Tischtennis

Tischtennis-Star Boll kritisiert neue Weltranglisten-Regelung

Den Sieg gegönnt: Timo Boll (r.) gratuliert seinem Freund Dimitrij Ovtcharov. zum Sieg bei den German Open. Foto: imago

Den Sieg gegönnt: Timo Boll (r.) gratuliert seinem Freund Dimitrij Ovtcharov. zum Sieg bei den German Open. Foto: imago

Essen.   Timo Boll, Tischtennis-Star von Borussia Düsseldorf, adelt die Leistung seines Kollegen Dimitrij Ovtcharov - und traut ihm die Weltspitze zu.

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Dass Timo Boll zurecht den Ruf des ungemein fairen Sportlers genießt, beweist der Tischtennis-Star von Borussia Düsseldorf immer wieder – gerade nach Niederlagen. Am Sonntag verlor er bei den German Open in Magdeburg nach den China Open und dem World Cup bereits das dritte rein deutsche Finale eines großen Turniers gegen Dimitrij Ovtcharov. Boll, der 36-jährige Rekordeuropameister, hatte keine Mühe, seinem Freund, den er Dima nennt und mit dem er schon öfter zusammen im Urlaub war, den Erfolg zu gönnen.

„Ich bin momentan sehr glücklich, dass ich auf so einem Niveau spiele und noch Finals erreichen kann. Aber natürlich würde ich auch gerne mal wieder ein Finale gewinnen“, sagt er, „aber Dima hat es sich einfach verdient. Ich habe allergrößten Respekt vor seiner Leistung.“ Das freundschaftliche Verhältnis habe unter dem sportlichen Kräftemessen nicht gelitten: „Es ist alles so wie bislang auch. Wir trainieren zusammen, profitieren voneinander. Er hätte mir den Sieg nicht übel genommen und ich tue es auch nicht. Ich bin jemand, der die Situation dann auch einschätzen und gönnen kann.“

Timo Boll: "Dima müsste den Sprung an die Weltranglistenspitze schaffen"

Boll gesteht, derzeit kein Rezept gegen Ovtcharovs druckvolles und athletisches Spiel zu finden. „Man merkt, dass er unglaublich viel Selbstvertrauen bekommen hat, er spielt sehr variantenreich“, urteilt der 36-Jährige. Und geht mit dem Lob für seinen Nationalmannschaftskollegen, der in Magdeburg erstmals in seiner Karriere auch den Vizeweltmeister Fan Zhendong aus China geschlagen hatte, noch weiter: „Dima müsste den Sprung an die Weltranglistenspitze schaffen.“ Zugute käme ihm dabei ein neues Berechnungssystem, das ab dem 1. Januar in Kraft tritt. „Da werden vor allem die belohnt, die viel spielen“, sagt Boll. „Ich bin kein großer Fan dieser neuen Regelung, da auch nicht mehr unterschieden wird, ob man gegen einen Spitzenspieler oder die Nummer 200 der Welt gewinnt. Wenn der Weltverband das durchzieht, wird das zu kuriosen Situationen führen: zum Beispiel, wenn es darum geht, wer sich über die Weltrangliste für Olympia qualifiziert.“ Dennoch: „Dima hat in letzter Zeit alles gewonnen – darunter den World Cup –, er würde momentan ohnehin zu recht ganz oben stehen.“

Boll hat auch eine Antwort auf die derzeitige Schwäche der Top-Chinesen um Weltmeister Ma Long: „Sie haben momentan große Probleme mit dem neuen Ball. Sie sagen es sogar selber. Da das Thema Material-Doping für mich immer noch nicht vom Tisch ist, ist es schön, dass durch die Verbesserung des Balls das Niveau endlich wieder angeglichen wird.“ Boll hatte zuletzt immer wieder kritisiert, dass die Chinesen ihre Beläge mit nicht nachvollziehbaren Methoden verbessern.

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