Balve Optimum

Sönke Rothenberger auf den Spuren von Rath und Totilas

Die zweitplatzierte Dorothee Schneider (li.), der Deutsche Meister Sönke Rothenberger (Mi.) und die drittplatzierte Jessica von Bredow-Werndl bei der Siegerehrung nach der Kür.

Die zweitplatzierte Dorothee Schneider (li.), der Deutsche Meister Sönke Rothenberger (Mi.) und die drittplatzierte Jessica von Bredow-Werndl bei der Siegerehrung nach der Kür.

Foto: Friso Gentsch/dpa

Balve.   Mit Cosmo gewinnt Sönke Rothenberger bei der DM in Balve den Grand Prix Special und die Kür. Greift er nun den Status von Isabell Werth an?

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Er ist nicht bekannt dafür, seine Gefühle öffentlich zur Schau zu stellen. Sönke Rothenberger ist stets freundlich, aber doch reserviert, sachlich. In den ersten Sekunden nach seiner Kür bei den Deutschen Meisterschaften in Balve mussten sie allerdings raus, die aufgestauten Emotionen des 23-jährigen Bad Homburgers. Er ballte die rechte Faust, reckte sie triumphierend in die Höhe – und als Rothenberger mit seinem elfjährigen Wallach Cosmo das Dressurviereck verließ, zeigte er zigfach auf seinen vierbeinigen Partner.

Patzer im Special

Sieg im Grand Prix, DM-Gold im Grand Prix Special und DM-Gold in der Grand Prix Kür – besser hätten die Titelkämpfe im Sauerland für Rothenberger nicht laufen können. Er ist seit Matthias Alexander Rath 2011 mit dem Wunderpferd Totilas der erste Mann, dem dieses Kunststück wieder gelang.

„Ich weiß, dass Cosmo eine Qualität hat, die ihresgleichen sucht“, sagte Rothenberger bereits nach dem Special, in dem er sich einen groben Patzer leistete, eine Lektion vergaß und die Prüfung ab dieser Stelle neu beginnen musste. „Das Pferd hat alles richtig gemacht, keine Ahnung, was da bei mir los war“, sagte Rothenberger zerknirscht.

Trotzdem reichte es für ihn vor Isabell Werth und deren Stute Weihegold, die kurzfristig für den verletzten Emilio die Reise ins Sauerland angetreten hatte, zum Sieg und zum ersten DM-Titel. Dass Werth und die drittplatzierte Dorothee Schneider ihn nach der Siegerehrung in den Wassergraben schmissen, war eine Selbstverständlichkeit.

Auf die Kür verzichtete Werth, um die Stute, die bis vor kurzem noch im Zuchteinsatz war, nicht zu sehr zu belasten. Rothenberger musste das zweite DM-Gold daher nur noch abholen. „Er reitet in einer eigenen Liga“, sagte Schneider, die mit Sammy Davis jr. Rang zwei belegte. „Mein Ziel war es, möglichst nah an Sönke heran zu reiten“, erklärte auch die mit Dalera drittplatzierte Jessica von Bredow-Werndl.

Aber war die DM im Sauerland bereits so etwas wie eine Wachablösung, ist Rothenberger nun die deutsche Nummer eins vor Isabell Werth? „Isabell ist und bleibt die Nummer eins der Welt“, antwortete Rothenberger, um zu ergänzen: „Der Zweikampf läuft ja bereits seit einiger Zeit, in Göteborg hatte sie die Nase knapp vorn – wir beide wissen, dass wir uns keine Fehler erlauben dürfen.“ Bei der EM in Göteborg hatte die 48-Jährige trotz starker Ritte des Youngsters die Nase zweimal hauchdünn vorn – beim CHIO in Aachen (13. bis 22. Juli) treffen die Teamkollegen erneut aufeinander.

Comeback von Langehanenberg?

„Über die Qualität des Pferdes kann niemand mehr streiten“, sagte Rothenberger. Das gilt aber auch für die Qualität der Pferde von Werth, Schneider und von Bredow-Werndl. „Und wir haben noch eine Kaderreiterin, die in etwa zwölf Tagen ihr zweites Kind bekommt und dann bald wieder im Sattel sitzen wird“, sagte Bundestrainerin Monica Theodorescu – über Helen Langehanenberg. Auf die Weltreiterspiele in Tyron/USA im September schaut Theodorescu seit Balve sehr zuversichtlich. Der Schock nach den Ausfällen der drei Top-Pferde Emilio, Showtime und Desperados bei der DM ist verdaut.

Bei der WM zu starten, sei sein Saisonziel, sagte Sönke Rothenberger auch nach den zwei Titeln bescheiden. Dass alles andere aktuell kaum vorstellbar ist und er zu den Medaillenfavoriten gehören wird, das dachte er sich höchstens.

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