Olympia 2012

Teamgeist ist das Geheimnis der Dressur-Equipe

Die Dressurreiterinnen Dorothee Schneider (v.l.), Kristina Sprehe und Helen Langehanenberg posieren mit der Silbermedaille.

Die Dressurreiterinnen Dorothee Schneider (v.l.), Kristina Sprehe und Helen Langehanenberg posieren mit der Silbermedaille.

Foto: David Hecker / dapd

London.  Der deutschen Dressur-Equipe war ein schlechtes Abschneiden vorausgesagt worden. Doch Helen Langehanenberg, Kristina Sprehe und Dorothee Schneider gewannen bei den Olympischen Spielen 2012 in London hinter Großbritannien die Silbermedaille.

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Sie grinst verschmitzt, sie reibt sich mit dem rechten Zeigefinger durch das rechte Auge. So, als müsse sie schnell das eine oder andere Tränchen verschwinden lassen. Und während sich die ersten Journalisten gar über das dehnbare Absperrband zu Helen Langehanenberg beugen, als müssten sie deren Tränen zählen, sagt die zierliche 30-Jährige schnell: „Ich habe etwas im Auge. Ich habe immer etwas im Auge.“ Ihr Grinsen wird dabei breiter und breiter. Es will einfach nicht mehr aus ihrem Gesicht weichen.

Denn vor wenigen Minuten ist für sie ein Traum wahr geworden. Einer, von dem sie nie jemandem erzählte, bis zu diesem Augenblick. Helen Langehanenberg gewinnt eine Medaille bei den Olympischen Spielen – das träumte sie als kleines Mädchen. Die Realität im Greenwich Park hält Silber für die Dressurreiterin bereit, Silber bei den Olympischen Spielen von London mit der deutschen Mannschaft. Nur die starken Briten (79.979 Prozent) schlagen die drei deutschen Mädels (78.216) vor heimischem Publikum. Die Niederlande tanzt sich auf Platz drei (77.124).

Fast schon hämische Prognosen der Experten

„Meine Mutter sagt immer ‚Wenn du an etwas glaubst, kannst du Berge versetzen’“, erzählt Langehanenberg. Sie, Kristina Sprehe und Dorothee Schneider glauben an sich und an ihre Pferde Damon Hill, Desperados und Diva Royal. „Wir sind Freundinnen geworden“, sagt die Havixbeckerin glücklich.

Das ist das Geheimnis, mit dem dieses deutsche Trio derzeit all die Zweifler widerlegt. All diejenigen Experten, die bereits vor der Abreise fast hämisch prognostizierten, dass die Deutschen, sonst abonniert auf olympisches Mannschaftsgold, in London komplett leer ausgehen würden. Nicht die unfassbar vielen Glücksarmbänder am rechten Handgelenk von Kristina Sprehe, nicht die von Dorothee Schneider und auch nicht die Stofftierchen in Helen Langehanenbergs Spind sorgen für die Sensation im Viereck, sondern der Teamgeist dieser Mannschaft. Auch wegen des überraschenden Todes ihres damaligen Bundestrainer Holger Schmezer Anfang des Jahres ist diese Truppe so zusammen gewachsen. Deshalb sagt Langehanenberg: „Diese Medaille ist auch für Holger.“ Bevor sie weiterspricht, muss sie eine kleine Atempause einlegen und ergänzt dann: „Und ich glaube, er kriegt das auch mit.“

78.937 Prozentpunkte erhalten Langehanenberg und Damon Hill im Grand Prix Special, den die Britin Charlotte Dujardin auf Valegro mit 83.286 Prozentpunkten gewinnt, und beenden diesen auf Rang vier. 77.571 Prozent, die zu Platz sechs reichen, schreiben die Richter für Schneider und Diva Royal auf. Die erst 25-jährige Sprehe kämpft sich mit Desperados zu 76.254 Prozent und Rang sieben.

Bundestrainer Jonny Hilberath jubelt

„Wir haben nicht Gold verloren, wir haben Silber gewonnen“, jubiliert auch Bundestrainer Jonny Hilberath. „Das konnte man nicht erwarten“, erklärt er weiter, „ich bin super glücklich über diese drei Mädels und ihre ganz, ganz starke Leistung.“

Dass die auf Platz zwei in die Mannschafts-Entscheidung gestarteten Deutschen nicht mehr um Gold reiten, steht vor 25000 begeisterten Zuschauern schnell fest. Zu überlegen agieren die Briten, zu viele klitzekleine Fehler schleichen sich in die Darbietungen der Dressur-Mädels in Schwarz-Rot-Gold ein. „Herrgott – habe ich gedacht“, erzählt Kristina Sprehe über den Augenblick, als ihr Desperados einen kleinen Hüpfer nach vorne macht. „Dieser Fehler ärgert mich, weil er natürlich viel kostet.“

Auch Langehanenbergs Damon Hill springt einmal unplanmäßig etwas vorwärts. „Aber kleine Hüpfer halten mich nicht auf“, sagt die Reiterin später und lacht. Ob sie das mit Blick auf die Kür am Donnerstag, in der über Einzelgold entschieden wird und für die sich alle drei deutschen Mannschaftsreiterinnen qualifizierten, meint? „Natürlich“, antwortet Langehanenberg. Ihr Motto lautet: „Attacke! Ich habe doch jetzt nichts mehr zu verlieren.“

Schließlich ist der Traum von einer olympischen Medaille bereits wahr geworden. Weshalb sie wenig später neben ihren Freundinnen Kristina und Dorothee auf diesem pinken Podest steht – mit der Silbermedaille um den Hals. Und wieder wischt sie mit dem rechten Zeigefinger irgendetwas am rechten Auge weg. Eine Freudenträne?

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