Mein Job: Bundestrainer

Detlef Poste bringt die Badmintonspieler auf Vordermann

Badminton-Bundestrainer Detlef Poste

Badminton-Bundestrainer Detlef Poste

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Detlef Poste ist Bundestrainer beim Deutschen Badminton-Verband. Er hat in Mülheim ein Zuhause gefunden. Hier ist der nächste Teil unserer Serie.

Auf den ersten Blick könnte Detlef Poste noch als Athlet durchgehen. Groß, schlaksig, austrainiert, wirkt er im Trainingsanzug mit dem Bundesadler beinahe so, als wollte er gleich auf den Platz gehen und selbst zum Schläger greifen. Aber der frühere deutsche Meister spielt nur noch in seiner Freizeit, zwei- bis dreimal im Monat, Badminton. Sein Platz ist längst am Spielfeldrand – oder am Schreibtisch, am Telefon, in Konferenzen. Poste ist seinem Sport nach der Spielerkarriere in verschiedenen Positionen treu geblieben. Inzwischen arbeitet er als Chef-Bundestrainer beim Deutschen Badminton-Verband.

Der 53-Jährige treibt aber auch selbst noch viel Sport. Er macht Lauf- und Krafttraining, achtet auf eine gesunde Ernährung. Als Leistungssportler habe er gelernt, „sehr aktiv und diszipliniert zu leben“, sagt Poste. „Das versuche ich auf möglichst hohem Niveau beizubehalten.“ Wenn er über den eigenen Anspruch, über Aufgaben, Pläne und Ziele spricht, lässt sich heraushören, dass hier ein Mann mit Hang zum Perfektionismus am Werk ist – kein bloßer Trainer, sondern ein Entwickler, ein Administrator.

In Mülheim ein Zuhause gefunden

Während die Disziplintrainer fünf Stunden täglich mit den Spielern auf dem Court und im Kraftraum arbeiten, kümmert sich Poste um das große Ganze – um die Details. Sein Tagesablauf ist nicht im klassischen Sinne auf die Arbeit mit den Athleten am Leistungszentrum in Mülheim ausgerichtet. Poste trainiert „etwa acht Stunden pro Woche“ mit den Nationalspielern. Den Rest der Zeit beanspruchen andere Aufgaben. Poste fährt im ganzen Land umher, behält den Nachwuchs im Blick und koordiniert die Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig. Er organisiert und plant, erstellt Konzepte und „kommuniziert auf verschiedenen Kanälen“. Der Cheftrainer fasst sein Arbeitspensum so zusammen: „Ein bisschen Halle, viel Schreibtisch, viel Reisen, viel Skype.“

Poste hat zielstrebig darauf hingearbeitet, im Deutschen Badminton-Verband fortschrittliche Strukturen für den Spitzensport zu schaffen. Seit Januar 2017 ist er verantwortlicher Bundestrainer – zum zweiten Mal schon. Der einstige Nationalspieler hatte diese Position schon von 2005 bis 2008 bekleidet, ehe er für einige Jahre in die Geschäftsführung des Verbandes wechselte. Mit den Jahren hat sich viel verändert. Vorbei die Zeiten, als Poste mit seinen Spielern durch den Großraum Köln touren musste, um an verschiedenen Standorten in gemieteten Hallen zu trainieren. Zu jener Zeit diente sein Auto als eine Art Gerätelager. „Das war nicht wie hier in Mülheim, schön alles im Gerätetraum“, sagt er. „Bälle, Hanteln, Hütchen, Stoppuhren – ich hatte alles in meinem Kofferraum.“

Inzwischen steht Spielern und Trainern ein modernes Leistungszentrum mit angeschlossenem Internat zur Verfügung. Poste hat mit der Elite des Landes viel vor. Auch wenn die Vormacht der Asiaten in der Weltspitze zementiert scheint, traut er den stärksten deutschen Profis zu, in die Phalanx der besten Acht bis Zehn der Welt vorzustoßen, derzeit vor allem im Herren-Doppel und im Mixed. Athleten wie Mark Lamsfuß (24), Marvin Seidel (23), Fabian Roth (23) oder Isabel Herttrich (27) und Yvonne Li (20) hätten genug Talent, um sich international auf hohem Niveau zu etablieren. „Unser großes Ziel ist es, irgendwann eine olympische Medaille zu erreichen“, sagt Poste.

Irgendwann – das klingt nach der ferneren Zukunft. Doch der Bundestrainer fügt, wenn auch ein wenig überraschend, hinzu: „Anvisiert haben wir das schon für 2020 bei den Spielen in Tokio.“ Oder vier Jahre später. Badmintonspieler erreichten ihre höchste Leistungsfähigkeit meist im Alter zwischen 27 und 30 Jahren, insofern könnten einige der Hoffnungsträger bei den Spielen 2024 in Paris auf dem Zenit sein. Dazu gebe es Nachwuchsspieler, die es weit bringen könnten. Deren Namen will der Bundestrainer aber nicht nennen. „Bei den Jugendlichen halte ich mich mit öffentlichen Prognosen zurück“, sagt er. „Es hilft ihnen nicht, wenn sie zu früh hoch gelobt werden.“

Bei Plänen und Perspektiven orientiert sich Poste am Vorbild Dänemark. Dank einer klugen Strategie und qualifizierten Ausbildung schon an der Basis kann das kleine Land von allen europäischen Nationen am ehesten mit den Asiaten mithalten. Deren Vorsprung basiert vor allem auf der frühen Sichtung und dem hohen Trainingsaufwand im Kindesalter. Poste weiß zu berichten, dass in Asien schon Sechsjährige sechsmal in der Woche trainieren. Ab zehn Jahren werde das Pensum weiter gesteigert. In Deutschland dagegen könne erst bei den Fünfzehnjährigen, an den Eliteschulen des Sports, ein vergleichbar hoher Aufwand in professionellen Strukturen betrieben werden, sagt Poste. Diesem Rückstand liefen die deutschen Spieler dann hinterher.

Konzept bis 2028

Dennoch arbeitet der Chef gemeinsam mit seinem Bundestrainer-Team und den Athleten daran, aufzuholen. Dabei kommt ihm zugute, dass er auch dem Präsidium des DBV angehört, auch wenn das noch mehr Arbeit bedeutet. „So habe ich einen direkten Draht zu den Entscheidern“, sagt Poste, der als Vertreter des Leistungssports im Präsidium von seinen Erfahrungen als früherer Geschäftsführer des Verbandes profitiert. Poste hat noch viel vor. Seine Arbeit in diesem „Job am Limit“ ist langfristig konzipiert, mindestens bis 2028. „Wenn es gut läuft und der Verband meint, ich kann das System voranbringen.“

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