Klettern

Yannick Flohé will mit Kraft und Können hoch hinaus

Yannick Flohé in seinem Element: beim Klettern mit Sicherungsseil im Landschaftspark Duisburg.

Yannick Flohé in seinem Element: beim Klettern mit Sicherungsseil im Landschaftspark Duisburg.

Foto: Maderer/Ruhr Games

Duisburg.  Yannick Flohé ist einer der besten deutschen Kletterer. Am Samstag will der Essener wieder Deutscher Meister werden. Vorab erhält er einen Preis.

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Die Bilder vor der 15 Meter hohen Kletterwand sind gemacht. Zum Gespräch soll es an einen ruhigeren Ort gehen. Yannick Flohé wählt nicht den einfachen Weg dorthin. Er steigt über einen kleinen Vorsprung, gleitet durch zwei Bauzäune. Wer ihm folgt, sieht dabei weniger elegant aus. Yannick Flohé ist es gewohnt, seinen Weg, seine Route zu finden. Der 19-Jährige ist einer der besten Kletterer Deutschlands und Mitglied im Olympia-Kader.

Am Samstag will er im Rahmen der Ruhr Games im Landschaftspark in Duisburg (ab 17.30 Uhr) bei den Deutschen Meisterschaften im Speed-Klettern seinen Titel verteidigen.

Yannick Flohé klettert, seit er laufen kann. Der Essener kommt aus einer Familie, die für diesen Sport brennt. Seine Eltern waren einst selbst erfolgreiche Wettkampf-Kletterer. Die Leidenschaft haben sie an den Sohn weitergegeben. Gezwungen haben sie ihn nie. „Ich habe viele Sportarten ausprobiert: Turnen, Tischtennis, Rudern… Aber das Klettern hat mir letztlich am meisten Spaß gemacht“, erzählt er. An seinen ersten Wettkampf erinnert er sich noch: „Da war ich 12 oder 13 Jahre alt. Es war ein Kids Cup in Essen – und den habe ich gewonnen.“

Kein Sport für Zimperliche

Yannick Flohé sitzt entspannt im Schatten vor dem Hüttenwerk im Landschaftspark. Seine definierten Oberarme sind braun gebrannt, seine Hände mit der dicken Hornhaut auf den Fingern ruhen vor ihm auf dem Tisch. Klavierspielerhände sehen anders aus. „Dabei habe ich es früher mal gespielt“, sagt er. „Aber irgendwann waren die Finger einfach zu fett.“ Er lacht. Dabei steckt harte Arbeit in diesen Händen. Vor allem die Fingerkuppen leiden bei seinem Sport. „In China“, erzählt Flohé, „hatte ich einmal Probleme, als ich mich mit einem Fingerabdruck ausweisen sollte. Ich hatte nämlich keinen Fingerabdruck mehr.“ Wieder lacht er. Ein Sport ohne Fingerspitzengefühl.

Doch längst klettert er nicht nur Wände auf der ganzen Welt hinauf. Er trainiert Ausdauer und Schnellkraft für die Beine, macht Krafttraining – sogar für die einzelnen Finger. „So zehn“ einarmige Klimmzüge nachein­ander gehören auf dem Level zum Standardrepertoire. Haben Sie mal einen probiert? Viel Erfolg!

Das große Ziel: Olympia 2020

Yannick Flohé nimmt die harte Arbeit gern in Kauf. Sein großes Ziel: Die Olympischen Spiele 2020. In Tokio wird Klettern erstmals Teil des Programms sein. Die Athleten messen sich in einem Dreikampf aus den Disziplinen Speed (Klettern auf Schnelligkeit), Bouldern (Klettern in Absprunghöhe) und Lead (Klettern mit Sicherungsseil). Experten haben es schwer, Allrounder sind gefragt. Flohé ist auf einem guten Weg: Er ist nicht nur Deutscher Speed-Meister, sondern hält den Titel auch im Bouldern. Zudem ist er Boulder-Vizeweltmeister der Junioren.

Mit seinen 19 Jahren ist Yannick Flohé der Jüngste im deutschen Olympia-Kader. Seine Kollegen Jan Hojer (27) und Alexander Megos (25) gehören zu den Topleuten der Szene. „Früher war Jan Hojer der Große, mit dem ich gerne mal bouldern wollte, einfach ein cooler Typ – heute trainieren wir zusammen, treten wir gegeneinander an.“ 2018 war es Flohé, der den Star im Speed-Finale der Deutschen Meisterschaft schlug.

Jugendförderpreis für Flohé

Für seine Erfolge wird Yannick Flohé nun eine besondere Ehre zuteil. Er wird bei den Ruhr Games, deren Botschafter er auch ist, mit dem Jugendförderpreis ausgezeichnet. „Das bedeutet mir sehr viel“, sagt der Sportsoldat, „ich habe noch nie so eine Auszeichnung erhalten.“ Die 2500 Euro Preisgeld wolle er erst einmal sparen. Dass er nun ein Vorbild ist, gefällt ihm. „Ich hoffe, dass ich für andere einmal so eine Motivation sein kann, wie Jan es für mich war.“

Yannick Flohé hat seinen Weg gefunden. Er wird ihn weitergehen. Auch wenn dieser mal durch Bauzäune und über Hindernisse führt.

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