Formel 1

Hamilton ist unzufrieden: Mercedes sucht Form und Tempo

Lewis Hamilton.

Lewis Hamilton.

Foto: Reuters

Barcelona.   Lewis Hamilton führt auch in dieser Formel-1-Saison, aber es läuft nicht rund. Der Weltmeister ist unzufrieden vor dem Rennen am Sonntag in Barcelona.

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Es braucht, vom Blau des Himmels einmal abgesehen, schon eine Menge Vorstellungsvermögen, eine Parallele zwischen dem Industriegebiet von Montmeló und der Bayfront von Miami zu ziehen. Vielleicht ist das der Unterschied zwischen der Formel 1 von heute und der von morgen. In Florida soll, wenn alles gut läuft, schon im Oktober 2019 erstmals gefahren werden. In Katalonien geht nicht mal das Internet an der Rennstrecke richtig. Zwei Welten, und ein Grenzgänger mittendrin: Lewis Hamilton, der Titelverteidiger. Vor dem Europa-Auftakt am Sonntag (14 Uhr/RTL) bietet er den Strecken-Architekten in Miami seine Hilfe an: „Ich kenne die Stadt, finde sie cool. Da könnte man mehr Spaß haben.“

Das ist frech, aber es würde der Sache sicher ganz gut tun. Aber zunächst ist der Brite Berater und Coach in eigener Angelegenheit. Zwar führt er nach vier Rennen die WM-Wertung mit vier Punkten Vorsprung vor Sebastian Vettel an, aber der Blick auf die bisherigen Leistungsdaten zeigt: Die Silberpfeile sind nicht mehr die Nummer eins. Barcelona, die Lieblingsteststrecke der Königsklasse, wird aufgrund der besseren Vergleichbarkeit zur Probe aufs Exempel: Neuerliche Machtdemonstration oder endgültiger Machtwechsel?

Valtteri Bottas, der zweite Mercedes-Pilot, in Baku bis kurz vor Schluss auf dem Weg zum ersten Saisonsieg, sagt etwas Erstaunliches über die Materialschlacht, die gerade zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull Racing tobt. Man habe gar keine echten Neuerungen, sondern nur so genannte „Error-Updates“, also Fehlerbehebungen. Irgendwo zwischen den Testfahrten in den Hügeln von Montmeló und dem Saisonstart in Melbourne hat Mercedes an Form und Tempo verloren. Das wirkt nach, auch bei den Buchungen auf dem Konto des Selbstbewusstseins. „Wir sind zuversichtlich, aber nicht übertrieben zuversichtlich“, heißt es in Hamiltons Motivationsansprache. Der 33-Jährige hat seinen Vertrag zwar immer noch nicht verlängert, aber er sieht jetzt die Notwendigkeit, sich auch intern als Leader zu positionieren. Es ist Gelassenheit in seinen Worten, aber viel Kampf in seinem Blick. Schließlich geht im Duell mit Ferrari-Star Sebastian Vettel darum, wer der größte Rennfahrer seiner Generation ist.

Vettel so entspannt wie selten

Ist das schon eine Krise, oder wird sie herbeigeredet? Kommt auf den Maßstab an. „Ich kämpfe gerade nicht in meiner Gewichtsklasse“, gesteht Hamilton in Spanien, erst müsse dazu das Auto beständiger werden. Der Mercedes ist immer noch reichlich wetterfühlig: „Mein Wagen und ich müssen uns noch richtig synchronisieren.“ Er spürt das Potenzial, aber es entfaltet sich noch nicht. „Zu viele Unbekannte“, sagt er.

Sebastian Vettel im angrenzenden Motorhome von Ferrari wirkt so entspannt wie selten. Er weiß um die Fortschritte seiner Scuderia, denkt aber weder an die WM-Führung noch an den möglichen 50. Grand-Prix-Sieg. „Es macht keinen Sinn, jetzt darüber zu reden. Das können wir dann im Oktober anfangen. Von Kleinigkeiten lasse ich mich nicht mehr ablenken.“

Vettel hat für sich einen Leitsatz geprägt, der aus dem Hamilton-Handbuch stammen könnte: „Maximiere deine Ergebnisse!“ Die Deutung, ob der Vorsprung von Ferrari im Rennen real ist, oder nur, weil Mercedes noch nicht alles rausholen konnte, überlässt er anderen. Der Schlüssel für ihn liegt in der Qualifikation. Drei Mal stand er schon auf der Pole-Position, durchaus auch für ihn selbst überraschend: „Wir haben getan, was wir konnten, und andere hatten Probleme.“ Aber die Schwankungen von Rennen zu Rennen kann er sich auch nicht erklären. Nur so viel: „Es ist noch enger geworden.“

Sichtbarstes Zeichen für die Ferrari-Weiterentwicklung sind die Segel-Ohren, die am Cockpitschutzbügel montiert sind. Nicht, weil das ein besonderes aerodynamisches Hilfsmittel wäre – es handelt sich um größere Außenspiegel. „Mir geht es nur um die bessere Sicht“, sagt Vettel. Die Botschaft ist klar: Nur wer vorn ist, braucht in diesem Sport den Blick nach hinten.

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