CHIO

Reitsport: Drei starke Frauen für die EM

Eine Klasse für sich (v.l.): Dressurreiterin Isabell Werth mit Bella Rose, Ingrid Klimke mit Hale Bob und Simone Blum mit Alice.

Eine Klasse für sich (v.l.): Dressurreiterin Isabell Werth mit Bella Rose, Ingrid Klimke mit Hale Bob und Simone Blum mit Alice.

Foto: dpa

Aachen.  Isabell Werth, Simone Blum und Ingrid Klimke glänzen beim CHIO in Aachen. Springreiter Daniel Deußer verpasst 330.000-Euro-Siegprämie nur knapp.

Starke Frauen hat das Reitsport-Land. Isabell Werth, die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt, Vielseitigkeits-Olympiasiegerin Ingrid Klimke und Springreit-Weltmeisterin Simone Blum zeigten sich beim CHIO in Aachen in bestechender Form und bewiesen, dass Reiten keine Männersache ist. Damit schob sich das Trio auch für die Europameisterschaften in Rotterdam (19. bis 25. August) und Luhmühlen (Vielseitigkeitsreiten, ab 29. August) in eine Favoritenposition.

Isabell Werth gewinnt an ihrem Geburtstag

Als Isabell Werth, die sechsfache Dressur-Olympiasiegerin aus Rheinberg, am Sonntag mit ihrer Stute Bella Rose zum 13. Mal den Großen Dressur-Preis von Aachen gewann, sangen Tausende Zuschauer bei der Siegerehrung in der Aachener Soers „Happy Birthday“ und gratulierten so zum 50. Geburtstag. Gerührt und mit feuchten Augen lauschte die Rekordreiterin dem Ständchen und sagte dann: „Das ist ein tolles Gefühl – danke. Sie haben mir einen großartigen Geburtstag bereitet.“ Für die Kür mit Bella Rose bekam Werth 90,450 Prozent und hielt Dorothee Schneider aus Framersheim mit Showtime (89,660) knapp auf Distanz. „Doro hat gut vorgelegt“, kommentierte die Siegerin: „Da musste ich Gas geben.“ Werth hatte die Dressur bereits an den Vortagen dominiert. Sie führte das deutsche Quartett zum überlegenen Sieg im Nationenpreis vor Dänemark und dem US-Team. Und sie gewann in der Einzelwertung auch den Grand Prix und den Special.

Platz vier für Blum nach einem kleinen Patzer

Als Geburtstagskind Werth schon längst ein Gläschen Champagner getrunken hatte, kämpfte Simone Blum, die wie Werth im vergangenen Jahr in den USA den Weltmeister-Titel gewonnen hatte, in der Soers beim Springreit-Höhepunkt um den Sieg. Im ersten Durchgang hatte die 30-jährige Bayerin mit ihrer Stute Alice im mit einer Million Euro dotierten Großen Preis von Aachen wie schon zweimal im Preis der Nationen am Donnerstag zwei fehlerfreie Ritte hin. Im Stechen unterlief ihr dann allerdings ein kleiner Patzer, so dass sie sich mit Platz vier zufrieden geben musste.

Deußer wird Zweiter

Um gerade einmal 37 Hundertstelsekunden verpasste Blums deutscher Teamkollege Daniel Deußer mit Tobago die Siegprämie von 330.000 Euro. Im Stechen blieb Deußer fehlerfrei, war aber etwas langsamer als der US-Amerikaner Kent Farrington mit seiner Stute Gazelle. „Mein Pferd wollte im Stechen erst nicht so richtig loslaufen“, sagte Deußer: „Ich hatte trotzdem erst gedacht, dass es reichen könnte.“

Vom Lehramt zur Profireiterin

Auch Deußer zählt bei der EM zu den Medaillenkandidaten. „Simone und Daniel sind wirklich in erstklassiger Form“, lobte Bundestrainer Otto Becker. Nach einer dreimonatigen Pause wegen einer Schulter-Operation ist Simone Blum mit Alice schon wieder in Topform. Das Duo ist nach dem WM-Triumph bei der EM zu großen Taten bereit.

Alice hat das Leben von Simone Blum verändert. Grundlegend. Eigentlich wollte Blum Lehrerin werden. Chemie und Biologie hat sie studiert und 2016 mit dem Master abgeschlossen. „Für mich war klar, ich will Kinder am Gymnasium unterrichten. Für 2017 hatte ich mir vorgenommen, mich noch mal auf das Reiten ohne Doppelbelastung zu konzentrieren“, sagt sie.

Berufsreiterin statt Lehrerin

Und dann kam Alice. Die Fuchsstute hatte ihr Mann Hans-Günther Blum 2014 bei einem Freund entdeckt und für seine damalige Freundin gekauft. 2017 entwickelte sich da Paar Simone Blum/Alice so gut, dass alle Pläne über den Haufen geworfen worden. Statt Kinder Chemieformeln und die Grundlagen der Biologie beizubringen, ist Simone Blum jetzt Berufsreiterin. Mit ihrem Mann, den sie nach dem WM-Triumph heiratete und der ihren Namen annahm, hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. Auf Gut Eichenhof im bayerischen Zolling haben sich die beiden vor einem Jahr selbstständig gemacht. „Wir haben diesen Schritt nie bereut“, sagt Simone Blum. „Wir leben unseren Traum.“

Klimke reitet im Einzel und im Team auf Platz eins

Das tut Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke schon seit vielen Jahren. Die 51-Jährige war früher ebenfalls Lehrerin. So vielseitig wie sie war in Aachen niemand auf dem Pferd. Sowohl im Team als auch im Einzel ritt sie mit Hale Bob auf Platz eins. Eine starke Frau. Wie Isabell Werth und Simone Blum. mit dpa

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