Doping

Kronzeugenregelung: Experten wollen schnellere Umsetzung

DOSB-Chef Alfons Hörmann

DOSB-Chef Alfons Hörmann

Foto: Guido Kirchner / dpa

Berlin.  Der Sportausschuss im Bundestag hat Experten zur möglichen Einführung einer Kronzeugenregelung angehört. Es gibt auch Kritik daran.

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Vertreter der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sowie Sportrechtsexperten haben sich im Sportausschuss des Bundestages für die schnelle Einführung einer Kronzeugenregelung im Rahmen des Anti-Doping-Gesetzes ausgesprochen.

Befürworter einer Kronzeugenregelung für aussagewillige Sportler sehen darin ein wichtiges Instrument, um besser an die Hintermänner bei Dopingvergehen zu kommen. Die Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann hält die Einführung für „notwendig und zielführend“. Dies müsse mit einem Schutzmechanismus für Hinweisgeber einhergehen. Ähnlich urteilt der DOSB, wie es Vorstandsmitglied Christina Gassner betonte. Den Athleten sollte die Möglichkeit geschaffen werden, ihre Strafe zu reduzieren. DOSB-Präsident Alfons Hörmann stellte aber auch klar, dass ein Sportler nicht ohne Sperre davonkommen könne.

Grüne sehen Regelung skeptisch

Das Anti-Doping-Gesetz ist in Deutschland im Dezember 2015 in Kraft getreten. Eine Kronzeugenregelung hielt die damalige Bundesregierung für nicht erforderlich, da das Strafgesetzbuch bereits im Falle der organisierten Kriminalität eine solche Regelung vorsieht. Monika Lazar, sportpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, sieht die Einführung weiter kritisch. Sie will stattdessen Hinweisgeber unterstützen, die nicht straffällig geworden sind. „Wesentlich wichtiger als Doping-Sünderinnen und -Sündern Strafminderung via Kronzeugenregelung in Aussicht zu stellen, wäre es, die Schutzmaßnahmen für Whistleblower im Sport auszubauen“, sagte Lazar dieser Redaktion. „Freiwillige Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber gehen oft ein hohes persönliches Risiko ein. Sport und Politik müssen diese besser schützen.“

Zur Anhörung im Bundestag sagt sie: „Bevor man hier Schnellschüsse zieht, sollten wir sowieso erst einmal die Evaluierung des Gesetzes abwarten, die gerade erst vom Bundestag in Auftrag gegeben wurde.“

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