Reitsport

Nach Reit-Skandal: Verband führt Promille-Grenze ein

Hagen.  Nach Berichten über Alkoholproblem und sexuellen Missbrauch entscheidet der Verband Sonntag über ein Maßnahmenpaket, um Reiter zu überwachen.

Morgens, wenn sich die ersten Reiterinnen oder Reiter für den Turnierstart vorbereiten, könnte es passieren. Oder nachmittags. Oder abends, wenn der sportliche Höhepunkt des Turniers bevorsteht. Plötzlich stehen sie da, die Offiziellen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) oder Verantwortliche des Ausrichters. So, wie es seit Jahren auch unangekündigt Kontrolleure der Nationalen Anti-Doping-Agentur tun.

Alle Reiterinnen und Reiter müssen mit Kontrollen rechnen

In Zukunft müssen allerdings alle Reiterinnen und Reiter mit Kontrollen rechnen. Und diese sollen nicht nur bei großen Turnieren wie etwa dem Balve Optimum inklusive der Deutschen Meisterschaften durchgeführt werden, sondern überall. Denn die FN sagt dem Alkoholmissbrauch den Kampf an – und will eine 0,5-Promille-Grenze einführen, die mit Stichprobenkontrollen überwacht werden soll.

„Es war schon immer möglich, einen Reiter auszuschließen, der zum Beispiel wegen Alkoholkonsums nicht in der Lage ist, sein Pferd sicher zu führen“, sagte FN-Generalsekretär Sönke Lauterbach zu den Plänen, „wir setzen jetzt nur eine fixe Obergrenze, damit diese auch allen Beteiligten klar ist.“

Verbandstag muss Regeln noch zustimmen

Die Promille-Grenze ist aber nur die plakativste von etlichen Handlungsempfehlungen, die eine Präsidialkommission der FN ausarbeitete und die Bestandteil des FN-Regelwerkes werden sollen, wenn der Verbandstag, der am Wochenende tagt, zustimmt, „wovon ganz stark auszugehen ist“, sagt Sönke Lauterbach. Denn es geht nicht nur um Alkoholmissbrauch, sondern vor allem um Maßnahmen gegen sexuelle Übergriffe während Reitsport-Veranstaltungen.

Im vergangenen Jahr warfen Enthüllungen des Magazins „Spiegel“ über exzessiven Alkoholgenuss und sexuelle Gewalt im Lager der deutschen Nachwuchsreiter ein schlechtes Licht auf den Verband und seine Trainer. So sollen junge Reiter aus dem Nationalkader der Springreiter auf Turnieren Mädchen mit Alkohol und womöglich K.o.-Tropfen gefügig gemacht und sexuell missbraucht haben. Die FN schaltete die Staatsanwaltschaft in Münster ein – und bemerkte offenbar, dass das eigene Regelwerk rechtliche Lücken offenbart, welche zum Beispiel den Entzug oder die Verweigerung der Jahresturnierlizenz erschweren.

Verband will ein Zeichen setzen

Diese Lücken sollen durch die Empfehlungen der Präsidialkommission geschlossen werden. Die Reit-Bosse wollen beweisen, dass sie Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nicht dulden und hart sanktionieren. So empfiehlt die Kommission für den Spitzensport unter anderem, Reiter, die derartige Straftaten begangen haben oder zu Geldstrafen verurteilt wurden, aus dem Kader auszuschließen.

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