Archäologie

2000 historische Fundstücke bei Ausgrabungen in Westheim

Die archäologischen Ausgrabungen im Industriegebiet Westheim II sind abgeschlossen. Archäologen des LWL stellen ausgewählte Fundstücke im Rathaus Marsberg vor. Von li.: Prof. Dr. Michael Baales, Dr. Eva Cichy, Frank Linnekugel, Bürgermeister Klaus Hülsenbeck, Michaela Schröder und Dr. Stephan Deiters.

Die archäologischen Ausgrabungen im Industriegebiet Westheim II sind abgeschlossen. Archäologen des LWL stellen ausgewählte Fundstücke im Rathaus Marsberg vor. Von li.: Prof. Dr. Michael Baales, Dr. Eva Cichy, Frank Linnekugel, Bürgermeister Klaus Hülsenbeck, Michaela Schröder und Dr. Stephan Deiters.

Foto: Annette Dülme

Marsberg.   Archäologen legen in Westheim Reste von Gebäude aus verschiedenen Zeiten frei. Insgesamt wurden mehr als 2000 Fundstücke entdeckt.

Die archäologischen Ausgrabungen im Industrie- und Gewerbegebiet Westheim II sind abgeschlossen. Auf der Gesamtfläche von 34.000 Quadratmetern haben die Wissenschaftler Siedlungsspuren gefunden, die auf eine mehr als tausendjährige Besiedlung der mittelalterlichen Wüstung Dörpede hinweisen. Mehr als 2000 Fundstücke wurden gesichert.

Jetzt kann sich der Investor dort ansiedeln. „Als nächster Schritt werden die Verträge mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des HSK und der Stadt Marsberg unter Dach und Fach gebracht“, so Bürgermeister Klaus Hülsenbeck erleichtert. Weitere drei Ansiedlungsgesuche sind in Bearbeitung.

Verlassen und wieder besiedelt

Am Montag stellten die Archäologen des LWL und der Grabungsleiter im Rathaus die Grabungsergebnisse vor und brachten dazu Fundstücke mit, wie Schmuck aus Metall oder Scherben von Keramikgefäßen. „Wir haben die Überreste zahlreicher Gebäude aus verschiedenen Zeitstellungen freilegen können“, so Grabungsleiter Dr. Stephan Deiters. Pfostenlöcher und Gruben weisen auf hölzerne Bauten hin. Aus welcher Epoche die ältesten dieser Gebäude im Ort sind, ist etwas ungewiss - sie stammen spätestens aus der Völkerwanderungszeit (5./6. Jahrhundert nach Christus). „In dieser Zeit frühen Phase gab es hier nur einzelne Bauernhöfe. Es scheint, dass der Ort mehrfach verlassen und wieder aufgesucht wurde“, so Prof. Dr. Michael Baales, Außenstellenleiter der LWL-Archäologie für Westfalen in Olpe. „Einer der spannendsten Funde ist eine spätrömische Keramikscherbe aus dem 5. Jahrhundert.“ Sie hat einen mattglänzenden roten Überzug und ist der sogenannten Terra sigillata zuzuordnen. „Das ist ein besonders hochwertiges Tafelgeschirr und ist als importierte Ware aus dem späten Römischen Reich in unserem Gebiet sehr selten“, ergänzt Baales.

Zahlreiche Hufeisenfunde

„Eine mehr oder weniger kontinuierliche Besiedlung, die vielleicht schon echten Dorfcharakter hatte, scheint im 9. und 10. Jahrhundert eingesetzt zu haben. Die Menschen errichteten weiterhin noch ausschließlich Pfostenbauten nach althergebrachter Art“, erläutert die LWL-Archäologin Dr. Eva Cichy die Befunde. Im hohen Mittelalter hatte Dörpede dann wirklich dörflichen Charakter. Als „Villa Durpehte“ wird es im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Die frühesten Steinfundamente auf dem Grabungsgelände können die Wissenschaftler in das 13. Jahrhundert datieren. „In dieser Zeit gingen die Bewohner scheinbar dazu über, langlebigere Fachwerkbauten zu errichten“, so Cichy.

Darüber hinaus sind steinerne Reste eines gepflasterten Weges gefunden worden, der auf eine Kirche zulief, die bereits bei Grabungen in 2003/2004 lokalisiert wurden. Zahlreiche Hufeisenfunde belegen eine rege Nutzung dieses Weges. Darüber hinaus ist eine Vielzahl von Brunnen gefunden worden.

Was für die Fundüberlieferung ein Segen war, stellte sich für die Grabungsarbeiten als nicht immer einfach heraus. Im Überschwemmungsgebiet der Diemel lagerten sich im Laufe der Zeit immer wieder neue Sedimentschichten an. Wegen der komplizierten Schichtabfolgen mussten die Archäologen die einzelnen Grabungsflächen in mehreren Etappen untersuchen, teilweise bis zwei Meter unterhalb der Geländeoberfläche.

Fluten und Brandkatstrophen

Grabungsleiter Dr. Stephan Deiters erläuterte die komplizierte Befundsituation: „Die wenigen Siedlungsreste, die wir aus dem späten Mittelalter haben, liegen interessanterweise auf einem höheren Bodenniveau. Möglicherweise hat das bekannte Magdalenenhochwasser von 1342, das in ganz Mitteleuropa verheerende Überschwemmungen anrichtete, auch hier zu massiven Zerstörungen geführt.“ An den Fundschichten ist abzulesen, dass nach dieser Katastrophe ein teilweiser Wiederaufbau des Dorfes auf dem Bodenmaterial stattfand, das beim Hochwasser angeschwemmt wurde.

Überflutungen und verheerende Brände

Einige Befunde zeugen davon, dass es neben Überflutungen immer wieder zu verheerenden Bränden gekommen ist. Einen Grund dafür sehen die Archäologen in der feuergefährlichen Metallverarbeitung von Eisen und Kupfer, für die sie bei ihren Untersuchungen zahlreiche Belege in Form von Schlacken und auch Öfen gefunden haben. „Neben einfachen Metallfunden haben wir auch mehrere Fibeln und Münzen entdeckt. Bei einem der Verarbeitungsöfen haben wir sogar ein schönes kleines Kruzifix gefunden, dass vielleicht vor Ort hergestellt worden ist“, freut sich Dr. Cichy. „Außerdem haben wir einen wunderschönen, geschnitzten Knochenkamm gefunden.“

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