Nowitzki-Interview

Dirk Nowitzki: „Die Schmerzen haben mir den Spaß genommen“

Basketball-Legende Dirk Nowitzki.

Basketball-Legende Dirk Nowitzki.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Frankfurt/Main.  Dirk Nowitzki präsentiert sein Buch „The Great Nowitzki“. Im Interview spricht der Basketball-Superstar über sein Karriere-Ende, Geld und Ruhm.

Wer zu einem der größten deutschen Sportler möchte, muss hoch hinaus. In den 16. Stock eines Gebäudes im Frankfurter Bankenviertel, wo Dirk Nowitzki braungebrannt und mit guter Laune erscheint. Die Buchmesse läuft, der 41-Jährige unterstützt den Autor Thomas Pletzinger bei der Präsentation des Buchs „The Great Nowitzki“. Wie der Titel verrät, geht es um Nowitzki, Deutschlands Basketballlegende im Ruhestand. Vor der Präsentation nimmt sich Nowitzki Zeit für ein Interview. Über sein Karriereende im April, über Druck, Geld und seine Popularität. Über die Vergangenheit, die Gegenwart – und die Zukunft.

Herr Nowitzki, wie hat er sich denn angefühlt, der erste Sommer ohne Druck?

Dirk Nowitzki: Sehr gut. Aber langsam kribbelt es wieder. Kommende Woche beginnt ja die neue NBA-Saison. Da werde ich mit Sicherheit ein paar Spiele gucken, auch wenn ich versuche, erst einmal ein Jahr lang ein bisschen Abstand zu gewinnen. Um Sachen zu machen, die ich während meiner Karriere nicht gemacht habe. Aber klar, es wird komisch sein. Das war es schon, als vor ein paar Wochen der Spielplan veröffentlicht wurde. Normalerweise guckt man sofort, gegen wen es im ersten Heimspiel geht, wo Weihnachten gespielt wird, wann es nach Los Angeles und wann es nach New York geht. Diesmal habe ich einfach nur kurz draufgeschaut, nicht wirklich engagiert. Sonst vermisse ich das Profileben bisher aber überhaupt nicht.

Gab es diesen einen Moment, in dem der innere Druck nachgelassen hat und Sie sich nach 21 NBA-Jahren gesagt haben: Das war‘s?

Nein, mit dem Kopf hatte das weniger zu tun. Der Körper hat einfach nicht mehr mitgespielt, mein Fuß war hinüber, die Schmerzen haben mir den Spaß genommen. Klar war die Sommervorbereitung immer eine Qual, aber das Spielen hat mir immer noch Spaß gemacht, wenn ich mal keine Schmerzen hatte. Ich könnte mich schon noch einmal für ein Jahr motivieren, es gibt ja ein paar junge tolle Spieler in Dallas, mit denen ich gerne noch zusammenspielen würde. Aber so wie der Fuß sich angefühlt hat, ist das unmöglich.

Im Laufe Ihrer Karriere haben Sie auf fast 200 Millionen Dollar verzichtet, damit die Dallas Mavericks das Geld anders investieren und das Team verstärken konnten. Weinen Sie dieser unglaublichen Summe manchmal nach?

Nein, gar nicht. Ich sehe mich weiterhin in der glücklichen Lage, dass ich gutes Geld verdient habe – mit meinem Hobby. Das habe ich mir nie erträumen können. Ich wurde mit 23 zum bestbezahlten Spieler der Mavericks und war das für viele Jahre. Dass man im Sport überhaupt so viel Geld verdienen kann ist ja der Wahnsinn. Da setze ich mich jetzt nicht hier hin und erzähle, was ich alles hätte machen können.

Wie ist denn überhaupt Ihr Verhältnis zu Geld?

Es ist ein bisschen komisch. Es ist schön zu wissen, dass ich mir nie mehr Gedanken darüber machen muss, dass meine Kinder sich hoffentlich keine Gedanken mehr darüber machen müssen. Andererseits bin ich gar nicht der Typ, der viel Wert auf materielle Dinge legt. Für mich war es immer das Ziel, genug zurückzulegen, um nach der Karriere ein schönes Leben zu haben. Dass ich dann nur Jobs annehmen muss, die ich will. Alles andere war mir immer zweitrangig.

Sie wurden in jungen Jahren Profi, mit 23 zum bestbezahlten Spieler in Dallas. Das bringt auch früh sehr viel Verantwortung mit sich. Hatten Sie manchmal das Gefühl, zu früh erwachsen geworden zu sein?

Nein, ich glaube schon, dass ich meine Kindheit genossen habe. Ich wollte ja immer Sport treiben, zeitweise habe ich Basketball, Handball und Tennis gespielt, es ging nach der Schule von einem Training zum nächsten. Aber das wollte ich so, es hat mir Spaß gemacht. Auch, als die anderen Jungs dann in die Clubs gingen und ich Zweitligaspieler wurde, habe ich immer versucht, einen guten Mittelweg zu finden. Ich war auch feiern, aber trotzdem weiter konzentriert auf dem Spielfeld. Als es dann in die NBA ging, war das aber vorbei (lacht).

Im Buch gibt es eine Szene, in der Autor Thomas Pletzinger schildert, wie er nach dem Training für Sie die Tankfüllung bezahlt, um einen Fan-Auflauf zu verhindern. Nervt es manchmal, sich nicht unerkannt bewegen zu können?

Das hat sich irgendwie so entwickelt, das ist Teil meines Lebens. Ich scheue aber normalerweise vor solchen Sachen nicht zurück. Da hat es gerade gepasst. Aber ich kann mich trotzdem frei bewegen, ob ich nun in meiner Heimatstadt Würzburg oder in Dallas bin, ich verstecke mich nicht die ganze Zeit im Haus (lacht). Klar kann ich samstagmittags nicht in Dallas in ein Einkaufszentrum mit tausenden von Leuten gehen, aber man hat sein Netzwerk und seine Örtchen, die man mit der Familie ungestört aufsuchen kann. Ich glaube nicht, dass ich da so eingeschränkt bin, dass ich mein Leben nicht mehr genießen kann.

Sie werden in Deutschland gefeiert, sie werden in den USA geliebt. Wie fühlt sich das an, wenn man gleich zwei Nationen so berührt?

Es ist natürlich Wahnsinn zu wissen, wie die Leute an meiner Karriere teilgenommen haben. So richtig gemerkt habe ich das eigentlich erst im Sommer 2011.

In dem Jahr, in dem Sie mit Dallas die Meisterschaft gewannen.

Genau. Wie ich schon in Deutschland am Flughafen empfangen wurde und dann diese Parade in Würzburg - einfach der Wahnsinn, wie es auch hierzulande verfolgt wurde, wie viele Leute sich die Nächte um die Ohren gehauen haben, um die Finalserie zu sehen. Das hat mir schon wahnsinnig viel bedeutet. Und auch als ich jetzt im Frühling aufgehört habe, und mir immer wieder gesagt wurde „Dallas loves you“, habe ich das anfangs zur Kenntnis genommen. Aber das heißt in dem Moment ja nichts. Erst, als ich danach ein bisschen Zeit hatte, in den sozialen Netzwerken Videos und im Fernsehen Reportagen von weinenden Frauen und Männern gesehen habe, weil ich aufgehört habe – das hat mich schon berührt.

Nach dem Karriere-Ende wollten Sie vor allem eines: Pizza und Eis zum Frühstück essen. Wie steht es nun um die Fitness?

Ich habe fast sechs Monate lang gar nichts gemacht. Seit dem letzten Spieltag gab es kein Workout, mir hat einfach die Motivation, die Inspiration gefehlt. Ich glaube aber schon, dass wenn ich jetzt zurückfliege nach Dallas, auch wieder eine Routine kommt, dass ich regelmäßig wieder Radfahren oder etwas anderes machen werde. Zumindest zwei-, dreimal die Woche, um den Körper ein bisschen zu bewegen. Aber den Plan, nach dem Karriere-Ende erst einmal ein halbes Jahr nichts zu machen und zu essen, was mir in den Weg kommt, den hatte ich schon lange. Das Gewicht geht auch schon wieder runter und langsam habe ich wieder Lust, mich ein bisschen zu bewegen.

Um bildlich beim Thema der Buchmesse zu bleiben: Was ist denn das nächste Kapitel in Ihrem Leben?

Ich mache gerade viele Sachen mit meiner Stiftung und versuche auch, ein bisschen in die Geschäftswelt reinzuschnuppern und etwas zu finden, was mich interessiert. Aber erst einmal werden wir viel reisen mit der Familie, Weihnachten in Europa verbringen – und dann mal sehen, was nächstes Jahr so kommt. Ich werde mich auch mit den Mavericks noch einmal zusammensetzen und gucken, was man künftig gemeinsam machen kann. Mein Herz schlägt für diesen Verein und wird es immer tun, von daher würde das Sinn machen. Aber da ist noch überhaupt nichts konkret. Jetzt steht erst einmal die Familie im Vordergrund.

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