Balve Optimum

Das Duell in Balve: Sönke Rothenberger vs. Isabell Werth

Bei der Siegerehrung: Sönke Rothenberger (re.) gewinnt den Grand Prix vor Isabell Werth (li.).

Bei der Siegerehrung: Sönke Rothenberger (re.) gewinnt den Grand Prix vor Isabell Werth (li.).

Foto: Falk Blesken

Balve.   Sönke Rothenberger und Cosmo starten mit einem Sieg im Grand Prix in die DM in Balve. Der Zweikampf mit Isabell Werth geht im Special weiter.

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Weihegold wird sich nichts dabei gedacht haben, gewiss nicht. Doch als sie mit Isabell Werth im Sattel während der Siegerehrung des Grand Prix bei der Deutschen Meisterschaft in Balve neben ihrem vierbeinigen Kollegen Cosmo und dessen Reiter Sönke Rothenberger steht, senkt sie für einen Moment den Kopf. Als würde sie sich vor der Leistung des benachbarten Duos verneigen. Cosmo und Rothenberger gewannen die Qualifikationsprüfung für den Grand Prix Special, in dem an diesem Samstag ab 10.30 Uhr die erste DM-Medaille vergeben wird.

Werth vs. Rothenberger, Rothenberger vs. Werth – das ist der Zweikampf, der die deutsche Dressurszene in Atem hält. Wenn jemand aus dem eigenen Lager die beste Dressurreiterin der Welt schlagen kann, dann wird dies dem 23-jährigen Bad Homburger zugetraut.

Rothenberger (82,820 Prozent) trennen in Balve 0,1 Prozent von Werth (82,720). „Ein Wimpernschlag“, sagt die Zweitplatzierte – gelassen. Sie wollte schließlich mit ihrem Top-Pferd Emilio ins Sauerland reisen, um die Titel in Special und Kür zu verteidigen. Doch Emilio verletzte sich. „Nichts Schlimmes. Er hätte vielleicht eine Prüfung gehen können, aber ich wollte nichts riskieren“, sagt die 48-Jährige. Also musste spontan Weihegold unter den Sattel. „Sie war vor zwei Wochen noch im Zuchteinsatz, deshalb war der Anlauf doch extrem kurz und die Leistung wirklich hervorragend“, lobt Werth die 13-jährige Stute, mit der sie bereits Weltcupsiegerin wurde und bei Olympischen Spielen startete.

Werth verzichtet auf die Kür

Allerdings möchte sie Weihegold nicht zu viel zumuten. Auf einen Start in der Kür am Sonntag verzichtet Werth deshalb. Obwohl, sie hätte im Stall genug Top-Pferde, um bei Welt- oder Europameisterschaften eine eigene Mannschaft zu stellen und um den Sieg mitzureiten. Emilio, Weihegold, Don Johnson heißen sie – und Bella Rose. Diese elegante Fuchsstute war Werths Superpferd, wartet jedoch seit zweieinhalb Jahren auf ein Comeback. „Sie ist meine Nummer eins. Die anderen rangieren auf einem Niveau knapp unter ihr“, verriet die Rheinbergerin.

Doch sowohl für Don Johnson als auch für Bella Rose kam ein Einsatz im Sauerland nicht in Frage. Wann Bella Rose wieder im Viereck zu bewundern sein wird? „Ich wäre verrückt, würde ich einen Zeitpunkt nennen“, antwortet Werth, lacht und ergänzt: „Irgendwann werden wir alle überraschen und uns ein tolles Geschenk machen.“

Doch nicht nur die große Zahl an Top-Pferden, die Werth zur Verfügung stehen, beruhigt Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu. Emilio verletzt, Desperados (der Hengst von Kristina Bröring-Sprehe) verletzt, Showtime (der Wallach von Dorothee Schneider) verletzt – trotzdem glänzen die Reiterinnen, außer Bröring-Sprehe, zum Auftakt der Titelkämpfe mit ihrer zweiten Garde. „Die Auftritte fand ich richtig gut“, erklärt Theodorescu, „die DM ist eine gute Standortbestimmung für Aachen.“ Für den CHIO, in dessen Anschuss sie die Mannschaft für die WM in Tryon/USA im September nominieren wird.

Lob von der Bundestrainerin

Sönke Rothenberger und Cosmo werden zu dieser Mannschaft, die den Titel holen soll, gehören. „Über die Qualität des Pferdes müssen wir nicht sprechen und in der Vorstellung jetzt war mehr Reife“, sagt Theodorescu über den Sieger. „Ich bin richtig froh, dass Sönke mal in einer ersten Prüfung eine tolle Leistung gezeigt hat.“

Doch im Zweikampf mit Isabell Werth darf er sich weiter keinen Fehler erlauben. Denn bei aller Gelassenheit, die Werth nach Rang zwei verbreitet – sie will mit Weihegold am Samstag zwar nicht auf Teufel komm’ raus angreifen, aber ihren Titel gewiss nicht kampflos aufgeben. „Die anderen kochen auch nur mit Wasser“, sagt sie, „wir schauen mal, wer am Samstag am besten kocht.“ Und wer sich bei der Siegerehrung vielleicht wieder vor wem verneigt.

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