Tour de France

Darum ist die Tour de France so spannend wie nie

Führt bei der Tour de France: Chris Froome.

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Führt bei der Tour de France: Chris Froome. Foto: Getty Images

Le Puy-en-Velay.  Die Tour de France wird zum Thriller: Noch vier Profis haben die Chance auf den Gesamtsieg. Chris Froome muss drei Rivalen auf Abstand halten.

Erschöpft, verschwitzt, noch etwas Dreck von der Straße auf der Nase, aber mit glücklichem Gesichtsausdruck sitzt Mathias Frank auf der Rolle und tritt sich die Müdigkeit von der schweren Etappe bei der Tour de France über 189,5 km nach Le Puy-en-Velay aus den Beinen.

„Wir sind heute gefahren, wie man fahren muss. Wir haben Sky unter Druck gesetzt. Und beinahe hätte es ja auch geklappt, und wir hätten für eine richtige Überraschung bei dieser Tour gesorgt“, sagte der Schweizer im Trikot der französischen Mannschaft Ag2R. Der Helfer vom Gesamt-Dritten Romain Bardet hatte an diesem Tag erstmals selbst gute Beine und seinen Anteil daran, den britischen Spitzenreiter Christopher Froome ein weiteres Mal in Schwierigkeiten gebracht zu haben.

Am Col de Peyra Taillade spannten sich die Männer in blau-weißen Trikots vor die Favoritengruppe und brachen sie schnell auseinander. Froome fiel zurück, sein Team arbeitete verzweifelt, ihn wieder heranzuführen. Froome hatte zwischendurch das Führungstrikot verloren, 48 Sekunden betrug sein Rückstand unterwegs, mit 18 Sekunden Vorsprung auf den Italiener Fabio Aru, 23 Sekunden auf Bardet und 29 Sekunden auf den Kolumbianer Rigoberto Uran war er ins Rennen gegangen.

Zwischenzeitlich war er also sogar weg vom Podium dieser Tour. „Das war ein ziemlich stressiger Moment. Ich wusste nicht, ob ich überhaupt zurückkommen könnte“, blickte er im Ziel auf die Ereignisse zurück. Er war erleichtert, dass die Aufholjagd doch noch geklappt hatte.

Zuschauer in einem Logenplatz

Ag2R-Manager Vincent Lavenu war selbstverständlich enttäuscht, dass der Coup dann doch nicht geklappt hatte. „Wir hatten Sky schon fast in den Seilen. Aber dann sind sie wieder hochgekommen“, wagte er einen Vergleich aus dem Boxsport. „Aber wir wissen jetzt, dass wir es können, dass wir Sky zusetzen können und dass wir mit Romain auch diese Tour gewinnen können“, zog Frank ein positives Fazit aus dem aufregenden Tag.

Der Zweitplatzierte Fabio Aru war bei dem Duell Ag2R vs. Sky nur Zuschauer in einem Logenplatz. Er war zur Stelle, als die Franzosen agierten. Er ließ sich aber auch mit ihnen von Sky wieder einfangen. Es machte sich bemerkbar, dass seine beiden wichtigsten Helfer Dario Cataldo und Jakob Fuglsang nach Sturzverletzungen nicht mehr dabei sind. Team Astana fällt damit trotz der guten Verfassung seines Kapitäns als ein Faktor im Rennen aus.

Erschöpft, verschwitzt, ohne Dreck auf der Nase, aber eben auch ohne Glückshormone im Körper kam Tony Martin ins Ziel. Der Thüringer hatte auf der Etappe durchs Zentralmassiv mal wieder seinen großen Motor angeworfen und war der Spitzengruppe noch ausgerissen.

„Der Anstieg war doch zu steil“

„Ich habe mir diese Etappe vorher ausgeguckt. Es war die einzige, die mir etwas entgegenkam, selbst wenn sie nicht perfekt für mich passte. Ich war dann froh, es in die Fluchtgruppe geschafft zu haben. Vor dem Berg bin ich dann auch zum richtigen Zeitpunkt los. Allerdings war der Anstieg dann doch zu steil und hat mir die Kraft aus den Beinen gezogen“, so der Katusha-Kapitän zu dieser Zeitung.

Tief enttäuscht war er nicht, so ganz daran geglaubt, einen Coup wie einst in den Vogesen zu landen, hatte er offenbar selbst nicht. Aber er sendete ein Lebenszeichen aus, rechtzeitig vor dem Zeitfahren in Marseille, und weit genug entfernt davon, um sich nicht mehr regenerieren zu können.

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