DFB-Pokal

Ralf Rangnick: Diesen Mann muss Bayern fürchten

RB-Trainer Ralf Rangnick

RB-Trainer Ralf Rangnick

Foto: Imagp

Berlin.  Der Stratege Ralf Rangnick kann erstmals mit RB Leipzig einen Titel holen. Akribisch hat der Trainer sein Team auf das Pokalfinale vorbereitet.

Es war ein warmer Frühlingsabend in Berlin, an dem ein Feuerwerk den Himmel über dem Olympiastadion erleuchtete. Die Stars des FC Schalke 04 lagen sich glücklich in den Armen, stemmten die Trophäe in die Luft und feierten den 5:0-Sieg im DFB-Pokalfinale gegen den MSV Duisburg ausgelassen. Auch ihr Trainer Ralf Rangnick war sichtlich glücklich, gab sich bei den Feierlichkeiten aber eher zurückhaltend.

Kann Rangnick sein Lebenswerk krönen?

Ins Endspiel hatte die Schalker noch Felix Magath geführt, mit einem 1:0-Halbfinalsieg beim FC Bayern, ehe er entlassen wurde. So gewann sein Nachfolger im Mai 2011 den ersten nationalen Titel seiner Karriere, konnte diesen jedoch nicht als seinen alleinigen Triumph betrachten. Acht Jahre später aber hat er nun als Baumeister von RB Leipzig in der Hauptstadt die Chance, sein Lebenswerk zu krönen. Der 60-Jährige kann mit dem Klub, der am vergangenen Sonntag erst zehn Jahre alt wurde, den ersten Titel in der noch so jungen Vereinshistorie holen. Im Finale gegen den frisch gekürten Meister FC Bayern kann Rangnick am Samstag (20 Uhr/ARD und Sky) RB-Geschichte schreiben.

Am Tag vor dem Duell wirkt er auf der Pressekonferenz entspannt. Er trägt eine graue Trainingsjacke, strahlt Ruhe aus, lächelt vor den Kameras. „Wir haben den schwerstmöglichen Gegner, den man in Deutschland kriegen kann“, sagt Rangnick, der aber auch betont: „Wir wollen auf allerhöchstem Niveau das Spiel der Spiele machen.“

Mit Schalke zweimal im Endspiel

Ralf Rangnick, gewieft und ehrgeizig, ist der Mann, den der FC Bayern fürchten muss. Seit Wochen bereitet der Leipziger Sportdirektor und Trainer sein Team akribisch auf diese Partie vor. Schon vor dem Viertelfinale beim FC Augsburg, das RB mit 2:1 nach Verlängerung gewann, hatte er seinen Spielern vom Reiz des Endspiels berichtet, vom „Flair eines Finales“. Zum ersten Mal als Trainer hatte er das Pokal-Spektakel bereits 2005 erlebt, während seiner ersten Amtszeit bei Schalke 04. Damals verlor er mit dem Revierklub 1:2.

Rangnick hat beharrlich seinen eigenen Weg im deutschen Profifußball zurückgelegt. Leipzig hat er in die nationale Spitze geführt. Zum dritten Mal in Serie sicherte sich der Klub die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb, als Tabellendritter hinter Borussia Dortmund und dem Meister aus München. In der Branche genießt der Schwabe zwar Wertschätzung für sein strategisches Verständnis, seinen Weitblick und seine Fachkenntnis. Doch diese Merkmale machen ihn nicht gleich deutschlandweit beliebt. Zum einen, weil manche ihm etwas Oberlehrerhaftes zuschreiben. Zum anderen, weil der ehemalige Hoffenheimer für den umstrittensten Klub der Bundesliga arbeitet.

Sportdirekor in Salzburg und Leipzig

Von 2012 bis 2015 war er Sportdirektor von gleich zwei Vereinen, die aus dem Imperium des Getränkeherstellers Red Bull hervorgegangen sind: RB Salzburg und RB Leipzig. Gleich bei seinem Amtsantritt beurlaubte Rangnick bei den Sachsen Trainer Peter Pacult und ersetzte ihn durch Alexander Zorniger. Zu dieser Zeit spielte Leipzig noch in der Regionalliga. 2013 stieg der Klub in die 3. Liga auf, um ein Jahr später direkt in die 2. Bundesliga durchzumarschieren. 2016 gelang RB der Sprung in die Bundesliga, wo der Verein auf Anhieb Platz zwei belegte. Ein kometenhafter Aufstieg, der ohne das nötige Geld eines milliardenschweren Konzerns im Hintergrund kaum denkbar gewesen wäre.

Rangnick nutzte dabei die Möglichkeit, Spieler Red-Bull-intern von Salzburg nach Leipzig zu transferieren. Dazu gehören auch Torwart Peter Gulacsi, Innenverteidiger Dayot Upamecano und Mittelfeldspieler Naby Keita, der 2018 für eine Ablösesumme in Höhe von rund 60 Millionen Euro zum FC Liverpool wechselte. Dem Manager und Trainer ist es auch immer wieder gelungen, Spieler zu entwickeln. Lukas Klostermann kam vom VfL Bochum, Marcel Halstenberg vom FC St. Pauli – beide RB-Außenverteidiger sind mittlerweile Nationalspieler. Für Stürmer Timo Werner zahlte Leipzig 2016 rund 14 Millionen an den VfB Stuttgart. Jetzt soll der Nationalspieler rund 65 Millionen Euro kosten. Der 23-Jährige besitzt bei RB noch einen Vertrag bis 2020, die Münchener sollen gute Chancen auf eine Verpflichtung haben. Das Finale wird zeigen, ob Werner seinen möglichen zukünftigen Arbeitgeber ärgern kann. „Wir brauchen Timo in Topform, wenn wir das Spiel gewinnen wollen“, sagte Rangnick am Freitag.

In Kürze kommt Nagelsmann

Für den FC Bayern ist die Teilnahme am Endspiel Routine. Für RB Leipzig bedeutet dieses Spiel hingegen den Höhepunkt seit der Vereinsgründung 2009. Rangnick hat nun die Möglichkeit, in seinem – zumindest vorerst − letzten Spiel als RB-Trainer etwas Großes zu erreichen, ehe Hoffenheims Julian Nagelsmann im Sommer den Posten übernimmt, während sein Vorgänger weiter Sportdirektor bleiben soll. Es wäre der bislang größte Coup des RB-Machers, wenn er den Pokal am Samstagabend zum zweiten Mal in seinen Händen halten könnte. Und diesen Meilenstein seiner Karriere dürfte Ralf Rangnick auch ausgiebig feiern.

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