Olympia

Bei Trend-Sportarten ist Deutschland nur Mitläufer

Halfpipe-Star Shaun White

Halfpipe-Star Shaun White

Foto: dpa

Pyeongchang.  Bei den olympischen Trend-Sportarten sind die anderen cooler als Deutschland. Aber Beachvolleyball hat gezeigt: Das kann man ändern.

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Was sich bei ihrem Olympia-Debüt ändert, weiß Jana Fischer genau: Das Tempo, „hier geht es viel schneller zu“, erzählt die 18-jährige Snowboarderin von den ersten Eindrücken in Südkorea. Bei den Juniorinnen „passierte es immer wieder, dass da ein, zwei gar nicht mithalten konnten.“

Das wird Fischer im Bogwang Snow Park nicht erleben. Freitag geht die Schwarzwälderin im Boardercross an den Start, fährt durch Steilwandkurven über Buckel – gegen die Besten dieser Sportart.

Fischer ist das, was man als Versprechen für die Zukunft bezeichnet. Ein Talent, das schon bei Olympischen Jugendspielen Gold gewonnen hat. Eine junge Athletin, auf der teilweise die Hoffnungen ruhen, dass deutsche Boarder endlich den Anschluss an die Weltspitze schaffen. Denn wenn man so möchte, ist Deutschland im Bereich der beiden Funsportarten im Schnee Entwicklungsland. Im Grunde genommen wie die USA im Biathlon. Man ist dabei – aber die Medaillen holen die anderen.

Im von Europäern geprägten Langlauf samt Schießeinlage sammelt Laura Dahlmeier Gold um Gold ein. Mit dem Snowboard oder zwei Freeskiern unter den Füßen dominieren die Nordamerikaner die olympischen Wettbewerbe.

Shaun White dominiert die Szene

Seit dem Debüt 1998 in Nagano gab es exakt fünf Medaillen für deutsche Starter, Nicola Thost holte bei der Premiere immerhin sogar Gold in Schneerinne Halfpipe. Am Mittwoch wurde US-Superstar Shaun White um dritten Mal Olympiasieger in der Halfpipe. Er ist mit seinem Brett längst zum Multimillionär geworden, weil Sponsoren seine mediale Präsenz großzügig honorieren und sein Konterfei die Videospielhüllen schmückt. Man kann es nicht anders sagen: Der 31-Jährige ist weltweit eine Legende auf dem Snowboard.

„Eine Medaille kann man von Jana nicht erwarten“, sagt Hanns-Michael Hölz. Er ist der Präsident des Snowboard-Verbandes Deutschland (SVD), in dem rund 38 000 Boarder und Ski Freestyler aus 2900 Vereinen organisiert sind. Das klingt nach solider Basis, aus der sich Spitzenleistungen ergeben können. Doch im Alpenraum oberhalb der Grenze zu Österreich und der Schweiz ist das Fördersystem mit Landeskadern nicht so ausgeprägt. Hölz: „Ich sage den Trainern immer: Geht in die Vereine, schaut euch die Talente an und zieht sie euch hoch.“ So wie bei Jana Fischer, die nun bei Olympia startet.

Welche Bedeutung Snowboard und Ski Freestyle mittlerweile für die Fünf-Ringe-Bewegung haben, zeigt ein Blick in den olympischen Plan. Von 102 Goldmedaillen werden 20 alleine in diesen beiden Sportarten vergeben. Halfpipe und Slopestyle heißen die Disziplinen dann, Buckelpiste und Big Air, Parallelslalom und Cross – beim Zugucken bei den Schneeakrobaten herrscht Partystimmung.

Die Wettkämpfe sind Punkrock, alpines Skifahren dagegen öder Schlager, so die Wahrnehmung. Damit wollte das IOC kurz vor der Jahrtausendwende dem schwindenden Olympia-Interesse beim Nachwuchs entgegenwirken. Im Snow Park von Pyeongchang geht diese Rechnung auf.

Konstantin Schad ist mit 31 Jahren ein erfahrener Starter aus dem SVD-Lager und weiß daher: „Andere Länder haben viel früher Gas gegeben und in den Sport investiert – und die sind deswegen jetzt ganz vorne.“ Der Boardercrosser aus Miesbach sieht in Deutschland aber vielversprechende Grundlagen gvorhanden. „Die guten Platzierungen und Siege im Weltcup dieses Jahr sind ein geiler Indikator. Wenn man den Input und die Erwartungen am Output sieht, holen wir schon sehr viel raus“, sagt Schad.

Ohne Erfolgsdruck in Pyeongchang

Sein Cross-Kollege Paul Berg ist so ein positives Beispiel in diesem Winter, ebenso Parallel-Boarderin Selina Jörg und die in Südkorea verletzt fehlende Slopestylerin Lisa Zimmermann. Für eine bessere finanzielle Ausstattung des Verbands, die laut Hölz in „Material, Trainer, Techniker und Nachwuchs, Nachwuchs, Nachwuchs“ gesteckt gehört, muss in Pyeongchang eines her: „Medaillen“, sagt Hölz, „zwei – in welchen Wettbewerben auch immer.“

Vielleicht dient am Ende die Entwicklung im Beachvolleyball als Mutmacher. Hier sind inzwischen deutsche Duos durch intelligente Strukturen und auf Erfolgen basierenden Zuwächsen an Fördermitteln fester Bestandteil der Weltspitze. Olympiasiege wie die von Jonas Reckermann und Julius Brink 2012 in London oder Laura Ludwig und Kira Walkenhorst 2016 in Rio belegen die gebrochene Vorherrschaft der USA und Brasilien.

Ob Jana Fischer die eines Tages im Boardercross brechen kann, wird sich noch nicht in Pyeongchang zeigen.

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