Motorsport

DTM-Champion Rast: „Die Formel 1 ist ein heißes Pflaster“

Champagnerdusche für den Champions: René Rast steht bereits vor den letzten Rennen am Hockenheimring als Sieger der DTM fest.

Champagnerdusche für den Champions: René Rast steht bereits vor den letzten Rennen am Hockenheimring als Sieger der DTM fest.

Foto: DPa

Essen.  DTM-Champion René Rast spricht über das letzte Rennwochenende der Saison und Aussichten über einen Wechsel in die Königsklasse des Motorsports.

Zum Sarkasmus neigende Zeitgeister würden sagen, die Bilanz von DTM-Champion René Rast „ist gar nicht mal so übel“. 2017: Meister. 2018: Vize-Meister. 2019: Meister. Für alle anderen ist der 32-Jährige aus Minden damit zum Gesicht der deutschen Rennserie geworden. Vor dem Saisonfinale am Samstag und Sonntag in Hockenheim (jeweils 13 Uhr/Sat.1) spricht der Audi-Pilot im Interview über seine Akribie, den Rausch der Motoren und die Alternative E.

Herr Rast, haben Sie schon realisiert, was Sie dieses Jahr geleistet haben?

René Rast: Schwer zu sagen. Ich warte noch auf den Moment. Das wird mit Sicherheit passieren, wenn ich wieder an der Rennstrecke in Hockenheim bin. Wenn man die Zeit zu Hause verbringt, kann man das schwer begreifen.

Hat das auch mit der Wut im Moment ihres Triumphes zu tun? Auf dem Nürburgring dachten Sie, ihr dritter Rang würde nicht ausreichen.

Das Rennen war nicht optimal, zugleich hat man den Titel gewonnen. Da ist man im ersten Moment nicht mega happy. Aber Sonntagabend hatten wir eine tolle Feier, wo alles vergessen war. Der Tag ist noch gut ausgegangen. (lacht)

Anders als beim überraschenden ersten Titel 2017 hat sich dieser diesmal angebahnt. Warum sind Sie dieses Jahr so dominant zum Erfolg gefahren?

Eindeutig die Konstanz. Wir waren in den Qualifyings immer vorne mit dabei. Dadurch hatten wir immer eine gute Ausgangsposition im Rennen, weil wir nicht im Feld waren, wo viel passieren kann. Wir mussten es nur noch umwandeln in Erfolg. Das haben wir gemacht und wurden belohnt.

DTM-Chef Gerhard Berger hat sie nach ihrem Titelgewinn mit der Formel 1 in Verbindung gebracht. Wie ernst haben Sie das genommen?

Das hat Gerhard Berger dieses Jahr schon das eine oder andere Mal gemacht. Es ist natürlich ein großes Lob und eine Auszeichnung, wenn das jemand sagt, der viele Jahre in der Formel 1 gefahren ist. Ein Ritterschlag - aber einbilden braucht man sich darauf nichts. Die Formel 1 ist ein heißes Pflaster. Jedes Jahr kommen viele junge Fahrer rein. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Alter noch eine Chance habe.

Mit einem Formel-1-Auto würden Sie aber schon gerne fahren?

Das auf jeden Fall. Es ist das schnellste Rennauto, was es auf dem Planeten gibt. Als Rennfahrer willst du natürlich das schnellste Auto fahren. Ich würde gerne wissen, wie es sich in den Kurven verhält. Und wie fühlen sich die Fliehkräfte an?

Glauben Sie, dass der Traum für Sie noch wahr wird?

Ich werde mich nicht aktiv bewerben, das steht fest, aber wenn sich eine Möglichkeit auftut, werde ich nicht Nein sagen. Vielleicht werde ich mal mit den Audi-Verantwortlichen sprechen, ob es nicht doch möglich ist.

Berger hat vor allem ihre Einstellung hervorgehoben, dass sie nichts dem Zufall überlassen. Woher kommt diese Akribie?

Ich erwarte von mir, immer das Beste zu geben. Ich kann nicht verlieren, ich will nicht verlieren und will immer der beste sein. Die Rennergebnisse sind mir nie egal, ich will das bestmögliche herausholen, und dafür muss ich perfekt vorbereitet sein. Der Erfolg fällt in den meisten Fällen nicht vom Himmel und ist mit viel harter Arbeiter verbunden.

Wie viel Arbeit?

Das kann man gar nicht bemessen. Es ist definitiv tägliche Arbeit. Manchmal ein paar Stunden, manchmal bis in die Nacht. Es ist unterschiedlich, aber es geht viel Zeit drauf.

Zu Hause haben Sie auch einen Simulator.

Ja, stimmt. Aber den benutze ich nicht oft, weil wir auch bei Audi und einen Team Rosberg Simulatoren. Da sitze ich schon ziemlich viel Stunden drin – und zu Hause nur noch, wenn ich etwas nachbearbeiten muss.

Wie sieht der ideale DTM-Fahrer für sie aus?

Der ideale DTM-Fahrer … gute Frage. Er muss sich mit der Materie auseinandersetzen, die DTM muss eine Lebensaufgabe für ihn sein. Man muss dafür brennen, jede Idee, die man dafür hat, verfolgen. Man muss bereit sein, Nächte damit zuzubringen. Es darf nie Stillstand entstehen, und es muss immer in verschiedene Richtungen gedacht werden. Und die ganze Theorie muss umgesetzt werden, auf der Rennstrecke, in den Zweikämpfen. Sonst bringt es nichts.

Sie selbst kommen diesem Ideal nahe. Sie sind dabei, Mattias Ekström nach Siegen einzuholen. Glauben Sie, dass sie es noch schaffen?

Ich hoffe es. Noch sind es sieben Siege. Er hat 23. Wenn es weiter so geht, könnte ich ihn nächstes Jahr einholen. Aber man weiß nie, wie es läuft.

Sie mussten lange warten, sind viele Jahre in den tieferen Markenportalen gefahren. Fühlt sich das gerade wie eine Genugtuung an?

Ich habe immer gehofft, Teil der DTM zu sein, und die Absagen waren irgendwann auch sehr schmerzhaft. Als Rennfahrer glaubt man ja immer, man hat das Zeug dazu, ich habe das auch geglaubt. Deshalb ist das schon eine Genugtuung: ich habe nie falsch gelegen mit meiner Vermutung, dass ich die Klasse für die DTM habe. Sondern die, die mir Steine in den Weg gelegt haben.

Gab es einen Moment, wo sie hinschmeißen wollten?

Den gab es sicher. 2016, im fortgeschrittenen Alter, hatte ich natürlich den Gedanken, dass ich zu alt für die DTM bin. Gewöhnlich hat man mit meinem Alter keine Chance mehr in der DTM. Da hatte ich mit dem Thema schon abgeschlossen. Aber dann kam es wie so oft im Leben anders: ich bekam die Chance, mich zu zeigen, und das war das Ticket für 2017. Da bin ich zum ersten Mal Meister geworden.

Die Zukunft der DTM war vor der Saison unsicherer denn je. Ist die DTM nun gefestigter?

Ich glaube schon. Es war ein wichtiger Schritt, dass Aston Martin dazugekommen ist. Was wir jetzt brauchen ist, dass Aston Martin noch ein Stück zulegt. Für die Serie wäre es schön, wenn alle drei Marken auf Augenhöhe fahren. Das würde sicher helfen, noch den einen oder anderen Hersteller anzulocken. Ich denke, Gerhard Berger hat die richtigen Weichen gestellt. Wir als Fahrer haben nicht viele Einflussmöglichkeiten, wir können nur die Rennen fahren und den Zuschauern ein schönes Showevent zu bieten.

Berger ist skeptisch, dass sich Elektromotoren durchsetzen. Können Sie sich eine elektrifizierte DTM vorstellen?

Im Moment nicht. Zur DTM gehört Motordröhnen und Benzin. So kenne ich die DTM und ich hoffe, dass sie so bleibt, so lange ich fahre. Als Rennfahrer willst du immer den Krach hören und den Benzingeruch in der Nase haben.

Zu Hause fahren Sie allerdings auch ein E-Mountainbike. Die Technik ist Ihnen also vertraut.

Stimmt. Das ist das natürlich etwas Positives: Ein E-Mountainbike kann das Leben viel einfacher machen. Da muss ich an Bergen nicht mehr so schwer treten. Als DTM-Fahrer bin ich aber Fan von Verbrennungsmotoren.

Sie sind schon mal bei der Formel E mitgefahren, 2016 in Berlin als Vertretungsfahrer. Können Sie sich einen Wechsel vorstellen?

Formel E ist wieder etwas anders. Die gab es nie mit Verbrennungsmotoren, sie war von Anfang an rein elektrisch. Das wäre für mich schon eine Option, weil sie sehr attraktiv ist. Es gibt tolle Rennstrecken, und ein stark besetztes Fahrerfeld. Aber so lange ich in der DTM glücklich bin, gibt es für mich kein Grund zu wechseln.

Am Wochenende steht das letzte Saisonrennen an. Was nimmt man sich als feststehender Meister für das Finale in Hockenheim noch vor?

Das Rennen genießen. Meist ist es ja so, dass man am Rennwochenende viel zu tun hat und unter Druck steht. Der Druck ist jetzt weg, wir haben noch die Teammeisterschaft, aber ich persönlich habe alles erreicht. Ich will natürlich auf dem Podium stehen, aber wenn es nicht passiert, werde ich nicht böse sein. Ich werde ja noch oben stehen: Am Ende, wenn der Meisterpokal vergeben wird.

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