Basketball

Tränen zum Abschied: Dirk Nowitzki geht als Sport-Legende

Dirk Nowitzki beendet seine Karriere.

Dirk Nowitzki beendet seine Karriere.

Foto: dpa

Dallas  Mit Tränen in den Augen gibt der deutsche Sport-Star sein Karriereende bekannt und freut sich auf "Eis und Pizza zum Frühstück".

Da steht er vor der versammelten Presse, Fotoapparate blitzen und Mikrofone strecken sich ihm entgegen. Dirk Nowitzki lächelt, ein bisschen schüchtern, ein bisschen aufgeregt. Er trägt ein schwarzes Jacket auf den schmalen Schultern, eine blonde Fönfrisur und einen zu großen Ring im linken Ohr. In den Händen hält er stolz das Trikot der Dallas Mavericks. Es ist Juni, das Jahr 1998, als der 20-jährige Deutsche in die weltbeste Basketball-Liga NBA wechselt.

Lange ist‘ s her. Nun steht er fast 21 später im blauen Trikot in der Mitte des leeren Spielfelds, die Schultern breit, die Haare kurz. Die Halle ist dunkel bis auf das Scheinwerferlicht, das nur auf ihn gerichtet ist. Dirk Nowitzki sammelt sich kurz, um dann zu einer dreiminütigen Rede anzusetzen. „Das war mein letztes Heimspiel“, sind die ersten Worte. Es folgt minutenlanger Applaus. Damit ist es offiziell: Eine der größten deutschen Sportlerkarrieren geht zu Ende. Der beste europäische Basketballer verabschiedet sich. Einer der besten Spieler in der Geschichte dieses Sports tritt ab.

Eine Saison als Abschiedstour

Lange hatte es sich angedeutet. Diese Saison war eigentlich schon eine Abschiedstour, als Nowitzki noch überlegte, ob nicht doch noch eine weitere Spielzeit folgen könnte. In den NBA-Arenen herrschte eine melancholische Stimmung: Gegnerische Fans bejubelten Nowitzkis Korberfolge teils lauter als die des eigenen Teams, gegnerische Trainer unterbrachen Spiele, um dem Mann mit der Trikotnummer 41 per Mikrofon zu huldigen, in einem der jüngsten Heimspiele wurden Papiermasken mit dem Konterfei des Würzburgers verteilt, plötzlich saßen Tausende Nowitzkis auf den Rängen.

Nun also endet die Karriere, im letzten Heimspiel der Mavericks gab es einen 120:109-Sieg gegen die Phoenix Suns, der 40-jährige Nowitzki spielte plötzlich wieder wie der 25-Jährige Nowitzki. Er versenkte Drei-Punkte-Würfe, traf seine berühmten Würfe im Rückwärtsfallen, irgendwann gab es sogar einen Dunking. Wie ein Turner am Reck hing er sekundenlang am Korb. 30 Punkte erzielte der Deutsche, es war fast schon kitschig-schön.

Tränen in den Augen

„Es war eine unglaubliche Reise“, sagte Nowitzki mit Tränen in den Augen und einem Kloß im Hals. Wie wahr: NBA-Champion 2011, Wertvollster Spieler der Saison 2007 und der Finalserie 2011, sechstbester Punktesammler der NBA-Geschichte, 14-maliger Teilnehmer des All-Star-Spiels. WM-Bronze 2002 mit Deutschland, EM-Silber 2005, Fahnenträger bei den Olympischen Spielen 2008. Eine Weltkarriere. Max Schmeling, Franz Beckenbauer, Boris Becker und Michael Schumacher sind weltweit-gefeierte Superstars aus Deutschland. Nowitzki ist es ebenso.

1998 sah das noch anders aus. Mitten in den Aufstiegs-Play-off des Zweitligisten DJK Würzburg waren Dirk Nowitzki und sein Mentor Holger Geschwindner plötzlich verschwunden, um an einem amerikanischen Talent-Turnier teilzunehmen. Die besten Nachwuchsspieler der USA gegen den Rest der Welt. Die Welt gewann und Nowitzki war mit 33 Punkten ihr Zentrum. Der damals 20-Jährige sollte in den Folgejahren zum Prototypen einer neuen Spielergeneration werden: Ein 2,13-Meter-Mann, der auch aus er Entfernung werfen kann, der beweglich ist und den Ball notfalls über das ganze Feld dribbeln kann. Sein Wurf aus der Halbdrehung im Fallen – erst als skurril abgestempelt, heute Teil des Trainingsprogramms junger Spieler. Die Vorurteile der NBA-Manager über Spieler aus Europa waren nach Nowitzki vergessen – heute spielen alleine sieben Deutsche in einer mittlerweile international bunt gemischten weltbesten Liga.

"80 Prozent sind harte Arbeit"

Der Weg dahin war ein schweißtreibender. Tausende Trainingsstunden in der Saison, hunderte in den trainingsfreien Sommern. In deutsche Turnhallen zogen sie sich dann zurück, Nowitzki und sein Mentor Holger Geschwindner. 25 Jahre lang feilte das Duo an der richtigen Wurftechnik, der 73-jährige ehemalige Nationalspieler hat die Karriere seines Schützlings aktiv mitgestaltet. „10 Prozent sind Talent, 10 Prozent sind Glück – 80 Prozent sind harte Arbeit“, hat Nowitzki das Erfolgskonzept der beiden einmal zusammengefasst. Doch die Arbeit lohnte sich. „Ich kam damals mit 20 und war noch grün hinter den Ohren. Ich bin hier zum Mann aufgewachsen“, sagte Nowitzki in seiner Abschiedsrede. Aus dem schlaksigen Dirk wurde „Dirkules“, wurde das „German Wunderkind“, wurde der „Dunking Deutschman“. Spitznamen sind in der NBA wie Ritterschläge.

Trotz des Ruhms blieb Nowitzki immer auch der Dirk. Bodenständig, sozial engagiert, immer freundlich. Einer, den die Fans schnell ins schlossen. Selbst die gegnerischen, die eigene Ritterschläge verteilen. 2005 im EM-Finale lag Deutschland uneinholbar gegen Griechenland zurück, als Nowitzki in den Schlussminuten ausgewechselt wurde. 18.000 basketballverrückte Griechen in der Halle in Serbien erhoben sich, applaudiertem dem Gegner. Dem besten Spieler des Turniers.

"Eis und Pizza zum Frühstück"

Und nun? Den lädierten Knochen will Nowitzki keine weitere Saison mehr zutrauen, in der Nacht auf Donnerstag hat er sein allerletztes Spiel gespielt, auswärts bei den San Antonio Spurs. Dann freut sich der 40-Jährige darauf, die Zeit mit seiner Frau Jessica und den drei Kindern Malaika, Morris und Max zu verbringen. Und „im Sommer mal nichts zu machen, Eis und eine Pizza zum Frühstück zu essen. Vielleicht gehe ich mal Skifahren. Das habe ich schon über 25 Jahre nicht mehr gemacht.“

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