Tour de France

Tony Martin ist die Lokomotive seines Teams bei der Tour

Das Team Jumbo-Visma war beim Mannschaftszeitfahren nicht zu schlagen.

Das Team Jumbo-Visma war beim Mannschaftszeitfahren nicht zu schlagen.

Foto: dpa

Brüssel.  Der Deutsche treibt bei der Tour de France sein Team zum Etappensieg. Mannschaftskollege Teunissen verteidigt sein Gelbes Trikot.

Viel fehlte nicht, und Laurens de Plus wäre noch niedergekniet vor Tony Martin. Der belgische Radprofi lobte in höchsten Tönen die Tempoarbeit seines deutschen Teamkollegen auf der zweiten Etappe der 106. Tour de France. „Tony war bärenstark. So wurde es ein fantastischer Tag für uns“, meinte de Plus in der Mixed Zone.

Als Martin dann neben ihn trat und auf das Lob angesprochen wurde, winkte der Thüringer nur bescheiden ab. „Ach, das sagt der Laurens immer“, meinte er. Glücklich war er aber doch nach dem Sieg im Teamzeitfahren rund um Brüssel, und sich auch seines Anteils an der Teamleistung bewusst. „Das Teamzeitfahren hier war mein Ziel, dafür bin ich hergekommen. Es ist auch meine Stärke. Ich und Wout van Aert sind die meisten Wechsel gefahren. Ich wusste auch, dass ich mit langen Wechseln meinen Teamkollegen mehr Zeit zur Erholung verschaffen konnte“, sagte er dieser Zeitung.

Taktik-Trick hilft Martin-Team

Das Vorhaben klappte perfekt. Mike Teunissen konnte sein Gelbes Trikot nach seinem Sieg am Samstag beim Tour-Start in Brüssel verteidigen. Die Mannschaft hatte sich dafür auch eine taktische Neuigkeit einfallen lassen. „Wir hatten lange Zeit George Bennett als letzten Mann. Im Finale konnte er uns dann mit seiner Kraft noch sehr helfen“, meinte Martin. Das heißt, Bennett schonte sich am Anfang und gab dann Gas.

Umgekehrt war die Aufgabe von Dylan Groenewegen. Der Top-Sprinter war auf der ersten Etappe gestürzt, und er litt noch an den Blessuren. „Er hat am Anfang alle Kraft reingelegt“, lobte Martin. Groenewegen ließ dann abreißen, wollte nicht als Ballast vom Team mitgeschleppt werden.

Der Niederländer ist der tragische Held dieses Siegerteams. Denn eigentlich sollte für ihn auf der ersten Etappe gefahren werden. Doch er stürzte auf den letzten Kilometern. Sein Anfahrer Mike Teunissen sprang für ihn in die Bresche, holte den Tagessieg im Massensprint, Zentimeter nur vor Bora-hansgrohes Top-Mann Peter Sagan. Der Slowake war frustriert, wieder nur Zweiter geworden zu sein und knapp das Gelbe Trikot verpasst zu haben.

Teunissen hingegen war glücklich. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Ich kam als Helfer hierher, und nun trage ich Gelb“, sagte er. Das Gelbe Trikot verlieh ihm dann auch Flügel im Zeitfahren. „Mike war extrem stark“, konstatierte Teamkollege Martin.

Der Ex-Weltmeister im Einzelzeitfahren und einer der erfahrensten Spezialisten in diesem Metier zeigte sich dann selbst überrascht von dem Vorsprung von 20 Sekunden auf den Zweiten, auf das Team Ineos mit Titelverteidiger Geraint Thomas. „Ich hatte gedacht, dass es auf diesem schnellen Kurs knapper zugehen wird und es bis zum Ende ein Spiel der Sekunden sein wird“, staunte Martin.

Für Ineos wirkte sich nachteilig aus, als Erste auf die Strecke gegangen zu sein. Wegen eines Sturzes von Thomas und des Wartens seiner Teamkollegen auf ihn sprang am ersten Tag nur der letzte Platz in der Teamwertung heraus. Das führte zum frühen Start und den fehlenden Richtzeiten der anderen Teams.

Für Thomas war dies aber kein großes Dilemma. „Im Teamzeitfahren konzentriert man sich mehr auf den eigenen Rhythmus und orientiert sich nicht so stark an den anderen“, meinte er.

Insgesamt bot das Auftaktwochenende in Belgien einige Überraschungen. Niemand hätte auf Teunissen als Mann in Gelb gesetzt. Und Ineos war weniger dominant als erwartet.

Tour-Start mit Ehrengast Merckx

Ein voller Erfolg war der Grand Depart für die Gastgeber. Die Stimmung an der Strecke war einer Radsportnation würdig. Lokalheld Eddy Merckx als Ehrengast spielte dabei auch eine Rolle. Immer dort, wo der fünffache Toursieger auftauchte, erschallten Jubelchöre. Und in der Organisation der Sicherheitsmaßnahmen zeigten sich die belgischen Polizisten routinierter als ihre zum Teil sehr herrisch auftretenden Kollegen aus dem Nachbarland. Von Belgien lernen heißt Atmosphäre kreieren lernen.

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