MSV Duisburg

MSV gewinnt erneut: Lieberknechts Plan geht derzeit auf

MSV-Trainer Torsten Lieberknecht bedankte sich in Bielefeld bei den mitgereisten Fans.

MSV-Trainer Torsten Lieberknecht bedankte sich in Bielefeld bei den mitgereisten Fans.

Foto: firo

Bielefeld.   Der MSV Duisburg siegte erneut in Bielefeld. Mit dem 1:0-Erfolg in einem Psychospiel klettert die Mannschaft auf einen Nichtabstiegsplatz.

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Die Alm gibt dem MSV Duisburg Auftrieb. Ahmet Engin verhalf dem Meidericher Fußball-Zweitligisten durch eine eiskalte Aktion in der 82. Minute zum 1:0 (0:0)-Auswärtssieg vor 14.776 Zuschauern bei der Bielefelder Arminia. Der Auswärtssieg in dem Treffen zweier Kellerbewohner geriet zu einem Geduldsspiel. Die Zebras dürfen entsprechend ruhig auf einem Nichtabstiegsplatz übernachten. Ein ganz neues Gefühl für das Team.

Elf Punkte in sechs Spielen

In sechs Spielen seit dem Amtsantritt von Torsten Lieberknecht holten die Zebras elf Punkte. Um es mit den Worten von Fabian Schnellhardt, dem Passgeber zum Siegtor, zu sagen: „Wir haben einen kleinen Lauf.“ Ein bisschen Augenzwinkern gönnte sich der Mittelfeldmann ebenfalls: „Wenn wir von Anfang an so gepunktet hätten, dann wären wir ganz oben mit dabei.“ Was den Unterschied zur Null-Punkte-Phase ausmacht? Torsten Lieberknechts Plan geht derzeit auf. Die Mannschaft steht in der Defensive sicherer. Trainer Lieberknecht nannte die Abwehrarbeit vor den Pause „bärenstark“.

Da kann man gelassener auf den einen guten Moment warten, der das Spiel am Freitag entschied. Lieberknecht nannte den Pass von Fabian Schnellhardt auf Engin einen „Geistesblitz“.

Seit dem 3:0 im Pokal ebenfalls auf der Bielefelder Alm, hat Daniel Mesenhöler im MSV-Tor keinen Treffer mehr geschluckt. In der Liga ist der MSV seit drei Spielen ohne Gegentor. Da kann man es sich leisten, geduldig auf die eine große Chance zu warten. Und die dann zu machen. Anders als beim 1:1 in Ingolstadt spielte der Gast die Minuten ruhig von der Uhr runter. Selbst vier Minuten Nachspielzeit konnten das Zebra nicht erschüttern.

Eine Taktikschlacht hatte Lieberknecht vorhergesagt und sah sich in der Nachschau bestätigt. Praktisch jeder benutzte das schöne Wort, um ein Spiel mit wenig Glanzlack auf dem Holz zu beschreiben. Dem 3-4-3 seines Kollegen hielt der MSV-Coach ein 4-3-3 entgegen. In der Länderspielpause hatten die Kicker noch die Dreierkette geübt. Lieberknecht hatte anderes aus der Übung mitgenommen. Stanislav Iljutcenko, der beim 1:1 im Test gegen den Drittligisten VfL Osnabrück das MSV-Tor erzielt hatte, rückte von Beginn an zentral in die Spitze.

Glück in der ersten Halbzeit

Die Partie zweier Mannschaften mit Sorgen um den Klassenerhalt war freilich mehr als Rasenschach. Es war auch ein Psychospiel. Nur keinen Fehler machen. Die Zebras hörten auf die Mutter der Porzellankiste und ließen Vorsicht walten. Ruhiger Ballbesitz statt Risiko. Liebknecht sprach da sogar von etwas „Lethargie“ im Vortrag.

Das blieb nur mit Glück in der ersten Halbzeit ohne Strafe, weil ausgerechnet Kapitän Kevin Wolze in der Anfangsphase zweimal den Bruder Leichtfuß gab. Nach einem ersten Abspielfehler öffnete sich die Tür für Keanu Staude auf der rechten MSV-Abwehrseite. Andreas Wiegel konnte in höchster Not zur Ecke retten. Zwei Minuten später musste nach einem erneuten Wolze-Fehlpass der Pfosten für den schon geschlagenen Torhüter Daniel Mesenhöler. Keanu Staude hatte allzu gut gezielt.

Die Zebras wagten nach vorn wenig. Man nahm so mit, was der Gegner anbot. Wirklich spruchreif war dabei einzig ein Kopfball von Moritz Stoppelkamp in der 13. Minute, den Bielefeld Torhüter Ortega Moreno aus dem Giebel angelte. Stoppelkamp bot sich vor der Pause eine zweite Gelegenheit. Kurz vor der Pause umspielte die Offensivkraft den Torhüter. Dann aber wurde Winkel zu spitz, um den Konter mit Führung zu vollenden. Schön war das alles nicht. Aber Abstiegskampf ist ja auch kein Laufsteg für Supermodels.

Mehr Risiko nach der Pause

Die zweite Halbzeit gingen die Hausherren erwartungsgemäß mit mehr Lust aufs Risiko an. Auch Lieberknecht hatte seine Spieler aufgerüttelt. Mehr Wucht nach vorne wollte er sehen. So sehr man sich über eine humorlose Abwehrarbeit freut. Offensiv ist der Spielwitz arg trocken. Viele Pässe waren schlecht getimt und erreichten gar nicht erst die Gefahrenzone. Da war mehr drin, als der MSV rausholte. Ahmet Engin lieferte dafür zunächst das beste Beispiel, als er nach einer Stunde zu einem feinen Flankenlauf anhob, dann aber weder Stoppelkamp noch Iljutcenko, sondern einen Abwehrspieler mustergültig anspielte.

Dennoch, der MSV war inzwischen Chef im Ring, sparte sich den finalen Schlag aber für die Schlussphase auf. Der eingewechselte John Verhoek gab die Kugel an Schnellhardt weiter, der schickte den Ball durch einen Tunnel zu Engin und der machte den Rest.

In der Pressekonferenz am Mittwoch hatte Engin den Treffer fast schon angekündigt. Gesagt, getan, gewonnen und sich dann „sehr gefreut“, wie Engin kaum überraschend sagte.

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