Radsport

Pascal Ackermann: Keine Zeit für La Dolce Vita beim Giro

Gelungene Gerneralprobe: Der deutsche Meister Pascal Ackermann triumphierte in Frankfurt vor John Degenkolb (r.).  

Gelungene Gerneralprobe: Der deutsche Meister Pascal Ackermann triumphierte in Frankfurt vor John Degenkolb (r.).  

Foto: dpa

Essen.  Der deutsche Radprofi Pascal Ackermann gibt sein Debüt bei der Rundfahrt Giro d’Italia. In Frankfurt stellte er jüngst seine Form unter Beweis.

Es gehört eine Portion Wahnsinn dazu, sich bei mehr als sechzig Sachen nach einer langen, kräftezehrenden Fahrt mit anderen Radsportlern um den vordersten Platz zu balgen. Schulter an Schulter, Kopf runter. Man muss das Risiko lieben, einen Hang zum Leichtsinn haben, und ganz sicher keine Angst vor dem Sturz, vor Quetschungen und Brüchen. Man muss so einer sein wie Pascal Ackerman.

Grand-Tour-Debüt beim Giro d’Italia

Der 25-jährige Pfälzer gibt am Samstag sein Grand-Tour-Debüt bei der dreiwöchigen Rundfahrt Giro d’Italia. Sein Motto? Für alle sichtbar auf seinem Instagram-Profil: „Wenn du nichts riskierst, willst du es nicht genug.“

Ackermann ist längst bereit für das Risiko. Im vergangenen Jahr gewann er im Trikot des deutschen Teams Bora-hansgrohe neun Rennen, wurde deutscher Straßenmeister. Dass seine Form über den Winter nicht abgerissen ist, stellte er am Maifeiertag mit seinem eindrucksvollen Sieg beim Halbklassiker Frankfurt-Eschborn unter Beweis. Serien-Sieger Alexander Kristoff aus Norwegen abgehängt, Lokalmatador John Degenkolb auf den zweiten Platz verwiesen. „So wie es aussieht, ist er gut in Form“, sagte Bora-Teammanager Ralph Denk.

Es sei „einfach ein geiles Gefühl“ gewesen, sagte Pascal Ackermann hinterher. Er wollte sich zeigen vor seinem Auftritt auf der großen Bühne, bei einem der drei großen Rundfahrten.

Ackermann: „Ich fühle mich bereit“

Im vergangenen Jahr sei er noch nicht bereit gewesen, schilderte er während eines Wintertrainingslagers auf der Ferieninsel Mallorca. Es fehlte noch die Sicherheit, dass er mithalten kann. Doch die kam mit den Siegen im Sommer. Nach dem Titel in Einhausen legte er bei der Polen-Rundfahrt zwei Etappensiege nach: „Ich fühle mich bereit.“

Ackermann steht neben dem Kölner Nils Politt (Katusha-Alpecin), zuletzt Zweiter beim Eintagesrennen Paris-Roubaix, für einen Generationenwechsel im Feld der Sprinter. André Greipel (36) und Marcel Kittel (30), beide in Italien nicht am Start, erlebten eine durchwachsene Saison. „Das waren meine Idole, ich habe sie im Fernsehen verfolgt“, erinnert sich Ackermann. Ab Samstag ist er im Fernsehen zu sehen. Ab Samstag ruhen die Hoffnungen auf ihn, dass er wie Teamkollege Maximilian Schachmann im Vorjahr für einen deutschen Etappensieg sorgt.

Wellige Abschnitte als Chance

Die Berge liegen dem deutschen Radstar nicht, doch die erste Italien-Woche bietet wellige Tagesabschnitte. „Da versuchen wir alles“, sagt Ackermann. Nach dem Zeitfahren zum Auftakt in Bologna ist vor allem die dritte, 219 Kilometer lange Etappe von Vinci nach Orbetello gemacht für Sprinter. Streckenprofile interessieren ihn allerdings wenig. „Ich mache mir vorher nicht so viele Gedanken. Ich gehe halt an den Start und sage: Okay, mal gucken, was rauskommt.“

In Italien trifft Ackermann auf die Sprintelite. Der dreimalige Straßen-Weltmeister Peter Sagan wird zwar nicht neben ihm im Teambus sitzen. Dafür haben der italienische Meister Elia Viviani (Deceuninck-Quick-Step), der Franzose Arnaud Démare (Groupama-FDJ), der Australier Caleb Ewan (Lotto Soudal) und Shooting-Star Fernando Gaviria (UAE Team Emirates) aus Kolumbien gemeldet. Auch der frühere Skispringer Primoz Roglic (Jumbo-Visma) aus Slowenien reist nach drei Tagessiegen bei der Tour de Romandie mit reichlich Rückenwind an. Ackermann wird etwas riskieren müssen. Aber das liegt ihm ja.

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