Golf

Bernhard Langers Traum vom dritten Masters-Sieg lebt

Bernhard Langer hat noch viel vor.

Bernhard Langer hat noch viel vor.

Foto: dpa

Augusta  Von Donnerstag an wird in Augusta das legendäre US-Masters ausgetragen. Für Langer beginnt dort der langsame Abschied von der großen Bühne.

Allein dieser Gedanke ist unter normalen Umständen abwegig: Kann ein Senior mit dem US Masters ausgerechnet das Turnier gewinnen, das vielen Profis als das wichtigste und bedeutendste gilt? Möglich ist das schon, sagt ein Caddie, der auf der US Tour seinem Broterwerb nachgeht und lieber ungenannt bleiben möchte. Die US-Fachzeitschrift „Golf Digest“ hatte sich auf der Tour umgehört. Allerdings, erklärte der professionelle Taschenträger, dass nur einer zu einem solchen Triumph in der Lage sei: Bernhard Langer, der Deutsche. Populär ist eine solche Meinung natürlich nicht, die einem Oldie ähnliche Leistungen zutraut wie Topgolfern in der Blüte ihrer Schaffenskraft.

Noch einmal die Uhr zurück zu drehen, im Alter von 61 mit Muskelprotzen wie den Amerikanern Dustin Johnson und Tiger Woods oder dem Nordiren Rory McIlroy mithalten zu können, die alle den Ball vom Abschlag aus weiter als 300 Meter weit schlagen können, elektrisiert sogar Langer selbst. Aber der Anhausener spielt seit seinem 17. Lebensjahr professionell Golf und weiß daher selbst, dass seine Aussichten gering sind: „Wenn ich eine Chance bekommen sollte, dann müssten die Grüns extrem hart und der Platz besonders trocken sein“, sagt er. Dann könne er seine Nachteile bei der Länge der Schläge von mindestens 50 Metern gegenüber Johnson oder Woods teilweise ausgleichen. Andrerseits käme ihm seine Erfahrung auf den Grüns zu Gute. Und natürlich seine mentale Stärke: Kaum einer der Spieler hat ähnliche Nehmerqualitäten wie Langer, der selbst nach dramatischen Einbrüchen meist stoische Ruhe bewahrt. Mr. Consistency nennen ihn seine Gegner, der Mann, der präzise wie ein Uhrwerk spielt.

Den Grund dafür, dass Langer immer noch unter den Sieganwärten in Augusta eine Nebenrolle spielt, liefert der 61-Jährige Monat für Monat selbst. Seit elf Jahren spielt er auf der Champions-Tour der über 50-Jährigen in den USA. Mitunter werden die älteren Herren für ihre Darbietungen auf dieser Tour belächelt, denn sie spielen nur drei der sonst üblichen vier Runden, und Weltranglistenpunkte erhalten sie für ihre Leistungen auch nicht. Allerdings gibt es so gut wie keinen Profi auf der regulären US-Tour, der jenseits der 40 nicht bereits seine Zukunft auf der lukrativen Tour der Oldies plant.

"Manchmal spüre ich den Neid der Kollegen"

Ob John Daly, Vijay Singh, Fred Couples, Steve Stricker oder Corey Pavin, sie alle lassen kaum ein Event aus. Allerdings ist die Stimmung vor allem unter den Amerikanern mit Blick auf Langer unterdessen frostig. Denn so höflich und zuvorkommend der Deutsche abseits des Golfplatzes auftritt, desto kälter und strukturierter wirkt sein Vorgehen auf den Fairways. Spaß kennt Langer nicht, wenn es um den Sieg geht. Während Langer gerade drei Siege auf der US Tour holte, davon allerdings zwei (1985 und 1993) ausgerechnet im Heiligtum der Amerikaner, in Augusta, gewann er auf der Champions Tour gegen die nahezu identischen Kollegen von früher inzwischen 39 Mal. Mehr als 27 Millionen Dollar hat Langer bei den Golf-Weisen unterdessen verdient, niemand, weder der große Jack Nicklaus noch seine US-amerikanischen Landsleute Tom Watson und Hale Irwin, kommen auf eine ähnliche Einnahme.

„Manchmal“, sagt Langer „spüre ich schon den Neid der Kollegen.“ Argwohn gegen Langer besteht aber auch deswegen, weil er aufgrund seiner Fitness und seines Idealgewichts das personifizierte schlechte Gewissen aller derjenigen Kollegen ist, die erkennbar zu viele Pfunde über die Golfplätze tragen. Und das sind nicht wenige.

Top-Form nach Verletzung

Aufgrund einer Zerrung im Oberbauch konnte Langer, der seit rund zwei Jahrzehnten in Boca Raton in Florida lebt, einen Monat lang nicht trainieren und in dieser Saison nur viermal antreten. Seine Resultate: ein Sieg, einmal Zweiter, einmal Dritter und einmal Fünfter. Im Golf sind solche Topresultate in Serie alles andere als auf der Tagesordnung. Natürlich führt Langer wieder die Jahreswertung an, die er schon fünfmal gewonnen hat.

Wie ernst Langer den Abstecher nach Augusta nimmt, wird auch dadurch deutlich, dass ihn sein Leibarzt aus Herrsching nach Georgia begleitet. Die Zeit läuft Langer davon. Auch in Augusta gibt es entgegen der allgemeinen Meinung längst kein lebenslanges Startrecht mehr. Nach dem 65. Geburtstag ist Schluss. Jedenfalls in der Regel. Ginge es nach Langer selbst, er würde wohl ein paar Jahre beim Masters dranhängen. „Solange ich mich nicht für meine Leistungen schämen muss, würde ich weiter spielen“, sagt er. Davon kann wenigstens gegenwärtig keine Rede sein.

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