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Warum Alex Zanardi die Motorsport-Welt verblüfft

Alex Zanardi, auf dem Foto 2017 in Hockenheim.

Alex Zanardi, auf dem Foto 2017 in Hockenheim.

Foto: imago

Essen.  Vor 17 Jahren verlor der italienische Rennfahrer Alex Zanardi bei einem Unfall beide Beine. Im August startet der 51-Jährige in der DTM.

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Als erstes traf Doktor Terry Trammell am Unfallort ein. Der Mediziner rutschte aus, fiel auf seine Knie und Hände. Trammell dachte, es wäre Öl, das aus dem Auto lief. Aber es war Blut. Der Lausitzring war an dieser Stelle voller Blut, das aus Alessandro Zanardis Auto lief. „Ich wusste, ich habe nur drei Minuten Zeit“, erinnerte sich der Mediziner in einer Dokumentation des Discovery-Chanels.

180 Sekunden, um das Leben des jungen Rennfahrers zu retten.

Trammell stopfte Kompressen auf die Wunden, band das Bein des Italieners mit einem Gürtel ab. Drei Minuten und etwas mehr verstrichen. Sie gehören zu den dramatischsten in der Geschichte des Motorsports und veränderten ein Leben für immer. Zanardi überlebte an diesem 15. September 2001 den Unfall in seinem Champ-Car – aber er verlor seine Beine. 17 Jahre später wird für ihn ein Traum wahr: Zanardi geht als Pilot in der DTM beim Rennen in Misano/Italien (25./26. August) an den Start.

„Es ist die größte Herausforderung meines Lebens“, sagt der 51-Jährige. Zanardi wird in einem speziellen Auto von BMW sitzen, einem M4, der an seine Bedürfnisse angepasst ist. Der Italiener saß bereits einige Male in einem BMW-Rennwagen, startete zwischen 2005 und 2009 bei der Tourenwagen-WM und beim 24-Stunden-Rennen in Spa 2015. Der Unterschied diesmal: „Ich werde meinen Arm brauchen, um zu bremsen. Nicht meine Prothesen.“

DTM-Chef Gerhard Berger freut sich auf Zanardis Start

Möglich gemacht habe seine Fahrt auch Matthias Ekström, sagt Zanardi. „Er hat die Tür dafür geöffnet.“ Als ehemaliger DTM-Fahrer durfte er beim Saisonstart für Audi auf dem Hockenheimring als zusätzlichen Fahrer starten. Jedes der drei DTM-Teams bekommt einmal die Gelegenheit, einen Gastfahrer einzusetzen. Der Schwede blieb ohne Chance, ähnliches erwartet auch Zanardi. „Die Fahrer sind alle unglaublich gut vorbereitet, unglaublich talentiert. Aber ich bin ein Optimist, ich bin ein Kämpfer.“

DTM-Chef Gerhard Berger freut sich auf den Start des Stars, der mit der Behinderung früh umzugehen wusste, das Sportlerleben nicht für beendet erklärte und 2012 sowie 2016 bei den Paralympischen Spielen insgesamt vier Goldmedaillen mit dem Handbike gewann: „Seine ungemein beeindruckenden Leistungen, aber auch sein unerschütterlicher Optimismus und seine Menschlichkeit ragen weit über den Sport hinaus und haben ein Millionenpublikum inspiriert.“

An allem Anfang standen die überraschten deutschen Ärzte im Schreckensjahr 2001. „Sie haben mir gesagt, ich müsste tot sein“, erinnerte sich Zanardi einmal. In jenem Jahr fuhr er keine besondere Saison, doch in der Lausitz hatte er ein besseres Gefühl. Von Startplatz 22 aus holte Zanardi auf und war in der Mitte des Rennens bereits auf Platz drei. In Runde 114 fuhr er in die Box, „reine Mathematik“, sagt Zanardi, „ich sollte danach als Führender das Rennen gewinnen.“ Bei der Ausfahrt verlor er die Kontrolle, landete auf dem Grünstreifen und schließlich auf der Strecke. Bei Tempo 320 donnerte der Kanadier Alex Tagliani in seinen Wagen und teilte diesen in zwei Hälften.

Zanardi wurde in ein Krankenhaus geflogen. Er musste siebenmal wiederbelebt werden. Er verlor drei Viertel seines Blutes. Drei Tage später wachte Zanardi aus dem Koma auf und kämpfte sich durch die Reha zurück ins Leben.

Zanardi ließ auch seine Kindheitsträume nicht fallen. „Als ich ein Kind war, wollte ich ein rotes Auto haben. Ich konnte an nichts anderes denken.“ Zanardi erstellte eine Liste mit Zielen, die er erreichen wollte. Ganz oben: Formel-1-Fahrer werden, was ihm später auch gelang. „Relativ weit oben stand, DTM-Fahrer zu werden“, sagt er. Im August ist er am Ziel, mit einem Umweg. „Als ich ein Kind war und davon träumte, dachte ich, es wäre um einiges einfacher.“

Aber nicht unmöglich. Auch nicht für Alex Zanardi.

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