Olympia

Im Eisschnelllauf beginnen die Tage der Wahrheit

Eisschnellläufer Patrick Beckert

Foto: dpa

Eisschnellläufer Patrick Beckert Foto: dpa

Pyeongchang.  Das Desaster von Sotschi 2014 ist unvergessen. 2018 soll für die Eisschnellläufer alles besser werden: Es gibt drei Medaillenkandidaten.

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Das Gesicht von Robert Bartko ließ in den vergangenen Tagen nicht darauf schließen, dass er bei seinen Besuchen im Gangneung Oval viele Momente der Freude erlebte. Fünf olympische Rennen sah der Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) bislang. Immer Siege der Niederländer – und immer deutsche Athleten, die weit entfernt von den Podesträngen den Zielstrich passierten. Das kann einem schon aufs Gemüt schlagen.

Seit den Ergebnissen von Sotschi vor vier Jahren steigt bei Bartko langsam die Nervosität. 2014 blieb der Verband erstmals seit 50 Jahren ohne olympische Medaille, ein Desaster für die früher so zuverlässigen Eisschnellläufer.

„Das Ergebnis hat keinen unberührt gelassen in der DESG“, sagt Bartko, selbst zweifacher Olympiasieger im Bahnradsport. In seine Verantwortung fallen die Resultate nicht, er kam erst in der Folge als Erneuerer maroder Strukturen.

Es gibt drei Medaillenkandidaten

„Wir haben viele Dinge angepackt und verändert“, erzählt er . Davon sieht man in Südkorea noch nichts, wie das jüngste Rennen der Damen über 1000 Meter verdeutlichte. Als 26. kam die Erfurterin Judith Dannhauer (1:17,41 Minuten) ins Ziel. Nur wenig besser schnitt beim Sieg der Niederländerin Jorien ter Mors (1:13,56) die Inzellerin Gabriele Hirschbichler (1:16,03) ab – Platz 15. Trotzdem soll sich die Misere von Sotschi nicht wiederholen. Die Tage der Wahrheit stehen nun bevor.

Für zwei Athleten, den Erfurter Patrick Beckert (27) und die Berlinerin Claudia Pechstein (45), waren die ersten Rennen nur Aufwärmrunden für ihre Lieblingsstrecken. Am Donnerstag tritt Beckert über die 10 000 Meter an (12 Uhr), am Freitag Pechstein über 5000 Meter (12 Uhr). Ein paar Tage später sucht der Chemnitzer Nico Ihle (32) seine Chance über 500 und 1000 Meter.

„Patrick muss eine Medaille holen, damit das Ganze hier in Schwung kommt. Auf den Zug will ich dann aufspringen“, sagt Ihle. Alle drei gewannen im Vorjahr an gleicher Stelle WM-Medaillen, das macht Hoffnung. Auch Bartko.

Seine Podestkandidaten profitieren allerdings nicht von Veränderungen innerhalb der DESG. Ihnen genügt nicht, was der Verband ihnen bietet. Deshalb gehen alle drei eigene Wege. Mit dem von Bartko installierten Bundestrainer Jan van Veen, einem Holländer, dessen Arbeit mit den Sportlern in der zweiten Reihe eher perspektivisch fruchten soll, kooperieren Beckert, Pechstein und Ihle nicht. Sie haben sich selbst Trainer gesucht, ziehen eigene Programme durch. Beckert und Ihle nutzen ihre Brüder als Trainingspartner, Pechstein hat sich gleich ein ganzes Männer-Team zusammengestellt. „Ich bin von meinem Programm überzeugt, sonst hätte ich diesen Weg nicht gewählt“, sagt Beckert. Er stieß auf wenig Gegenliebe.

Als er sich einem niederländischen Privatteam anschloss, musste er sich aus der Förderung der Bundeswehr verabschieden. Als er ein Jahr später wieder in Deutschland trainierte, wurde er nicht mehr in die Förderung aufgenommen, trotz guter Leistungen. Das hat er noch immer nicht verwunden: „Ich fand es sehr schade, bin aber froh, dass ich gezeigt habe, was trotzdem möglich ist.“ In der Olympia-Saison lenkte der Verband ein, gewährte die Aufnahme in die Bundeswehr wieder und eröffnete Beckert damit bessere finanzielle Bedingungen.

Weltcup weckt Hoffnungen

Mit Podestplätzen in dieser Saison bestätigte er seine Autonomie erneut, und auch Ihle und Pechstein gehörten im Weltcup zu den Besten.

„Ich bin in der Form meines Lebens. Ich bin bereit und zähle zu den Medaillenkandidaten. Ich will mir den Traum von der olympischen Medaille erfüllen“, sagt der WM-Dritte. Notfalls will Beckert für seinen Traum auch über die „Kotzgrenze“ gehen, sagt er in Erwartung der Schmerzen auf der Strecke von 10 000 Metern.

Einen Sieg der Niederländer über die Strecke wird er kaum verhindern können. Doch er könnte dafür sorgen, dass die DESG nicht weiter darben muss und sich Robert Bartkos Gemütslage verbessert.

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