Leichtathletik

TV Wattenscheid erringt Sieg mit Signalwirkung

Leichtathlet Daniel Jasinski

Leichtathlet Daniel Jasinski

Foto: Wolfgang Birkenstock

Bochum.  Ein Ausrüsterwechsel brachte Athleten in Schwierigkeiten. Pünktlich zur Deutschen Meisterschaft gibt es eine Lösung für den TV Wattenscheid.

Daniel Jasinski wird am Samstag anders aussehen als sonst. Wenn der Diskuswerfer des TV Wattenscheid bei der Deutschen Meisterschaft im Berliner Olympiastadion in den Ring steigt, wird er nicht wie gewohnt ein Trikot von Nike tragen. Weil sein Verein Anfang des Jahres den Ausrüster wechselte, wird er im Puma-Dress antreten. Dass der Nike-Athlet Jasinski in Puma starten darf, ist das Ergebnis einer zähen Auseinandersetzung, ein Ergebnis mit Signalwirkung.

Streit um die Sportkleidung

Doch der Reihe nach. Zum neuen Jahr hatte Nike sich nach jahrelanger Zusammenarbeit als Ausrüster des Leichtathletik-Vereins zurückgezogen. Puma trat an deren Stelle. Das Problem für einige Athleten: Neben dem Vertrag mit dem Verein hatten sie auch private Verträge mit Nike geschlossen. „Nike hatte damals bemerkt, dass einige Athleten eben besonders erfolgreich und damit auch besonders werbeträchtig sind“, erklärt Anwalt Christof Wieschemann. Neben Jasinski sind Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz, Weitspringerin Sosthene Moguenara, Mittelstreckenspezialist Marius Probst und Langstreckenläufer Hendrik Pfeiffer betroffen. Doch nur Jasinski startet in Berlin. „Nike verlangte, den – wohl bemerkt nach dem Vereinsvertrag abgeschlossenen – Einzelvertrag zu erfüllen und ausschließlich im Nike-Trikot zu starten.“

Wattenscheid-Manager Michael Huke war verzweifelt. „Als Verein haben wir immer die Interessen der Athleten im Blick“, berichtet er. „Doch wir haben auch eine Verpflichtung gegenüber unserem Ausrüster.“ Mit Hilfe von Wieschemann kam man einer Lösung näher. Der Bochumer Experte für Sport- und Markenrecht sagt: „Das, was Nike wollte, ist wettbewerbsrechtlich unzulässig – also haben wir ihnen die Tür aufgestoßen und einen Vorschlag gemacht.“ Man einigte sich: Die Athleten dürfen, wenn sie den Verein repräsentieren – wie bei Deutschen Meisterschaften – im Puma-Trikot antreten. Bei kommerziellen Veranstaltungen im In- und Ausland tragen sie Nike. Mit Adidas gebe es diese Regelung übrigens längst.

Andere Vereine sensibilisieren

Vor wenigen Tagen erhielt der Verein die schriftliche Bestätigung – gerade rechtzeitig zur DM. „Es ist ein Fall mit Signalwirkung“, sagt Wieschemann. „Er soll Vereine und Athleten dafür sensibilisieren, nachzufragen, ob Verträge miteinander kollidieren und mit dem geltenden Recht in Deutschland übereinstimmen.“

Warum die Lösungsfindung so lange gedauert hat? Bei Nike hieß es dazu nur: „Wir kommentieren keine Verträge und Vereinbarungen mit Athleten oder Vereinen.“

Grund zum Durchatmen für die Sportler

Für die Athleten ist das Ergebnis Grund zum Durchatmen: „Für mich war es sehr beruhigend, dass der Verein von Anfang klar gemacht hat, dass er sich darum kümmert“, sagt Daniel Jasinski. „Als einzelner Athlet wäre es sehr schwierig gewesen, sich in dem Zwiespalt richtig zu verhalten. Ich bin sehr froh, dass nun eine Lösung gefunden wurde.“

Doch der Verein hat noch ein Ziel. „Wir wollen erreichen, dass die Athleten, wenn sie bei kommerziellen Events in Deutschland starten, zumindest unsere Hauptsponsoren auf der Brust tragen dürfen“, sagt Manager Huke. Ausgang? Offen.

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