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Basketball: Ludwigsburg fordert Alba - diese Riesen überragen

Im Anflug: Ludwigsburgs Marco Knight.

Im Anflug: Ludwigsburgs Marco Knight.

Foto: Firo

München.  Die Basketballer aus Ludwigsburg stehen im Bundesliga-Finale gegen Alba Berlin. Sie spielen hart - und mit Profis, die andere nicht wollten.

Marcos Knight schaute ungeduldig aufs Spielfeld, warf noch einmal einen kurzen Blick auf seinen bandagierten Knöchel, schüttelte sich und nickte dann seinem Trainer John Patrick zu. Wie lange würde der Fuß wohl halten, hatten sich die Zuschauer an den TV-Geräten, Mitspieler und wohl auch Knight selbst gefragt – so viel verriet sein skeptischer Blick – , als er in den Anfangsminuten des Halbfinals seiner Riesen Ludwigsburg gegen Ratiopharm Ulm umgeknickt und kurz darauf aufs Spielfeld zurückgekehrt war. Die Antwort ließ sich in Zahlen festhalten: 26 Punkte und 13 Rebounds fanden sich in der Statistik des 30-Jährigen, nachdem Ulm am Dienstag mit 94:85 besiegt und der Einzug ins Finale der Basketball-Bundesliga perfekt gemacht wurde.

Der 1,88 Meter große Aufbauspieler hatte wieder einmal herausgeragt, dabei zählt er mit seiner Körpergröße eher zu den kleineren Spielern der Liga. Doch Knight und seine Kollegen werden ihrem Vereinsnamen derzeit gerecht: Beim Meisterturnier in München spielen die Ludwigsburger auf wie Riesen.

Erstes Spiel am Freitag, Rückspiel am Sonntag

Das mag nicht wirklich überraschen angesichts des zweiten Tabellenplatzes, den das Team aus Baden-Württemberg unmittelbar vor der Liga-Pause im März belegte. Ob es aber schon reichen wird, den Branchenriesen Alba Berlin in der zwei Spiele umfassenden Finalserie zu schlagen? An diesem Freitag (20.30 Uhr/MagentaSport) und am Sonntag (15 Uhr/Sport1) kann dies nur funktionieren, wenn die Ludwigsburger ihren Spielstil fortsetzen, mit dem sie bereits Meister Bayern München im Viertelfinale und starke Ulmer im Halbfinale aus dem Turnier befördert hatten. Ein Spielstil, den Trainer John Patrick mit Blick auf die Gegner einmal so beschrieb: „40 Minuten Hölle.“

Es ist wahrlich ein Gang durchs Fegefeuer für gegnerische Teams, wenn die Ludwigsburger den gegnerischen Aufbauspieler mit bis zu drei Verteidigern schon tief in dessen eigener Hälfte unter Druck setzen und so erst gar keinen offensiven Rhythmus aufkommen lassen. Wenn sie selbst in der Offensive voll auf ihre Physis statt auf taktische Plänkeleien setzen. „Ludwigsburg wird uns nicht spielen lassen, sie zerstören Spiele, das können sie sehr gut“, weiß auch Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi. „Sie gehen ohne Rücksicht auf eigene Verluste zu Werke. Kein Team europaweit, das schon mal die Erfahrung mit Ludwigsburg gemacht hat, wünscht sich gegen Ludwigsburg zu spielen.“ In der Gruppenphase des Turniers gab es bereits ein Aufeinandertreffen: Berlin siegte 97:89.

Marcos Knight streikte sich einst zum Wechsel

Ohnehin gewann Alba in diesen Turnierwochen immer, die Berliner sind noch ungeschlagen. Mit dem 81:59-Sieg im Rückspiel gegen die Baskets Oldenburg hatten sie am Mittwochabend den dritten Play-off-Finaleinzug in Serie perfekt gemacht. Nun soll die Meisterschaft her, die neunte insgesamt, zuletzt holten die Berliner vor zwölf Jahren den nationalen Titel. Im Meisterturnier in München, in dem zehn Mannschaften Anfang Juni ohne Zuschauer und abgeschottet von der Außenwelt in einem Hotel lebend in die Titeljagd starteten, wollen sich die Hauptstädter mit dem besten Kader der Liga nun für die bisher starke Saison belohnen. Baldi: „Nun geht es um den Titel.

Dafür haben wir zwei Spiele, da müssen wir alles in die Waagschale werfen, um erfolgreich zu sein. Der Hunger ist schon groß.“ In der Ära des spanischen Trainers Aito Garcia Reneses (73), der seit 2017 beim Hauptstadtklub tätig ist, reichte es bislang zum Pokalsieg in dieser Saison.

Rohdiamanten eine Chance gegeben

Erfolgreich – anders kann man auch die derzeitige Phase der Ludwigsburger nicht beschreiben. Von einem Team, in dem Spieler zu Leistungsträgern wurden, die anderswo nicht als große Hoffnungen oder – wie im Fall von Marcos Knight – als eher schwierige Typen galten. Knight hatte sich einst in Heidelberg zum Vereinswechsel nach Jena gestreikt. Doch Trainer John Patrick setzt auf Rohdiamanten, die er auch aus Deutschlands zweiter Liga, von amerikanischen Universitäten oder dem NBA-Unterbau G-League rekrutiert. Das geduldige Schleifen des 52-Jährigen macht sich bezahlt, einige von Patricks Entdeckungen wie Royce O’Neale oder Kelan Martin spielen mittlerweile in der NBA.

Im Münchener Turnier muss er gar auf drei Leistungsträger der Hauptrunde verzichten, auf Konstantin Konga (verletzt), Khadeen Carrington und Tanner Leissner (blieben corona-bedingt in den USA). Stattdessen laufen nun fünf Spieler aus der U19 des Klubs auf.

Dennoch ist Alba der Favorit, das weiß auch Patrick: „Alba hat zehn bis zwölf Spieler, die 20 Punkte machen können. Wir brauchen einen guten Plan.“

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