Snooker-WM

Präzisionssport Snooker: Eine Sache von Millimetern

Der Essener Snooker-Spieler Lukas Kleckers

Der Essener Snooker-Spieler Lukas Kleckers

Foto: Getty Images

Essen.  Die Snooker-WM ist eines der ersten Hallen-Events, das mit Zuschauern startet. Der Brite Judd Trump gilt als Favorit.

Die am Freitag beginnende Snooker-WM (Eurosport, 11 Uhr) ist weltweit eine der ersten Hallensport-Veranstaltungen, die nach Ausbruch der Corona-Pandemie wieder vor Zuschauern stattfinden darf. Im Crucible Theatre im britischen Sheffield werden aber nicht wie sonst rund 1000 Zuschauer täglich das Kräftemessen der 32 besten Spieler in dieser Billarddisziplin mitverfolgen, sondern nur rund 250. Das sieht das Hygienekonzept des Ausrichterverbandes World Snooker Tour vor.

300 Stunden Live-Billard im TV

„Snooker war die erste Sportart in Großbritannien, die wieder einen geregelten Spielbetrieb an den Start gebracht hat. Alles hatte Hand und Fuß. Für die Regierung stand deshalb schnell fest: Auf die können wir uns verlassen“, schildert Rolf Kalb die Gründe, warum die eigentlich im April geplante WM nun zeitlich versetzt ausgetragen werden kann – und warum immerhin einige Snooker-Fans auf den Tribünen Platz nehmen dürfen.

Der 60-jährige Rolf Kalb ist seit 1989 die Snooker-Stimme des TV-Senders Eurosport. Gemeinsam mit seinen Reporter-Kollegen Frank Winkler und Harry Weber wird er bis zum Finaltag am 16. August rund 300 Stunden Live-Billard kommentieren. Ein deutscher Spieler wird – wie seit der Erstauflage des Turniers im Jahr 1927 bislang immer – erneut nicht mit von der Partie sein: In dem Essener Lukas Kleckers (24) und dem Berliner Simon Lichtenberg (22) scheiterten zwei nationale Top-Asse in der zweiten von vier Qualifikations-Runden.

Lukas Kleckers scheitert an der Qualifikation

Für Lukas Kleckers war es der fünfte Versuch, sich einen Platz im Hauptfeld zu erobern. Was fehlt ihm denn noch zum Sprung in die Weltspitze? „Auf jeden Fall Routine“, antwortet der Deutsche Meister von 2019. „Und man braucht ein gutes Durchhaltevermögen.“ Die Qualifikation sei schon sehr kräftezehrend, mental wie auch körperlich. Deshalb würden sich dort meistens eben doch die erfahreneren Spieler durchsetzen.

Der Billardtisch mit seinen Ausmaßen von über 3,50 Metern Länge und knapp 1,80 Meter Breite erfordert von den Snooker-Profis beim Einlochen der Bälle (nur der Snooker-Laie sagt „Kugeln“) nicht nur eine millimetergenaue Präzision, sondern auch ein Konzentrationsvermögen, das über Stunden aufrechterhalten werden muss.

Der Titelverteidiger ist wieder der Favorit

Am besten hat das im Vorjahr Judd Trump (30) geschafft. Der Mann aus dem englischen Bristol geht nach seinem Triumph im WM-Finale 2019 über den Schotten John Higgins nicht nur als Titelverteidiger an den Start, er hatte bis zur Corona-bedingten Unterbrechung zudem bereits sechs Ranglistenturniere gewonnen. Lukas Kleckers sieht den Australier Neil Robertson vorne: „Für mich hatte Neil bis zum Saisonabbruch die beste Form.“

500.000 Pfund Siegprämie

Doch wie alle gesetzten Spieler müssen auch diese Titelaspiranten zunächst ihr WM-Auftaktmatch überstehen. „Die erste Runde war in den vergangenen Jahren für viele Favoriten stets eine Wackelrunde“, sagt Rolf Kalb. Im Vorjahr erwischte es in Ronnie O’Sullivan sogar den Superstar der Szene. Zwar waren dessen sportliche Leistungen zuletzt nicht mehr die allerbesten: Den letzten seiner fünf Weltmeistertitel gewann er 2013. Doch nach wie vor gilt er als Publikumsliebling – und TV-Quoten-Garant.

In einem Interview mit dem britischen Sender BBC hatte O’Sullivan angedeutet, dass er wegen der Hygienevorschriften und der veränderten Atmosphäre im Crucible Theatre eventuell gar nicht mitspielen wolle. Tags darauf dementierte er das aber wieder. Für viele Fans wäre es ein herber Schlag, wenn „The Rocket“, so O’Sullivans Spitzname, sich nicht in den Wettstreit um die 500.000 Pfund (rund 552.000 Euro) Siegprämie begeben würde.

Lob für das Hygienekonzept

Dass das Hygienekonzept für die Spieler in der Qualifikation funktioniert hat, bestätigt Lukas Kleckers. „Man hätte es den Umständen entsprechend nicht sicherer machen können“, lobt der Essener. Einen Tag vor dem Match musste er ins Hotel, wo im Eingangsbereich der Corona-Test durchgeführt wurde. Von dort ging es aufs Zimmer, das er bis zur Verkündung des Testergebnisses nicht verlassen durfte – ansonsten hätte die sofortige Disqualifikation gedroht.

Sein Aus nach dem 2:6 gegen den Thailänder Sunny Akani ärgerte Kleckers zwar. Doch ihm bleibt als Trost, dass er dank seiner konstant guten Leistungen in der vergangenen Saison immerhin das Ticket für die „Main Tour“ gebucht hat. Dieses sichert ihm für die nächsten zwei Jahre ein Dasein als Snooker-Profi.

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