Wahl

DOSB-Wahlkongress bietet jede Menge Zündstoff

Seit 2013 DOSB-Präsident: Alfons Hörmann.

Seit 2013 DOSB-Präsident: Alfons Hörmann.

Foto: dpa

Düsseldorf  Der in der Kritik stehende Präsident Alfons Hörmann soll wiedergewählt werden. Auch E-Sports bei der Mitgliederversammlung ein Thema.

Plötzlich wurde es dunkel im Düsseldorfer Stadion. Die Lichter gingen aus in der Arena, wo sonst der Fußball-Bundesligist spielt. Aber Alfons Hörmann registrierte auf der letzten Pressekonferenz vor der mit Spannung erwarteten DOSB-Mitgliederversammlung am Samstag die Dunkelheit nicht. Er schaute gar nicht hin.

Was im Hintergrund passiert, ist für den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes gerade ohnehin nicht erkennbar. Der 58-jährige Unternehmer will am Samstag wiedergewählt werden, er ist bislang der einzige Kandidat, aber bis zur Wahl können sich gemäß Satzung Gegenkandidaten melden. Wer das sein könnte und ob Hörmann dann überhaupt bereit ist zu kandidieren, liegt im Dunkeln.

Alfons Hörmann steht unter Druck

Auch Hörmann hüllte sich kurz vor der Wahl in Geheimnisse. Sein Gefühl für die Kandidatur sei „gut, sonst würde ich sie nicht umsetzen“, Motivation und Pflichtgefühl stünden im Verhältnis „50:50“, die Frage nach seinem größten Fehler beantwortete er nicht. „Dafür gibt es die Mitgliederversammlung.“

Hörmanns Kritiker wüssten da einiges. Zuletzt brandete das Thema auf, dass er anders als öffentlich bekundet, gar nicht einstimmig von den Landessportbünden vorgeschlagen wurde. Hörmann gerät deshalb unmittelbar vor dem Wahlkongress unter Druck. Wurde absichtlich etwas beschönigt? Oder gibt es einen Riss im DOSB? Öffentlich betont der Präsident, die Rückendeckung aus den Verbänden zu spüren. Wie groß diese tatsächlich ist, wird sich in Düsseldorf zeigen.

Horst Seehofer in Düsseldorf

In Hörmanns Amtszeit fällt vor allem die Spitzensportreform, mit der die Konkurrenzfähigkeit deutscher Athleten gesichert werden soll. Aber dieses Projekt hat dem DOSB und Hörmann viel Kritik eingebracht. Zu kompliziert, zu bürokratisch soll die Leistungssportreform sein. Da ändert es auch nichts, dass der Bund vor kurzem den Etat der Fördermittel auf 235 Millionen Euro angehoben hat. Denn eigentlich hatte sich der DOSB mehr vom zuständigen Bundesinnenministerium erhofft. Horst Seehofer, der dem Ministerium vorsteht, sich aber selten zu sportpolitischen Fragen äußert, wird am Samstag ebenfalls in Düsseldorf erwartet.

Hörmann, seit 2013 im Amt, ist nicht der einzige, der am Samstag zur Wahl steht. Als Vize-Präsidentin Leistungssport kandidiert die frühere Hockey-Verbandschefin Uschi Schmitz. Judo-Olympiasieger Ole Bischof zieht sich aus zeitlichen Gründen zurück. „Die nationalen Ämter sind eine große Herausforderung. Wir sind zuversichtlich, dass Uschi Schmitz das schafft“; so Hörmann. Daneben bewerben sich für die weiteren Vize-Präsidenten-Posten Andreas Silbersack (Breitensport) und Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR Volleys (Finanzen). „Wir haben ein Präsidium zusammengestellt, das aus unserer Sicht gute Arbeit verrichten kann“, sagt Hörmann.

E-Sports könnte für Diskussionen sorgen

Der DOSB ist in Bewegung, in jeder Hinsicht. Das Thema E-Sports stellt den Verband vor neue Herausforderungen. Mit der Positionierung, virtuelle Sportarten (z.B. Fußballspiele) von E-Gaming (Phantasie-Spiele) zu unterscheiden, habe man sich „nicht nur Freunde im E-Sports gemacht“, sagte Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker. Das Thema dürfte ebenso für Diskussionsstoff sorgen wie die zukünftige Ausrichtung des Verbandes. Eine Strategie für die nächsten zehn Jahre gilt, soll am Samstag verabschiedet werden.

Außerdem soll die neu gegründete Ethik-Kommission mit Personal gefüllt werden. Einen „wichtigen und richtigen Schritt“ nennt Hörmann die Einführung dieser Kommission, die Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizère leiten soll. Er wurde ebenso wie Ex-Biathletin Kati Wilhelm und Hansjörg Geiger (bislang Stasi-Kommission) als Kandidat vorgeschlagen.

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