Kommentar

Marathon-Spektakel mit großer Leistung von Kipchoge

Glücklich in Wien: Eliud Kipchoge hält die Flagge Kenias in den Händen.

Glücklich in Wien: Eliud Kipchoge hält die Flagge Kenias in den Händen.

Foto: Reuters

Essen  Als erster Mensch lief Eliud Kipchoge einen Marathon unter zwei Stunden. Er vollbrachte in Wien eine sporthistorische Tat. Ein Kommentar.

Einige verglichen Eliud Kipchoge mit Edmund Hillary, der 1953 als erster Mensch den Mount Everest bestiegen hatte. Kipchoge selbst sagte im Vorfeld seines Marathonlaufs unter zwei Stunden, er fühle sich wie Neil Armstrong 1969. „Als Erster einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen – das wäre wie die Mondlandung“, erklärte der Kenianer. Gemach, gemach: Die Besteigung des Mount Everest und die Mondlandung fallen noch in eine andere Kategorie.

Nichtsdestotrotz hat Kipchoge am Samstag eine sporthistorische Tat vollbracht. Auch wenn die Zeit von 1:59:40 Stunden wegen der 41 sich abwechselnden Tempomacher nicht als Weltrekord anerkannt wird, ist es eine Leistung, die sehr lange als unmöglich angesehen wurde. Kipchoge war schon vor seinem Lauf im Wiener Prater als Olympiasieger und Weltrekordler der Superstar der Laufszene. Aber jetzt kennen ihn auch Menschen auf der ganzen Welt, die sich bisher kaum für das Laufen interessiert haben.

Ja, der Lauf in Wien war ein gigantisches Spektakel. Ja, die Sponsoren Ineos und Nike, die viele Millionen in dieses Projekt gesteckt haben, haben sich bei diesem Event selbst gnadenlos in den Vordergrund geschoben. Nike will den Schuh vermarkten, der für den Kenianer entwickelt worden ist. Und der britische Chemiekonzern Ineos will mit seinen Aktivitäten im Sport sein Image aufpeppen. Das beste Radsport-Team gehört dem Unternehmen schon länger, jetzt kaufte es auch noch den französischen Fußball-Erstligisten OGC Nizza.

Bei aller berechtigten Kritik an der überzogenen Sponsorendarstellung bleibt aber die Faszination einer Wahnsinnsleistung. Über 100.000 Menschen verfolgten den Lauf im Prater. 30 TV-Stationen übertrugen das Rennen in über 200 Länder. In Kenia brachten nicht nur in Nairobi Fans den Verkehr teilweise zum Erliegen, als sie auf einer großen Leinwand den Zieleinlauf sahen und frenetisch bejubelten. Kenia ist stolz auf Kipchoge. Dort werden noch mehr Läufer versuchen, ihr Talent hoffentlich nur mit legalen Mitteln für den Weg in die Spitze zu nutzen. Und bei uns? Vielleicht gehen einige mal wieder laufen. Es muss kein Marathon unter zwei Stunden sein.

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