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Tennis: Alexander Zverev steht vor den Wochen der Wahrheit

Kämpft gegen seine Formschwäche: Alexander Zverev.

Kämpft gegen seine Formschwäche: Alexander Zverev.

Foto: dpa

Monte Carlo.  Deutschlands Tennis-Star Alexander Zverev bangt beim ATP-Turnier in Monte Carlo um seinen Platz in der Spitze der Weltrangliste.

Auf dem netten Gruppenfoto beim Empfang von Monacos Fürst Albert hatte sich Alexander Zverev am Wochenende noch zentral in der zweiten Reihe postiert. Nicht nur Albert, der Regent, hatte Zverev im Nacken, sondern auch die beiden in der ersten Reihe stehenden Tennis-Alphamänner Novak Djokovic und Rafael Nadal. Die bildliche Anordnung vor den ersten Ballwechseln beim Masters-Spektakel in dem Zwergstaat ist eigentlich auch noch die Schlachtordnung in der Tenniswelt. Zverev ist schwarz auf weiß die Nummer drei der Weltrangliste, er ist der erste Verfolger von Frontmann Djokovic und Sandplatz-Gigant Nadal.

Enttäuschung und Frustration

Aber gefühlt sieht die Lage ein wenig anders aus. Zverev, der nach einem Freilos zum Auftakt heute in der zweiten Runde auf den Kanadier Felix Auger-Aliassieme trifft, wirkt im Moment nicht so, als dürfe er nach vorne schielen und könne die Nummer eins oder zwei gefährden. Eher hat es den Anschein, als gehe es für Zverev vor dem Start in die Sandplatzwochen darum, nicht abzustürzen in der Hackordnung. Und Platz drei oder überhaupt einen Rang in der Weltspitze gegen ehrgeizige Konkurrenz abzusichern. Gegen einige Spieler auch, die mit auf dem Protokollfoto in Monte Carlo standen – Österreichs Ass Dominic Thiem, der Grieche Stefanos Tsitsipas, der Kroate Marin Cilic oder Japans Kei Nishikori. „Ich will in den nächsten Wochen meine guten Trainingsleistungen auch bei den Turnieren bestätigen“, sagte Zverev, bevor es mit der Rutscherei im Sand losging.

Auf Anhieb glückte ihm das aber nicht. Beim eilig arrangierten Extrastopp in Marrakesch schied er letzte Woche in der zweiten Runde gegen den starken Spanier Jaume Munar aus, es war einmal mehr eine Niederlage gegen einen Rivalen jenseits der Top 50 der Welt.

Zverevs Saison verläuft bisher eher enttäuschend und frustrierend. Der Deutsche kam noch nie richtig auf Touren, das bisher einzige Glanzlicht war die Endspielteilnahme im Februar in Acapulco.

Zuletzt scheiterte der 21-Jährige bei den großen US-amerikanischen Frühjahrsturnieren in Indian Wells und Miami in der dritten und zweiten Runde, auch gehandicapt durch eine Viruserkrankung. Im Januar in Melbourne hatte er bei der schroffen Achtelfinal-Niederlage gegen den Kanadier Milos Raonic seinen Schläger immer wieder auf den Centre Court gehämmert, bis das Arbeitsgerät zerbrach. Auch der erste große Vorsatz für 2019 war damit kaputtgegangen, der formulierte Anspruch, endlich bei den Grand Slams in eine relevante Turnierphase vorzustoßen.

Inzwischen ist der Druck noch viel größer auf Zverev. Der öffentliche, der der Fans und Medien – und natürlich auch der eigene. „Das Jahr war bisher noch nicht das, was ich mir erhofft habe“, sagt Zverev. Wobei er selbst damit nur das sportliche Abschneiden meint.

Aber andere denken auch daran, dass Nebengeräusche wie das Theater um Zverevs Management-Zukunft auch in diese schattige Zwischenbilanz passen würden. Denn die Streitgeschichte zwischen Zverev und seinem langjährigen Geschäftsbesorger Patricio Apey – um die weitere Kooperation und die Laufzeit bzw. Auflösung des Kontrakts – war zuletzt der einzige Stoff, der für Aufsehen rund um den Tennisstar sorgte.

Viel zu verlieren

Für Zverev kommen jetzt die Wochen der Wahrheit. Es ist sozusagen der Fluch der guten Taten des Vorjahres, der dabei auf ihm lastet. Denn 2018 war Zverev neben Matador Nadal der überragende und konstanteste Sandplatzspieler – mit dem Halbfinale in Monte Carlo (Masters), den Siegen in München und Madrid (Masters), dem Finaleinzug in Rom (Masters) und dem Viertelfinale bei den French Open. Etwa die Hälfte seiner Ranglistenpunkte stehen deshalb bis Anfang Juni zur Disposition.

Zverev hat nicht viel zu gewinnen, aber viel zu verlieren, vielleicht sogar eine Top-10-Position. Nach den Fehlschlägen in den USA erklärte Zverev, er brauche unbedingt Matchpraxis, Matchhärte. Doch das ist die ewige Krux. Spielerfahrung gibt es nur für die, die wieder siegen. Und öfters siegen. Damit müsste Zverev nun beginnen, beim Heimspiel in Monte Carlo, auf einem Centre Court, den er von seinem Apartment locker zu Fuß erreichen kann.

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