheinbar begonnen

Aber: Die Formel 1 ist schwer im Umbruch, die Zeit der Wildwechsel hat begonnen. Vor dem Großen Preis von Großbritannien am Sonntag (16.10 Uhr/RTL) konzentrieren sich die Strategiespiele vor allem auf die beiden wichtigsten Figuren: Lewis Hamilton und Max Verstappen.

Die Jagd auf Max Verstappen ist eröffnet

Seit bekannt ist, dass das niederländische Jahrtausendtalent eine Klausel im bislang als bis Ende 2020 kugelsicher geltenden Vertrag mit seinem Ausbildungsbetrieb Red Bull hat, ist die Jagd auf den 21-Jährigen eröffnet – und sei es nur, um das Konzernteam zu destabilisieren. Verstappens Ausstiegsmöglichkeit ist an einen bestimmten Platz gekoppelt, den er bis zur Sommerpause erreicht haben muss, man geht davon aus, dass es sich um WM-Gesamtrang drei handelt. Den hat er sich durch seinen dramatischen Sieg in Österreich gerade gesichert.

Verstappen könnte Lewis Hamilton beerben

Sein Teamchef Christian Horner ist gewarnt. Die Zukunft seines Schützlings hänge doch nicht von Statistiken ab, sondern von der Perspektive. Die kann man allerdings unterschiedlich einschätzen: Horner setzt auf weitere Entwicklungsschübe von Honda und schwört auf die aerodynamischen Tricks von Konstrukteursguru Adrian Newey. Neutrale Beobachter sehen darin ein Risiko: Die Japaner könnten länger brauchen, um an die Spitze zu kommen, die Geduld von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz bald erschöpft sein. Verstappen wäre dann außen vor. Weshalb er einen Wechsel zu Mercedes in Betracht ziehen könnte, auch perspektivisch: zunächst als Rivale, dann als Nachfolger von Abo-Weltmeister Lewis Hamilton.

Viele Spekulationen um die Fahrer

Von dem glaubt Mercedes-Meistermacher Toto Wolff, dass er bei gleichbleibendem Energielevel noch vier bis fünf Jahre weiterfahren könne. Die Veranstalter in Silverstone würden sich freuen. Hamilton gibt sich skeptischer: „2024? Lieber Gott, das hört sich noch nach einem langen Weg an. Wer weiß, wo ich bis dahin bin.“

Gegenspieler Christian Horner weiß, wie er Politik machen kann. Er spricht von einem Wechsel, der der Formel 1 gut tun würde: „Lewis hat die Erfahrung, das beste Auto, Mercedes ist eine gut geölte Maschinerie. Aber Max ist stark im Kommen, ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden wäre toll. Im gleichen Auto wäre Max besser.“ Der 34 Jahre alte Titelverteidiger lässt sich nicht provozieren: „Ich vergleiche mich mit niemandem, das brauche ich nicht.“ Bei Mercedes läuft zum Jahresende der Vertrag von Valtteri Bottas aus. Hamiltons Kontrakt läuft noch bis 2021.

Sebastian Vettel ist müde

Eine Alternative wäre für Verstappen auch Ferrari, wo Sebastian Vettel bei seinem fünften zähen Anlauf auf den ersten Titel in Rot bereits vor dem zehnten WM-Lauf müde ist, die immergleichen Fragen nach der Verbesserung des Rennwagens mit dem immergleichen Argument zu beantworten, dass es noch nicht so weit sei, Zeit brauche. Wie lange sich der 32 Jahre alte Heppenheimer bei der Scuderia in der Formel 1 überhaupt noch gibt, hängt stark vom Reglement für 2021 ab. Er fordert „aufregende Autos, aufregende Rennen“. Akute Rücktrittsgedanken hat er trotz des an seiner Seite am Nummer-Eins-Status rüttelnden Charles Leclerc (21) zuletzt immer wieder zurückgewiesen. Trotzig sagt er, dass der Glaube an den Titelgewinn noch da sei in der Mannschaft. Auch der Glaube an ihn? Die Situation erinnert fatal an sein letztes Red-Bull-Jahr 2014, als der viermalige Weltmeister das Team im Frust verlassen hatte, weil es nicht mehr richtig lief.

Hülkenberg schielt auf das Red-Bull-Team

Das ist das Stichwort auch für den zweiten Deutschen im Feld, Nico Hülkenberg. Der 31-Jährige müht sich im dritten Jahr im Renault-Werksstall. Der Rennfahrer vom Niederrhein ist ein ordentlicher Entwicklungshelfer, kam aber weder zum ersten Mal aufs Podium, noch gibt es eine signifikante Leistungssteigerung seiner Equipe. Die Franzosen könnten alles in Bewegung setzen, um ihren Landsmann Esteban Ocon (22) zurück zur Marke zu holen, der mangels Cockpit ein Sabbaticaljahr einlegen muss. Er gilt als ähnlich talentiert wie Verstappen und ist derzeit an Mercedes gebunden. Hülkenberg schielt auf einen Posten als zweiter Mann bei Red Bull, wo man unzufrieden mit dem französischen Nachwuchsfahrer Pierre Gasly ist.

Die Personalabteilung der Formel 1 funktioniert wie ein Optionsscheinhandel. McLaren hat in Lando Norris (19) gerade einen als kommenden Hamilton geltenden Briten längerfristig an sich gebunden, ebenso wie dessen spanischen Nebensitzer Carlos Sainz junior (24). Dafür gab McLaren-Chef Zak Brown sogar seinem Freund Fernando Alonso, 37, einen Korb, der nach seinen Abenteuern außerhalb der Königsklasse einen Weg zurück sucht. Der zweimalige Weltmeister will den Generationswechsel nicht akzeptieren und ist ein weiterer Kandidat auf dem Fahrermarkt, auf dem es auch so schon eng genug ist.

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