Reitsport

Simone Blum: Der CHIO ist ihr Klassenzimmer

Gemeinsam meistern sie die Hindernisse: Simone Blum auf Alice beim CHIO in Aachen.

Gemeinsam meistern sie die Hindernisse: Simone Blum auf Alice beim CHIO in Aachen.

Foto: dpa

Aachen.  Simone Blum wollte einst Lehrerin werden. Heute aber ist sie Weltmeisterin und das Aushängeschild der deutschen Springreiter

Simone Blum ist das Aushängeschild des deutschen Springreitens, seitdem sie im September 2018 bei den Weltmeisterschaften in den USA mit ihrer Stute Alice fünf fehlerfreie Ritte über den Parcours hinlegte und alle Konkurrenten, ob männlich oder weiblich, hinter sich ließ. So überraschend der Titelgewinn kam, so populär hat das Gold die 30-Jährige und ihre Wunderstute gemacht. Und so stehen Simone Blum und ihre Alice auch am Sonntag (15 Uhr/WDR) beim Großen Preis der Stadt Aachen im Mittelpunkt. Wie gut die beiden in Form sind, unterstrichen Simone Blum und Alice, als sie am Donnerstagabend im Großen Preis der Nationen in beiden Durchgängen eine Nullrunde hinlegten. Eine Super-Vorstellung.

Ein sensibles Pferd

„Der Große Preis am Sonntag ist ein ganz großes Ziel, aber auch eine riesige Herausforderung für mich“, sagte die Weltmeisterin dieser Zeitung. „Bisher lief es für uns ausgerechnet am Sonntag in Aachen nicht so richtig gut. Das soll sich ändern.“ Dabei haben Simone Blum und Alice durchaus beim CHIO in Aachen schon beeindruckt. Wie im vergangenen Jahr, als sie zur siegreichen deutschen Equipe im Preis der Nationen zählten. Aber so imponierend das Ambiente beim Flutlichtspringen vor 40.000 Zuschauern ist, wie es sich auch am Donnerstag in der Soers zeigte, der Rummel am Sonntag ist noch größer. „Am Sonntag sind hier unheimlich viele Fotografen im Parcours“, erzählt Simone Blum. „Alice ist ein unheimlich sensibles Pferd. Sie sieht alles. Sie hört jedes Husten. Deshalb ist es für sie sehr schwierig, die Konzentration zu halten. Es ist aber auch ihre Klasse, dass sie so viel sieht und hört. Ich hoffe, dass sie cool bleibt.“

Alice hat das Leben von Simone Blum verändert. Grundlegend. Eigentlich wollte Blum Lehrerin werden. Chemie und Biologie hat sie studiert und 2016 mit dem Master abgeschlossen. „Für mich war klar, ich will Kinder am Gymnasium unterrichten. Für 2017 hatte ich mir vorgenommen, mich noch einmal auf das Reiten ohne Doppelbelastung zu konzentrieren“, sagt sie.

Simoe Blum hat das Hobby zum Beruf gemacht

Und dann kam Alice. Die Fuchsstute hatte ihr Mann Hans-Günther Blum 2014 bei einem Freund entdeckt und für seine damalige Freundin gekauft. 2017 entwickelte sich da Paar Simone Blum/Alice so gut, dass alle Pläne über den Haufen geworfen worden. Statt Kinder Chemieformeln und die Grundlagen der Biologie beizubringen, ist Simone Blum jetzt Berufsreiterin. Mit ihrem Mann, den sie nach dem WM-Triumph heiratete und der ihren Namen annahm, hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. Auf Gut Eichenhof im bayerischen Zolling haben sich die beiden vor einem Jahr selbstständig gemacht. „Wir haben diesen Schritt nie bereut“, sagt Simone Blum. „Wir leben unseren Traum.“

Überraschender WM-Triumph

Der WM-Triumph kam überraschend. Für alle. Auch für Simone Blum selbst. Aber die Überschriften, die nach dem Gold getextet wurden wie „Die Weltmeisterin aus dem Nichts“, waren ein wenig überzogen. Simone Blum kommt aus einer Familie, in der Pferde schon lange eine Hauptrolle spielen. Großvater Gustav-Adolf war Präsident des Bayerischen Reiter- und Fahrverbandes. Vater Jürgen holte mit der Mannschaft im Vielseitigkeitsreiten EM-Bronze und zählte 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta zur deutschen Equipe.

Das Zusammenspiel von Reiter und Pferd entscheidet

Seine Tochter wechselte als Teenager von der Vielseitigkeit zum Springreiten. Mit 15 Jahren war Simone Blum Vierte der Pony-Europameisterschaften und gehörte 2009 dem Bundeskader der Jungen Reiter an. Mit Alice ging die Karriere dann richtig los. 2015 gewann sie Silber bei der Deutschen Meisterschaft in der Frauenkonkurrenz. Nach dem Frauentitel ein Jahr später hängte sie 2017 bei den nationalen Titelkämpfen auch alle Männer ab. Ist es gerecht, dass Frauen und Männer als einzige Sportart im Reiten gegeneinander um den Sieg streiten? Simone Blum hat da eine klare Meinung: „Im Reiten kommt es auf das Zusammenspiel von Reiter und Pferd an. Vielleicht hat der Mann einen kleinen Vorteil, weil er mehr Kraft hat. Das größere Gewicht kann aber auch ein Nachteil sein“, antwortet sie. „Am Ende gleicht es sich aus. Fakt ist, dass es im Spitzensport mehr Männer als Frauen gibt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Frauen Familie und Spitzensport nicht so gut unter einen Hut bringen.“

Stute Alice wird verwöhnt

Und wie sieht es bei ihr selbst mit der Familienplanung aus? Die Weltmeisterin schmunzelt und sagt dann: „Im Moment ist Alice unser Kind. Sie bekommt die meiste Aufmerksamkeit. Alice ist im besten Alter. Wir genießen erst einmal den Moment.“ Am liebsten am Sonntag mit einem Triumph im Großen Preis beim CHIO in Aachen.

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