Volleyball-EM

Volleyballer finden rechtzeitig die richtige Einstellung

Kampfgeist und Zusammenhalt. Im Achtelfinale der EM zeigte die deutsche Mannschaft gegen die Niederlande ein neues Bild.

Kampfgeist und Zusammenhalt. Im Achtelfinale der EM zeigte die deutsche Mannschaft gegen die Niederlande ein neues Bild.

Foto: dpa

Apeldoorn/Essen.  Die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft schlug nach dürftiger EM-Vorrunde im Achtelfinale die Niederlande. Jetzt wartet Weltmeister Polen.

Es gibt Momente im Sport, die treiben dem Zuschauer, der sie miterlebt, in die Verzweiflung, erweisen sich im Nachhinein aber als wichtiger Wegpunkt für die beteiligten Athleten. Einen solchen Augenblick bescherte sich die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft bei der EM im Achtelfinalspiel gegen die Niederlande.

Deutsches Team vergibt sechs Matchbälle

Das deutsche Team hatte, ohne zu brillieren, zwei Sätze gewonnen – und fing im dritten Satz an, mal wieder zu wackeln. Erst kurz vor Satzende gelang es Diagonalspieler Georg Grozer, der nach einer Verletzungspause ins Team zurückgekehrt war, mit seinen wuchtigen Aufschlägen einen Rückstand auszugleichen. In der Folge erspielte sich das Team sogar sechs Matchballe, um den Satz dann doch noch 30:32 zu verlieren. Drama pur und ein Spielverlauf, der beim Volleyball die Moral eines Teams brechen kann. Die deutschen Spieler ließen sich nicht beirren und gewannen in Apeldoorn den vierten Satz zum 3:1 gegen Co-Gastgeber Niederlande.

Deutsche zeigen erstmals Kampfgeist

Die deutsche Mannschaft zeigte im Achtelfinale zugleich das erste Mal während der Europameisterschaft sichtbar die richtige Einstellung. Die gesamte Vorrunde hindurch hatten die Spieler von Bundestrainer Andrea Giani Auftritte hingelegt, die sich in der Außenwirkung zwischen blutleer und blamabel bewegten. Einige Spieler wirkten auf dem Feld immer wieder so, als seien sie beleidigt, dass der Gegner sich wehrt und ebenfalls gewinnen will.

Spieler zeigen ihre Erleichterung

Die Erleichterung über die neue, die richtige Einstellung formulierten nach dem Sieg gegen die Niederlande dann auch die Spieler. „Wie wir auf dem Feld gestanden haben und als Mannschaft gespielt haben, war mir fast wichtiger als das Ergebnis“, sagte Georg Grozer, der mit 20 Punkten erfolgreichster deutscher Spieler wurde. Ähnlich wertete auch Mannschaftskapitän Lukas Kampa die Leistung seiner Mitspieler: „Jeder ist vor dem Spiel in sich gegangen. Bei jedem einzelnen war heute mehr Aggressivität da.“

Polen ist Favorit im Viertelfinale

Dass die Mannschaft ihre größten Defizite erstens erkannt und zweitens behoben hat, stimmt vorsichtig optimistisch für das Viertelfinale. Sehr vorsichtig. Am Montag (20 Uhr/Sport1+) geht es im Viertelfinale schließlich gegen Polen, ein deutlich anderes Kaliber als die Niederlande, gegen die die deutsche Mannschaft immerhin eine ordentliche Erfolgsquote im Angriff hingelegt hatte. Der amtierende Weltmeister ist bei nur einem Satzverlust ohne Niederlage durch das Turnier gekommen.

Die vom ehemaligen Trainer der Deutschen, Vital Heynen, betreute polnische Mannschaft ist also der haushohe Favorit, das deutsche Team zumindest auf dem Papier chancenlos. Eine Überraschung könnte wohl nur mit der richtigen Einstellung auf dem Feld gelingen. „Keine Angst“ dürfe die Mannschaft haben, sagte Bundestrainer Giani zurückhaltend mit Blick auf das Spiel. Star-Spieler Grozer immerhin lebte Optimismus vor: „In einem Turnier ist nichts unmöglich, es ist immer noch Volleyball, es ist alles machbar.“

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