Kommentar

Triathlon-Qual und Marathon-Wunder: Ist das noch Sport?

Quälerei in der Hitze von Hawaii: Ironman-Sieger Jan Frodeno.

Quälerei in der Hitze von Hawaii: Ironman-Sieger Jan Frodeno.

Foto: Foto: KAI PFAFFENBACH / Reuters

Extreme Sportereignisse sorgen für Bewunderung - aber auch für Kopfschütteln. Sportler gehen an ihre Grenzen - und darüber hinaus. Ein Kommentar

Als Inka Grings am Samstagabend das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund verließ, um auf dem Vorplatz am Torwandschießen des ZDF-Sportstudios teilzunehmen, trug die Rekordtorschützin der Bundesliga nicht mehr die hochhackigen Schuhe, mit denen sie vorher bei der feierlichen Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Fußballs auf der Bühne gestanden hatte. „Ich bin auf alles vorbereitet“, sagte sie lachend. Und dann versenkte sie den Ball fünfmal in den Löchern. Das war zuvor erst acht Männern gelungen, seit 20 Jahren keinem mehr. Sechs Treffer hatte noch keiner geschafft.

Das war schon eine beeindruckende Leistung der 40-Jährigen, auch wenn die Torwand nicht mehr als ein Kult gewordener Spaß ist.

Patrick Lange geht bewusst ein hohes Risiko ein

Weltweite Beachtung fand an diesem Wochenende die andere Dimension des Sports. Die, bei der es erst etwas zu lachen gibt, wenn es vorbei ist, und auch dann nicht für jeden. Ob beim hochstrapaziösen Triathlon auf Hawaii oder beim historischen Marathon in Wien – du schaust mit großen Augen zu und fragst dich: Ist das noch Sport? Oder schon Wahnsinn? Man verfolgt die Ereignisse mit Faszination und Kopfschütteln.

Es ist natürlich grandios, wenn Jan Frodeno zum dritten Mal und obendrein noch in Streckenrekordzeit Ironman-Weltmeister wird, und wenn Anne Haug als erste Deutsche in Kona über die Ziellinie läuft. Welche nahezu unmenschlichen Leistungen diese beiden vollbracht haben, wird deutlich, wenn wir den Blick auf Vorjahressieger Patrick Lange werfen. Er hielt die Qual diesmal nicht durch, er wurde von seinem Körper gestoppt. Mit Fieber auf diese dramatisch schwere Strecke zu gehen, das war unverantwortlicher Irrsinn. Ein Profi wie Lange kennt die Gefahren, und doch geht er so ein Risiko ein. Weil es auch für ihn nichts Größeres gibt als diesen Wettkampf auf Hawaii

Mit einem normalen Marathon hat diese Inszenierung wenig zu tun

Topfit hingegen war Eliud Kipchoge, der als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden lief. Doch in die Bewunderung für diese sportgeschichtliche Leistung des Kenianers mischt sich auch Abneigung. Denn das ganze Spektakel, eine Zirkus-Veranstaltung wie ein Fußballspiel auf vier Tore, hatte mit einem normalen Marathon nur wenig zu tun. Es diente vor allem der Selbstdarstellung der beiden Firmen, die es veranstalteten. Der Sport als reine Geldmaschine. Es ist eben nicht alles so amüsant wie ein Torwandschießen.

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