Formel 1

Rennfahrer Valtteri Bottas: Trauer in Kraft umwandeln

Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas beim Training in Monte Carlo

Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas beim Training in Monte Carlo

Foto: dpa

Monte Carlo.  Mercedes-Pilot will in Monte Carlo für den verstorbenen Niki Lauda fahren. Formel 1 gedenkt des Österreichers vor dem Großen Preis von Monaco.

Wer ihn mehr vermisst, ist nicht das übliche Wettrennen am Hafenkai von Monte Carlo. Es ist mehr ein kollektives Grundgefühl. Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der ohne einen Freund und Teilhaber auskommen muss. Helmut Marko auf seiner schwimmenden Red-Bull-Plattform, der das gemeinsame Granteln beim Frühstück vermissen wird. Die Ferrari-Familie in ihrer leuchtend roten Trutzburg, die im letzten Sommer in Sergio Marchionne selbst einen Leader vom alten Schlag verloren hat. Die Nachricht, dass der dreimalige Weltmeister Niki Lauda kurz vor dem Großen Preis von Monaco gestorben ist, hat alle geschockt. Die Formel 1 trägt Trauer.

Das Klima ist drückend, die Stimmung bleibt gedrückt. Dazu passt der silbergraue Himmel über dem Fürstentum. Mercedes hat ganzseitige Todesanzeigen in Auftrag gegeben, lediglich die Umrisse des Firmenemblems zieren den schwarzen Grund, dazu die Kondolenz-Zeile: „Unser Stern im Himmel“. Das ist ungewöhnlich, aber ehrlich emotional. Und wer Niki Lauda erlebt hat, der ahnt, dass ihm diese Ehre wohl zu viel gewesen wäre. Man kann sich vorstellen, wie er ein beiläufiges „Wurscht“ fallen lassen würde.

„Möge Gott Deine Seele beruhigen“

Lewis Hamilton, der amtierende Champion und Seelenverwandte Laudas hat im Gegensatz zu seinem ehemaligen Rivalen Nico Rosberg nur wenige Worte gewählt, auch keine verklärenden. Seine offiziellen Auftritte am Mittwoch hat er mit dem Verweis darauf absagen lassen, dass er gerade einen sehr engen Freund verloren habe. Der Brite verfasste nur einen kurzen Online-Brief: „Mein Kumpel, ich wehre mich zu glauben, dass Du gegangen bist. Ich werde unsere Gespräche, unser Lachen und die Umarmungen nach unseren gemeinsamen Siegen vermissen. Es ist wirklich eine Ehre für mich, mit Dir in den vergangenen sieben Jahren zusammengearbeitet zu haben. Ohne Dich wäre ich nie zu diesem Team gekommen. Möge Gott Deine Seele beruhigen. Danke, dass Du ein strahlendes Licht in meinem Leben bist. Ich liebe Dich, Mann. Dein Freund für immer.“

Emotionale Reaktionen bei Mercedes

Das Verhältnis der beiden verlief auf einer gedachten mentalen Ideallinie, die zwischen Piloten aller Generationen auch neben der Piste gilt. Lauda beherrschte sie: „Es gibt eine Rennfahrersprache, die versteht niemand anderes.“ In der Rolle des Übersetzers war Lauda wichtig, er beherrschte aber auch die richtige Tonlage für die Gespräche mit den Mercedes-Managern. „Die Mercedes-Familie hat einen ihrer besten Mentoren verloren“, weiß der ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche, der Lauda Ende 2012 als Berater geholt hatte. „Aus Respekt vor Niki werden wir versuchen, die Trauer in Kraft umzuwandeln“, verspricht Mercedes-Pilot Valtteri Bottas, nachdem die Silberpfeile bislang fünf Doppelerfolge in Serie gefeiert haben.

Fragen zur Zukunft des Mercedes-Teams

Laudas Tod trifft auch mitten ins kommerzielle Herz der Königsklasse. Geschäft und Gefühle (erfolgreich) trennen, das war die Art des Österreichers, das wird nun auch von denen erwartet, die sein Erbe verwalten müssen. Was macht das Champion-Team ohne den Mann, der sein Mandat so wahrgenommen hat, wie man es sich von jedem Aufsichtsrat wünscht? Was geschieht mit seinen zehn Prozent Anteilen am Team? Wird Toto Wolff, der 30 Prozent hält, diese auch noch übernehmen und damit eine noch mächtigere Rolle spielen? Die beiden hatten Anfang 2013 beim Amtsantritt auf Beteiligungen bestanden. Zum einen, weil beide zu Unternehmern taugen und nicht zu Angestellten, zum anderen aber, um auch richtig in die Verantwortung genommen zu werden können – das Geldverteilungssystem der Formel 1 beruht gnadenlos auf Erfolg. Und diesen hatte Lauda immer.

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