Kommentar

Dieses Wimbledon-Finale hat keinen Verlierer verdient

Novak Djokovic (links) und Roger Federer.

Novak Djokovic (links) und Roger Federer.

Essen.  Mehr Spannung geht nicht, mehr Dramatik geht nicht, mehr Qualität geht nicht. Das Duell Djokovic gegen Federer wird nicht vergessen werden.

Hier und heute gilt es, nicht nur den Sieger allein zu würdigen. Den Sieger dieses Tennis-Matches, das keinen Verlierer verdient hatte. Novak Djokovic und Roger Federer boten ein Wimbledon-Finale, das historisch zu nennen ist. Es geht als das längste in die Geschichte dieses an Höhepunkten nicht armen Traditionsturniers ein.

Mehr Spannung geht nicht, mehr Dramatik geht nicht, mehr Qualität geht nicht. Als Djokovic den fünften Satz beim Stand von 12:12 im Tiebreak gewann, war er der glücklichere von zwei Giganten.

Fast fünf Stunden lang hatten sie sich bekämpft. Nur ganz kurz mal, im zweiten Satz, sah es so aus, als müsste Djokovic Federer ziehen lassen. Aber schon im dritten spielte der Serbe wieder auf Augenhöhe mit dem Schweizer – und Djokovic schnappte sich den Satz, wie schon den ersten, im Tiebreak.

In diesem Finale von Wimbledon standen sich zwei Männer gegenüber, die hochkonzentriert arbeiteten und dabei fast keine Emotionen zeigten. Nur selten verzogen sie ihre Gesichter, regungslos regis­trierten sie auch den Erfolg ihrer besten Schläge. Zwei Männer mit Nerven aus dem Tiefkühlfach.

Federer wird geliebt, Djokovic wird respektiert

Mehr Sympathien bei den Fans genoss Federer. Der schon 37-Jährige wird geliebt, während der auch schon 32-jährige Djokovic eher respektiert wird. Federer spielte auch am Sonntag das etwas schönere, das etwas elegantere Tennis. Aber auch das etwas riskantere. Djokovic wirkte oft routiniert sicher, und diese Beständigkeit ist ja auch eine herausragende Stärke.

Als es Djokovic endlich geschafft hatte, da grinste er nur zufrieden. Unfassbar nach diesem konditionellen und auch mentalen Aufwand. Diese beiden haben natürlich jede einzelne Situation schon mal erlebt in ihren langen Karrieren. Auch in extremen Lagen, auch in ganz großen Matches. Nur so ist es zu erklären, dass sich beide in diesem Finale nach kurzen Rückschlägen immer wieder in Position brachten, dass sie nie aufsteckten.

Djokovic, Federer, Nadal dominieren - immer noch

Im Internet kursierte in den vergangenen Tagen ein Bild, auf dem die Gesichter von Novak Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal älter gemacht worden waren. Die Zeile dazu: Wimbledon 2049. Ein netter Scherz, aber einer mit Hintergrund. Alle Jungen müssen sich gedulden, solange diese drei Riesen noch spielen. Sie sind Tennis.

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