Golf

Triumphales Comeback: Der Tiger brüllt wieder

Golfer Tiger Woods feiert in Augusta seinen Turniersieg

Golfer Tiger Woods feiert in Augusta seinen Turniersieg

Foto: Reuters

Augusta.  Elf Jahre nach dem letzten Major-Titel triumphiert Woods wieder beim Masters. Der 43-Jährige hat Krisen überstanden – und sich gewandelt.

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Am Ende, nach einem der größten Comebacks der Sportgeschichte, war kein Unterschied mehr festzustellen zwischen den Feierlichkeiten des US-Masters-Siegers Tiger Woods und denen seiner Kollegen bei anderen großen Turnieren. Der Kalifornier umarmte seine Kinder Sam und Charly, dann herzte er innig seine Mutter Kultida, die am Rande des letzten Grüns im Hintergrund fast ein wenig schüchtern auf den 43-Jährigen warteten. Woods ballte die Faust, er schrie seinen Erfolg mehrfach in die Welt hinaus und befreite sich dadurch auch ein Stück weit von dem unermesslichen Druck, der während der gesamten letzten Runde auf ihm gelastet hatte. „Ich wollte meinen Kindern zeigen, wie es ist, wenn ihr Vater ein großes Turnier gewinnt“, sagte er später, als er sich das berühmte grüne Siegerjacket übergezogen hatte.

Eldrick Woods ist mit seinem 15. Majorsieg in die Spitze des Golfsports zurückgekehrt. Es war ein Erfolg, der weltweit für Aufsehen sorgte, die Zuschauer auf dem Platz in Augusta/Georgia fast in Ekstase versetzte, der Huldigungen anderer Sportgrößen auslöste. Doch so überwältigend die Gefühle des Triumphators auch waren, so gewaltig die Emotionen des Publikums auch ausfielen, der Moment seines vielleicht wichtigsten Sieges und die Stunden davor entsprachen auf unterschiedliche Weise der Rückkehr in eine bei Woods eher ungewohnte Normalität. Und das nicht, weil er elf Jahre nach seinem letzten Erfolg bei einem der großen vier Turniere endlich wieder aus einem Major-Turnier als Sieger hervorgegangen war.

Gelassen und bescheiden

Ausgerechnet der fünfte Erfolg beim US Masters demonstrierte nachhaltig, dass der Amerikaner nicht mehr der frühere Dominator des Golfsports ist. Auch sein Verhalten auf den letzten 18 Löchern war alles andere als von Allüren begleitet, die früher oft bei ihm zu beobachten waren. Im Gegenteil, Woods blieb auch im Moment des Erfolges bescheiden: „Nicht nur wieder spielen zu können, sondern auch wieder zu siegen, dafür werde ich immer dankbar sein.“ Auch Wutausbrüche, die früher häufiger vorkamen, erlaubte sich Woods nicht. Und dazu hätte er mehrfach einen Anlass finden können, doch Woods ertrug Fehlschläge aber mit stoischer Ruhe. Am Ende steigerte sich Woods und hatte nach insgesamt vier Runden einen Schlag weniger benötigt als der Weltranglisten-Erste Dustin Johnson sowie Xander Schaufele und Brooks Koepka (alle USA).

Woods hatte bereits am Ende der vergangenen Saison mit der US-Tour-Championship einen Comeback-Sieg gelandet. Bis auf einen Rang jenseits von Platz 1000 war er vor 17 Monaten in der Weltrangliste zurück gefallen – jetzt wird er wieder an Position sechs geführt. Jener Erfolg war ein Beweis dafür, dass sein Rücken nach vier Operationen wieder belastbar war. Doch ein Major-Turnier zu gewinnen, zählt zu den größten Herausforderungen. Und an dieser Aufgabe war Woods oft gescheitert, zuletzt bei den British Open 2018, als er dem späteren Sieger Francesco Molinari unterlag. Neben seiner mentalen Stärke war die verbesserte Genauigkeit seiner Drives, der längsten Schläge im Golf, ausschlaggebend für den Triumph in Augusta, rund drei Stunden entfernt von Atlanta. Abstecher ins Gebüsch vom Abschlag aus leistete er sich nur selten.

Drei Titel bis zur Legende Nicklaus

Kann der zweitbeste Golfer der Geschichte diese Konstanz bewahren, hat er alle Möglichkeiten, den 18-maligen Major-Sieger Jack Nicklaus noch einzuholen. Nicklaus selbst, der sechsmal in Augusta gewann, erklärte: „Ich freue mich so sehr für ihn und den Golfsport. Sein Sieg ist einfach fantastisch.“ In einem Punkt hat Tiger Woods sein großes Vorbild schon eingeholt: Wie sein Landsmann hat er in drei Dekaden einen Major-Sieg errungen. Sobald wird Woods das niemand nachmachen.

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