Handball

Jaron Siewert: Mit 24 schon ein Trainer-Ass

Trainiert Tusem Essen: Jaron Siewert.

Trainiert Tusem Essen: Jaron Siewert.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Essen.  Handballer Jaron Siewert beweist, dass Erfolg keine Frage des Alters ist. Er ist mit Tusem Essen Zweiter der 2. Liga, und weckt Begehrlichkeiten.

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Er spricht wie ein Trainer-Urgestein. Einer, der jahrelang im Geschäft ist, von unzähligen Handball-Schlachten gezeichnet. Ruhig und abgeklärt erklärt er die Trainingsabläufe und fügt dann hinzu: „Bis Weihnachten haben wir noch zehn Spiele. Für jeden Sieg rückt der Trainingsstart danach weiter nach hinten.“ Die Spieler nicken. Junge Kerle, zwischen 18 und 28 Jahre alt. Jaron Siewert könnte einer von ihnen sein, doch Siewert ist der, der die Worte zum Beginn des Trainings spricht. Er ist kein Trainer-Urgestein, als Chef an der Seitenlinie hat er nur eine überschaubare Anzahl an Handball-Schlachten geschlagen. Siewert ist erst 24 Jahre alt – und somit der jüngste Profi-Handballtrainer Deutschlands.

Derzeit ist Siewert auch einer der erfolgreichsten Trainer der Republik. Sein Verein: Tusem Essen. Derzeitiger Status: Zweiter der 2. Liga.

„Hier wird Handball gearbeitet“

„Ach, das Alter“, sagt Siewert und winkt lachend ab. Immer wieder wird er darauf angesprochen. „Letztes Jahr war ich mit 23 der jüngste Handball-Trainer, jetzt bin ich es mit 24 und wahrscheinlich geht das auch mit 25 und 26 noch so weiter“, sagt er. Viel wichtiger seien doch andere Dinge: Handball-Sachverstand. Ein gutes Händchen im Umgang mit den Spielern. Dinge, die Siewert beherrscht. Sonst hätte der Tusem im zweiten Jahr unter seiner Regie derzeit kaum acht Siege und nur zwei Niederlagen auf dem Konto. Am Freitag geht es in der heimischen Spielstätte Am Hallo gegen den TV Hüttenberg (19.30 Uhr) – dann soll Sieg Nummer neun folgen.

Derzeit sitzt Siewert allerdings in der sehr viel kleineren Trainingshalle des Tusem. Im Geräteraum, der zur Mannschafts-Zentrale umfunktioniert wurde. Ein verschlissenes Sofa steht dort, Wasserkästen stapeln sich in der Ecke, harzverklebte Bälle liegen in einem Einkaufswagen. Auf einem Fernseher sind Spiele des Freitags-Gegners zu sehen. Siewert lächelt. Aufgewachsen ist er in Berlin, großgeworden beim dortigen Bundesligaklub. „Das Trainingszentrum der Füchse Berlin ist um Welten moderner“, sagt der Trainer, um dann mit einem Achselzucken festzustellen: „Aber irgendwie passt das hier zum Tusem und zur Region. Hier wird Handball gearbeitet.“

Wurde es schon immer. Drei Deutsche Meistertitel, drei Pokalsiege, einmal Europapokalsieger. Zweimal insolvent. Die Geschichte der Tusem-Handballer ist von Hochs und Tiefs geprägt. Seit fünf Jahren spielt der Turn- und Sportverein Essen-Margarethenhöhe in der 2. Liga, das Umfeld sehnt sich nach alten Erfolgszeiten zurück. Und Jung-Trainer Siewert lässt sie hoffen durch schnellen und effektiven Handball. „Eine Entwicklung“, sagt der Trainer. „Im vergangenen Jahr lief es phasenweise beschissen mit knappen Niederlagen. Das hat uns als Mannschaft zusammengeschweißt. Nun sind wir eingespielt, haben Selbstvertrauen und gewinnen die knappen Dinger.“

Selbst die Rückkehr in die Bundesliga hält Siewert für möglich: „Das ist das mittelfristige Ziel.“ Aber er ist auch Realist: „Wir haben uns kein Datum gesetzt. Denn neben dem Sportlichen muss auch das Wirtschaftliche stimmen.“

Dass die Realität durchaus schmerzlich sein kann, erfuhr Siewert als 18-Jähriger. Er war selbst noch Handballspieler, Jugend-Europameister, hatte Einsätze in Bundesliga und Champions League bei den Füchsen. Doch Füchse-Manager Bob Hanning ließ ihn wissen, dass es zur Erstligakarriere wohl nicht reichen wird. „Ich habe in ihm ein weitaus größeres Potenzial als Trainer gesehen“, sagt Hanning im Gespräch mit dieser Zeitung. Hanning, gebürtiger Essener und einst Co- und Jugendtrainer beim Tusem, ließ Siewert in der Jugendabteilung der Füchse und beim Deutschen Handball-Bund arbeiten, bevor er ihn nach Essen vermittelte. „Es war ein Risiko“, sagt der 50-Jährige. „Aber nun ist es für mich nur eine Frage der Zeit, bis Jaron die Füchse Berlin trainieren wird.“

Siewert selbst fühlt sich geehrt, nennt das Amt des Füchse-Trainers seinen „Traum“. So weit in die Zukunft möchte er aber noch nicht blicken. Schließlich ist er ja erst 24. Und er weiß, dass „ich mit meiner Arbeit hier weiter überzeugen muss“.

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