Hall of Fame

Neue Gesichter für die Ruhmeshalle des deutschen Fußballs

Das sind die neuen (von links): Hans-Jürgen Dörner, Oliver Kahn, Wolfgang Overath, Helmut Schön und Jürgen Klinsmann.

Das sind die neuen (von links): Hans-Jürgen Dörner, Oliver Kahn, Wolfgang Overath, Helmut Schön und Jürgen Klinsmann.

Foto: Montage: Kozuluc

Dortmund  Die Hall of Fame im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund wird vergrößert. Die neuen Mitglieder heißen Kahn, Dörner, Overath, Klinsmann und Schön.

So eine Wahl hat es in sich. Wie will man auch wirklich allen gerecht werden, wenn Mitglieder für die „Hall of Fame“ des deutschen Fußballs benannt werden sollen? Im vergangenen Jahr gelang dies nach penibler Bewertung aller Kriterien: Die Gründungself, die im Frühjahr bei einer Gala in der Heimat der Ruhmeshalle, im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, ausgezeichnet wurde, konnte sich wirklich sehenlassen.

Sepp Maier, Andreas Brehme, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Günter Netzer, Matthias Sammer, Lothar Matthäus, Fritz Walter, Uwe Seeler, Gerd Müller, Helmut Rahn und Trainer Sepp Herberger – wer mag daran zweifeln, dass jeder von diesen außergewöhnlichen Fußballern diese Auszeichnung verdient hatte. Nun wird die Hall of Fame erweitert, für den zweiten Jahrgang legte sich die aus führenden deutschen Sportjournalisten bestehende 28-köpfige Jury auf weitere Persönlichkeiten fest, die in den elitären Zirkel aufgenommen werden.

Das Votum fiel nach spannenden Diskussionen und sorgfältiger Abwägung auf: Oliver Kahn als Torhüter, Hans-Jürgen Dörner als Abwehrspieler, Wolfgang Overath als Mittelfeldspieler, Jürgen Klinsmann als Stürmer und Helmut Schön als Trainer.

Nicht gewählt werden konnten Fußballer und Trainer, deren Karrieren noch nicht mindestens seit fünf Jahren beendet sind. „Die mehrstündigen Gespräche zeigen, welche Relevanz diese Ruhmeshalle besitzt“, erklärt Manuel Neukirchner, der Direktor des Deutschen Fußballmuseums und Initiator der Hall of Fame. „Sie im vergangenen Jahr ins Leben gerufen zu haben, war überfällig.“

Warum die fünf neuen Mitglieder die Aufnahme in die Ruhmeshalle verdient haben, erklären wir in einer kurzen Würdigung.

Oliver Kahn: Der Titan im Tor

Er hat keinen Weltmeistertitel vorzuweisen, und als Deutschland 1996 Europameister wurde, gehörte er zwar zum Aufgebot, kam aber nicht zum Einsatz. Und doch ist Oliver Kahn weltweit hoch angesehen. Der heute 50-Jährige, der mit dem FC Bayern die Champions League gewann und achtmal Deutscher Meister wurde, prägte auf seiner Position eine ganze Epoche.

Hans-Jürgen Dörner: Die DDR-Legende

Man nannte ihn häufig den „Beckenbauer des Ostens“. Das sollte eine Ehrerbietung sein, doch es klang auch ein wenig despektierlich. Denn Franz Beckenbauer wurde ja auch nicht der „Dörner des Westens“ gerufen. Der Sachse „Dixie“ Dörner (68) ist eine Legende im ostdeutschen Fußball. Für die DDR-Nationalmannschaft kam der Dresdener Abwehrspieler auf 100 Länderspiele. Berti Vogts erklärte einmal, er sei der festen Überzeugung, dass Dörner diese Zahl auch als bundesdeutscher Nationalspieler erreicht hätte. Vogts, der Weltmeister von 1974, unterlag Dörner minimal – mit einer Stimme bei einer Stichwahl.

Wolfgang Overath: Der große Zehner

Im vergangenen Jahr hatte sich die Jury die Köpfe heiß geredet, sie stellte sich die aus den 70er-Jahren bekannte Frage: Overath oder Netzer? Am Ende gewann Netzer die Wahl. Diesmal aber gab es gar keine Diskussion: Der große Spielmacher aus Köln, der heute 76 Jahre alte Weltmeister von 1974, wurde einstimmig und hochverdient in die Hall auf Fame berufen.

Jürgen Klinsmann: Der Weltmann

Man sieht es noch vor Augen, wie Jürgen Klinsmann nach Rudi Völlers Platzverweis gegen die Niederlande bei der WM 1990 in Italien allein gegen die Abwehr anrannte – und das Spiel seines Lebens machte. Auf seinen internationalen Stationen erwies sich der Schwabe auch als herausragender Botschafter des deutschen Fußballs. Bei der Wahl setzte sich der 55-Jährige gegen Top-Konkurrenten wie Rudi Völler und Klaus Fischer durch.

Helmut Schön: Der Feingeist

Helmut Schön war der Trainer der bis heute spielstärksten deutschen Nationalmannschaft: der Europameister-Elf von 1972. Zwei Jahre später holte das Team unter der Regie des gebürtigen Dresdeners im eigenen Land auch den Weltmeistertitel. Der Mann mit der Mütze war ein Feingeist, kein Lautsprecher. Er verstarb 1996 im Alter von 80 Jahren. Die Hall of Fame ist der angemessene Ort, um das Andenken an diese große Trainer-Persönlichkeit zu erhalten.

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