Fechten

Fecht-EM in Düsseldorf: Sechs Tage Aufmerksamkeit

Hat die Heim-EM in in Düsseldorf im Blick: Fechter Max Hartung.

Hat die Heim-EM in in Düsseldorf im Blick: Fechter Max Hartung.

Foto: DPA

Düsseldorf.   Im Juni ist Düsseldorf Gastgeber der Fecht-EM. Die Athleten um Europameister Max Hartung kämpfen um Titel, Olympia - und Aufmerksamkeit.

Max Hartung sprach mit leiser Stimme. Die kurze Nacht steckte ihm noch in den Gliedern. Nachts um eins sei er im Bett gewesen, morgens dann für den Medientermin zur Fecht-EM nach Düsseldorf gefahren. Nun stand der 29-jährige Dormagener mit müden Augen, aber als frisch gebackener Weltcupsieger von Madrid auf der Bühne und konnte gleich mit einem Erfolg für seinen Sport werben. "Das habe ich mir alles so vorher gedacht", sagte Hartung und lachte verschmitzt.

Erstmals seit 2010 ist Deutschland wieder Gastgeber einer Fecht-EM. Vom 17. bis 22. Juni gastieren rund 450 Athleten aus 49 Nationen in Düssledorf. Sie kämpfen um Titel in zwölf Disziplinen und wichtige Punkte für die Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Ausgetragen wird die europäische Endrunde in Halle 8b -- eine der größten der Messe Düsseldorf. Sie bietet Platz für 2500 Zuschauer. Spitzen aus Politik und Sport haben sich angekündigt. Sechs Tage maximale Aufmerksamkeit.

Weltcupsieg in Madrid -- und kaum einer sieht zu

Max Hartung kennt auch das Gegenteil. In Madrid bezwang er in einem packenden Säbel-Finale Olympiasieger Aron Szilagyi aus Ungarn mit 15:14 und feierte den zweiten Weltcupsieg in dieser Saison. Livebilder davon sahen nur die wenigsten. "Zu Hause haben meine Freunde und Verwandten verzweifelt versucht, den Livestream zu laden. Das hat so lala-geklappt." Im Juni will er mit den anderen deutschen Athleten die Chance nutzen und seine Leistung sichtbar machen. "So oft haben wir nicht die Gelegenheit."

Während der EM bezieht das deutsche Team sein Quartier in einem Hotel, das direkt mit dem Fußball-Tempel von Fortuna Düsseldorf verbunden ist. In die Arena passen rund 55.000 Fans. Neidisch auf die Aufmerksamkeit, die dem Fußball Woche für Woche gewidmet wird, ist Max Hartung nicht. "Ich vergleiche meine Sportart gar nicht mit Fußball. Fechten findet traditionell in einem kleinen Zirkel statt." Er freue sich, wenn wie in Madrid zwanzig Kinder auf Autogramme warten würden. "Wer weiß, vielleicht werden die später sehr gute Fechter", sagt Hartung,

Fechterin Ndolo freut sich "wahnsinnig"

Im Juni ist eine größere Zuschauermenge garantiert. "Wir freuen uns wahnsinnig auf die EM", sagt Alexandra Ndolo. Mit dem Degen gewann die 32-Jährige 2018 Silber und peilt nun auch bei der Heim-EM einen Erfolg an. "Ich kann immer unter die ersten Acht kommen. Aber in unserer Sportart kommt es sehr auf die Tagesform an." Neben Hartung und Ndolo zählt auch Florett-Olympiasieger Benjamin Kleibrink aus Düsseldorf zu den Medaillenhoffnungen. "Wir haben in fast allen Disziplinen eine Chance", sagt Ndolo.

Vor einem Jahr bewarb sich der Deutsche Fecht-Bund um die Endrunde, nachdem Luxemburg als Gastgeber zurückgetreten war. "Praktisch über Nacht" sei die Entscheidung für eine Bewerbung gefallen, sagt DFB-Präsidenten Claudia Bokel. "Deshalb ist es für uns unerwartet, eine EM in Düsseldorf auszurichten." Die Landeshauptstadt werde nun "zum Nabel der Fecht-Welt".

Werbung für Olympia

Die Landesregierung um Ministerpräsident Armin Laschet will im Juni ebenfalls eine Chance nutzen - die, sich als geeigneter Gastgeber von Großereignissen zu präsentieren. An Rhein und Ruhr könnten 2032 Olympische Spiele stattfinden, eine Initiative des Sportmanagers Michael Mronz wirbt dafür in der Bevölkerung. Auch die NRW-Landesregierung hat ihre Bereitschaft signalisiert. Die Messe Düsseldorf wäre eine der Wettkampfstätten. "Wenn wir uns als Ausrichter bewerben wollen", sagt Andrea Milz, Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, "müssen wir zeigen, dass wir es können."

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