Mobilitätsserie

Darum ist die Formel E eine Rennserie der Zukunft

Die Formel E war zuletzt auch zu Gast in Rom.

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Die Formel E war zuletzt auch zu Gast in Rom. Foto: dpa Picture-Alliance

Essen.   Die Formel E verkauft sich als als Alternative zur Formel 1. Ihr Revier sind die Metropolen. Aber den Elektrowagen fehlen Lärm und Glamour

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Im direkten Vergleich würde der Formel-E-Pilot abgehängt. Ein Formel-1-Auto bringt es auf 375 Stundenkilometer, der Elektro-Rennwagen hechelt mit Tempo 225 hinterher. 980 PS zu 300 PS. Es kann also nicht an der Geschwindigkeit liegen, warum die 2014 gegründete Elektrorennserie neue Sympathisanten für den Motorsport gewinnt. Aber es lohnt sich trotzdem, einmal genauer auf die Rennwagen der Öko-Liga zu schauen. Warum bloß haben so viele Hersteller ihr Herz verloren? Wie kommt es, dass ganz Vernarrte in der Formel E eine Alternative zur Formel 1 erkennen, mindestens aber vom härtesten Konkurrenten für die DTM sprechen?

„Unsere Zielgruppe sind junge Menschen“, sagt Alejandro Agag, Promoter der Formel E. Vor vier Jahren, als die Idee einer Formel E geboren war, habe er sich anhören müssen, dass das alles völlig verrückt sei. Die leisen Autos wurden als technisch unreif abgestempelt. Eine Laune der Grünkern-Fraktion. Der wahre Motorsport-Freund wolle Benziner röhren hören. Und vier Jahre später? Boxt sich die Formel E aus ihrer Nische.

Glamour, Geschichte und Charisma: Hier kann die Alternative zur Formel 1 sicher nicht mithalten. Auch nicht bei den Zuschauerzahlen: Sechs Millionen Menschen verfolgen weltweit die Formel-E-Rennen, Tendenz steigend. Rund 80 Millionen sind es bei der Formel 1. Doch die Elektrowagen kämpfen und setzen sich in Szene.

Rennen in New York, Paris und Rom

Ihre Rennen werden vor den Hochhäusern von New York, im Schatten des Eiffelturms oder in Rom zwischen antikem Gemäuer ausgetragen. Die Formel 1 schaut neidisch zu. Seit Jahren schon kämpft die Königsklasse um einen Termin in Manhattan – vergeblich. Während man die DTM beispielsweise am Lausitzring suchen muss, fahren die E-Wagen selbstbewusst hinein in die Metropolen.

Dann ist da noch der Umwelt-Bonus. Wo die Elektromobilität im Alltag als Fortbewegungsform der Zukunft gilt, wird auch der passende Sport wichtiger. „Der Rennsport war schon immer eine Forschungsplattform für die Industrie. Die Formel E wird sehr an Bedeutung gewinnen“, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

In diesem Punkt sind sich viele Hersteller einig. Wenn Mercedes Ende 2018 der DTM den Rücken kehrt, um in die Formel E einzusteigen, werden die Stuttgarter dort alte Bekannte wie Audi, Jaguar, Porsche und BMW treffen. Die Formel E bietet Möglichkeiten zur Entwicklung – und die Autobauer nehmen diese Einladung gerne an.

DiCaprio kauft sich ein

Der Mercedes-Rückzug, Diskussionen um die Regeln, ein auslaufender Vertrag mit dem deutschen Fernsehen – während der Klassiker DTM kriselt, lancieren die Formel- E-Macher positive Schlagzeilen, die bis nach Hollywood reichen. Leonardo DiCaprio kaufte sich in den Rennstall Venturi ein und macht eifrig Werbung für „ein umweltfreundliches Rennteam“.

Und wie sehen es die Rennfahrer? Einige empfinden den Umstieg in den Elektrowagen wie einen Ausflug auf einen anderen Planeten. „Ich liebe den Sound und die Emotionen, die Formel E wäre eine große Umstellung“, sagt Marco Wittmann, DTM-Meister 2016, ausschließen will er das Wagnis aber nicht. Sein Tourenwagenkollege Maro Engel fährt beide Serien. Andere ehemalige Krawall-Liebhaber stehen längst unter Strom, so die Ex-Formel-1-Piloten Nick Heidfeld und Lucas di Grassi, Formel-E-Champion 2017, oder Bruno Senna, Neffe von Formel-1-Legende Ayrton Senna.

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