Tennis

Becker-Entdecker Tiriac: Der Graf von Transsilvanien wird 80

Ion Tiriac feiert seinen 80. Geburtstag!

Ion Tiriac feiert seinen 80. Geburtstag!

Foto: imago

Essen.  Der Rumäne Ion Tiriac machte Boris Becker zu einem Weltstar im Tennis. Er selbst verdiente dabei fleißig mit. Am Donnerstag wird er 80 Jahre alt.

Der lang gezogene Schnauzbart ist noch immer voluminös, die schwarze Löwenmähne hat gelitten, aber der Blick ist finster wie eh und je: Ion Tiriac, der unsterbliche „Graf von Transsilvanien“, wird an diesem Donnerstag unfassbare 80 Jahre alt.

1993 löste sich Becker aus dem mächtigen Schatten Tiriacs

Als Anfang der 1980er-Jahre eine protzige Limousine im beschaulichen Leimen an der Nußlocher Straße 51 vorfuhr, änderte sich nicht nur das Leben eines damals noch nicht einmal 17-jährigen Leimeners. Der rumänische Tennismanager, früher selbst Davis-Cup-Finalist, „entführte“ im Hause Becker den einzigen Sohn Boris, der kurz darauf die Tenniswelt erobern sollte.

Fortan war neben Becker immer sein rumänischer Schatten. Wenn Trainer Günther Bosch so etwas wie der Ziehvater im Trio war, dann war Ion Tiriac der reiche Onkel, der das Geld vermehrte. Und nicht nur das der Mini-Firma. Mit dem gewieften Geschäftsmann zog der Scampi-Duft ein in Deutschlands Sportpaläste. Wo Tiriac draufstand, war immer dasselbe drin: Erstklassiger Sport mit ein bisschen Show, bei luxuriösem, bisweilen dekadentem Ambiente.

Bis Boris Becker 1993 meinte, er müsse sich aus dem mächtigen Schatten lösen. Es war, bei allen schlechten Entscheidungen die noch folgten, Beckers wohl folgenschwerste, dümmste.

Tiriac - ein Oldtimer für jeden Tag

Während sich das einstige Tennis-Idol fortan in rasantem Tempo den Klatschspalten weltweit näherte, wuchs das Tiriac-Imperium stetig an – und ganz ohne den Tennissport. Heute besitzt der Milliardär Immobilien auf der ganzen Welt, eine eigene Versicherung, die Fluggesellschaft Tiriac Air, eine Bank in Rumänien und eine riesige Halle mit Oldtimern – für jeden Tag im Jahr einen, bevorzugt Rolls Royce. Kurzum: Der Mann ist aus dem Gröbsten raus.

Der Kontakt zu seinem Zögling ist nur noch sporadisch. Wenn man sich trifft, unterhält man sich über Oberflächlichkeiten. Nur manchmal lässt sich Tiriac eine Meinung zu seinem einstigen Zugpferd entlocken: „Er hätte sein Geld nur zur Bank tragen müssen, dann hätte er bis zu seinem Lebensende von den Zinsen leben können.“ Gerne auch zur Tiriac-Bank, versteht sich.

Wenn in gut zwei Wochen die French Open in Paris beginnen, wird er sicher wieder seine Loge beziehen: Am Kopfende, ganz unten links. Früher auch gerne in weiblicher Begleitung. Sehr junger weiblicher Begleitung. Damals stellte er sie den fragenden Journalisten immer als „seine Nichte“ vor. Dabei schauten seine kleinen Augen immer sehr listig. Jedes Jahr brachte er eine andere Nichte mit. Die Familie Tiriac muss sehr groß sein.

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