Slalom

Ski: Das ist das spannendste Duell des Winters

Gewohntes Bild bei Siegerehrungen: Hirscher (l.) und Neureuther.

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Gewohntes Bild bei Siegerehrungen: Hirscher (l.) und Neureuther. Foto: dpa

Essen/Levi.   Marcel Hirscher und Felix Neureuther: im Slalomhang erbitterte Rivalen, abseits der Piste gute Kumpel. Beide Ski-Stars durchleben gerade Veränderungen. Am Sonntag könnte es zum ersten Vergleich kommen.

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Den Sport zeichnen in seiner Entwicklung Änderungen und Anpassungen aus. Das betrifft Disziplinen und Menschen, die ihn ausüben. Manche freunden sich mit Neuerungen an, manche wollen um jeden Preis Veränderungen vermeiden, bis man sie zwangsläufig akzeptieren muss. So wie Felix Neureuther und Marcel Hirscher.

Felix Neureuther gefällt es gerade ausgezeichnet, der neue Felix Neureuther zu sein. Die Geburt seiner Tochter Matilda Mitte Oktober hat aus Deutschlands Skistar laut eigenem Bekunden einen neuen Menschen gemacht. Sein österreichisches Pendant dagegen, Marcel Hirscher, hätte am liebsten nichts an seinem Leben geändert. Doch ein Knöchelbruch im August zwang den Volkshelden der Alpenrepublik dazu, unter Schmerzen jetzt wieder erst einmal der alte Marcel Hirscher, der Dominator der Berge, zu werden. Der mit seinem Dauerrivalen Felix Neureuther das spannendste Duell auf Skiern in diesem Winter ausficht. Mit dem olympischen Slalom im Februar in Pyeongchang als Höhepunkt.

Dabei können beide bereits am Sonntag (22 Uhr/Eurosport) beim ersten Weltcup-Torlauf der Saison in Levi/Finnland zeigen, wessen messerscharfe Skikanten die tiefere Rille in den Schnee ritzt.

Der sportliche Ehrgeiz ist ungebrochen, so viel ist klar. Aber bei Neureuther, dem 33 Jahre alten Schwiegermutterliebling aus Garmisch-Partenkirchen, haben sich in jüngster Vergangenheit Prioritäten verschoben. Trotzdem „glaube ich nach wie vor, dass es in mir steckt, Rennen zu gewinnen“. Neureuther vereint inzwischen zwei Individuen in sich.

Familienmensch und Ski-Roboter

Zum einen den Hochleistungssportler, der im Sommer rückenbeschwerdenfrei trainieren konnte und nach der sportlichen Voll­endung in Südkorea strebt. Zum anderen den umsorgten Vater, der mit seiner Lebensgefährtin Miriam Gössner jeden Entwicklungsschritt der kleinen Matilda begleiten möchte. Er ist sozusagen halb Familienmensch, halb Roboter auf Skiern.

Lässt sich das vereinbaren? Welche Welt bestimmt auf dem Berg die Gedankenwelt? Wird man womöglich einer Seite nicht gerecht? Felix Neureuther wird diese Erfahrung machen. Der Bild hat er gesagt, „ich möchte es nicht verpassen, wenn mein Kind krabbeln lernt oder das erste Mal steht. Das ist mir wichtiger als Siege und Medaillen.“ Vor dem Rennen in Levi aber kann es der zwölfmalige Weltcupsieger nicht erwarten, mit der Skispitze die letzten Sekundenbruchteile für eine gute Platzierung herauszuholen. Neureuther: „Man muss sich am absoluten Limit bewegen. Ich freue mich, endlich in die Saison zu starten.“

Hirscher entscheidet bis Samstag

Sollte die Risikobereitschaft die Vernunft besiegen, werden sich Neureuther und Hirsch am Sonntag zum ersten Mal in diesem Winter messen. Allerdings, und das bleibt wohl bis Samstag offen, überlegt der sechsmalige Gesamtweltcupsieger aus Annaberg im Salzburger Land noch, mit dem Comeback bis zum Slalom im Dezember in Val-d’Isère zu warten.

Ganz ohne Augenzukneifen ging es dieser Tage wohl nicht, beim Training auf der Reiteralm in die Skischuhe zu schlüpfen. Was sich bei den schnellsten Fahrern der Welt ja anfühlen muss, als würden sie sich selbst Betonschuhe anlegen, so fest drückt der Schuh auf Fuß und Wadenbein. „Mir fehlen zehntausende Tore“, beschreibt der 28-Jährige, der wegen seiner in Den Haag geborenen Mutter Sylvia einen niederländischen Pass besitzt, seine Vorbereitung. Trotzdem ist alles auf das noch fehlende Olympia-Gold ausgerichtet.

Eines also, worin sie sich nicht unterscheiden. Weder der neue Felix noch der alte Marcel.

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