Familientreffen

120 Jahren Klostergut Köhne in Bredelar

Die Postkarte zeigt das Kloster Bredelar in der Mitte, rechts daneben die Wirtschaftsgebäude des Gutshofes. die Gutshof-Villa steht vor dem Kloster vorne im Bild.

Die Postkarte zeigt das Kloster Bredelar in der Mitte, rechts daneben die Wirtschaftsgebäude des Gutshofes. die Gutshof-Villa steht vor dem Kloster vorne im Bild.

Foto: Fotostudio

Bredelar.  145 Mitglieder der Familie Köhne treffen sich und feiern in der Schützenhalle Bredelar. Seit 120 Jahren ist der Gutshof in ihrem Besitz.

Udo Köhne freut sich schon. Auf das Wochenende in Bredelar und auf seine vielen Verwandten die kommen werden. 145 haben sich bereits angemeldet. Manche von ihnen hat der 70-Jährige seit 20 Jahren nicht gesehen. Seit sich die große Familie Köhne zum 100. Jahrestag des Erwerbes des Klostergutes Bredelar getroffen hat. Jetzt ist das Klostergut seit 120 Jahren in Händen der Familie Köhne. Es wird mittlerweile in der vierten Generation von Dirk und Manuela Köhne bewirtschaftet. Heute und Morgen findet aus dem Anlass ein großes Familienfest statt.

„Das wird ein tolles Wiedersehen werden“, ist sich Udo Köhne sicher. Er ist der viertjüngste Enkel seines Großvaters Martin Köhne, der 1899 das Gut in Bredelar erworben hatte. Sein Vater Ernst war das zweitjüngste Kind seiner zehnköpfigen Kinderschaft. Udo Köhne und sein Neffe Christoph haben die Organisation des Familientages in Bredelar übernommen. Udo Köhne lebt mit seiner Familie in Rheinbach und bekommt glänzende Augen wenn er an seine Kindheit und die vielen Besuche bei der Großmutter in Bredelar denkt. Der Opa war schon ein Jahr nach seiner Geburt 1949 verstorben.

Buch erzählt Geschichte und Gegenwart des Klostergutes

Die Familientreffen vor 20 und 30 Jahren hatte sein Vetter Martin Köhne organisiert. Er hatte das Gut in den 1970er Jahren übernommen und 2005 Geschichte, Erinnerungen und Gegenwart in einem Buch über „Das Klostergut Bredelar“ geschrieben. 2014 ist er verstorben. „Das Buch kenne ich auswendig“, blättert Udo Köhne voller Vergnügen aber auch Nachdenklichkeit in den 173 mit vielen alten Fotografien bestückten Seiten

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In der ehemaligen Gutsvilla ist seit 25 Jahren ein Saunaclub

Das Klostergut gehörte, wie es schon der Name sagt, einst zum Kloster Bredelar, das 1170 gegründet wurde. Mit der Säkularisation wurde 1804 auch das Kloster Bredelar verstaatlicht: Der Startschuss für eine wechselvolle Geschichte für Kloster und Klostergut auf getrennten Wegen. Beide wechselten häufig und schnell ihre Eigentümer. Das Kloster machte sich als Theodorshütte einen Namen. 1891 erbaute der Voreigentümer des Klostergutes das imposante Gutshaus in den ehemaligen Klostergarten. Seit 25 Jahren ist es als Saunaclub „Parkschloss Dali“ bekannt.

„Am 1. Juni 1899 zogen meine Großeltern Martin und Emilie Köhne im Gutshof ein“, erzählt Udo Köhne. Seine Großeltern kamen gebürtig aus Gütersloh. Die Großmutter Emilie hatte wohlhabende Eltern. Aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass zu der Zeit 340 Liter Milch täglich gemolken wurden, die in der eigenen Molkerei verarbeitet wurde. Udo Köhne: „Mein Großvater war zur damaligen Zeit schon ein sozialer Gutsherr“, so baute er für seine Mägde und Knechte Arbeiterwohnungen.

Das Klostergut zwischen den Weltkriegen

Die Familie Köhne war streng evangelisch. Deshalb wurden vornehmlich Arbeitskräfte aus dem Waldeckischen angeworben. In Bredelar gab es auch zuerst eine evangelische Kirche. Sie wurde 1900/1901 auf Initiative der Gutsfamilie gebaut. Den Baugrund stellte sie kostenlos zur Verfügung. 1904 erbaute der Großvater das Zechitwerk und 1907 die Ziegelei. Udo Köhne: „Meine Großeltern führten ein herrschaftliches Haus.“ Die Frauen der Arbeiter wurden im Haushalt angestellt. Es gab Reitpferde und eine eigene Reitbahn. „Der Gutshof war das Zentrum der Familie“, kommt Udo Köhne direkt ins Schwärmen. „Immer in den Ferien waren wir dort.“ Und jedes Kind durfte einen Freund oder Freundin mitbringen.

Zwischen den Kriegen geriet das Gut allerdings in eine echte Schieflage. Viel Ackerland und Wald mussten verkauft werden. 1935/1936 gingen Ziegelei und Zechitwerk verloren und der Gutshof an die zweite Generation über. Mehrere Hofbrände mussten überstanden werden. Der jüngste, 1994, brannte die lange Scheune bis auf die Grundmauern nieder. In den 1970er Jahren wurde von Viehhaltung auf Acker- und Waldbau umgestellt und das alte Gutshaus aufgegeben. Martin Köhne (dritte Generation) baute neu an den Fischteichen. 1994 übernahm Sohn Dirk den Betrieb.

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