Erinnerungen

Abschied nach 45 Jahren im Kolping-Ehrenamt

Der Erhalt des 1950 erbauten Kolpinghauses Siedlinghausen ist seit Jahrzehnten ein Hauptanliegen von Walter Hoffmann gewesen.

Der Erhalt des 1950 erbauten Kolpinghauses Siedlinghausen ist seit Jahrzehnten ein Hauptanliegen von Walter Hoffmann gewesen.

Foto: Wilfried Kräling

Siedlinghausen.   Walter Hoffmann hat sich für den Erhalt des Kolpinghauses stark gemacht. Nun hat das Haus eine Zukunft – für ihn der richtige Abschiedsmoment

45 Jahre lang hat Walter Hoffmann die Siedlinghäuser Kolpingarbeit mit geprägt, nun ist er auf der jüngsten Mitgliederversammlung in den Ehrenamts-Ruhestand getreten. „Man ist da so reingewachsen, früher als Teilnehmer an den Angeboten, später als Mitarbeiter“, erinnert er sich. Kolping habe in ihm, dank prägender Vorbilder und Weggefährten, eine Haltung wachsen lassen. „Es geht um Solidarität in der Dorfgemeinschaft. Was wäre ein Ort ohne die Aktiven – auch, wenn das oft immer dieselben sind?“

Verschiedene Ämter hat er in über vier Jahrzehnten übernommen, war u.a. zweimal Vorsitzender und hat für seine Verdienste den Ehrenbecher des Diözesanverbandes Paderborn erhalten. Seit 1989 war er als Hausvorstand für die Erhaltung und Entwicklung des Kolpinghauses zuständig.

Geld war immer ein Problem

„Es ging mir, als ich einstieg, um die Mitgestaltung des öffentlichen Lebens im Ort.“ Überaus umfangreich sei das Programm jener Jahre gewesen: Kurse und Vorträge, Tischtennismannschaft, Kochen, Tanzen, Kinder- und Seniorennachmittage, Wallfahrten, Kegelturniere, Jugendparlament, Theater… Manches davon gibt es noch, anderes nicht mehr, Neues wie die Integrationstreffen ist hinzugekommen. Seine erste Veranstaltung als Vorsitzender sei ein Frühschoppengespräch mit dem damaligen MdB Ferdi Tillmann gewesen. Thema: Aufgaben des Staates für Jugend und Familie. Bis heute gehe es darum, Wissen und Orientierung zu aktuellen Themen zu vermitteln. Aber es sei nicht mehr einfach, Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen. „Viele engagieren sich lieber projektbezogen als dauerhaft. Dem versuchen wir durch mehr Teamarbeit im Vorstand entgegenzukommen.“

Hoffmann blieb Kolping treu und machte das Kolpinghaus zu seinem großen Steckenpferd. 1973, als er einstieg, lief gerade der große Umbau. Für 250.000 DM wurde u.a. der kleine Saal vergrößert, der große renoviert und neue Fußböden verlegt. Immer wieder fielen im Lauf der Jahrzehnte große und kleine Maßnahmen an – was stets nur dank Eigenleistung und vieler Spenden gelang. Von Anfang an sei es eine Mammutaufgabe gewesen, das 1950 erbaute Haus durch die Zeit zu bringen, sagt er rückblickend. „Schon beim Bau war kein Geld da.“ Doch das Haus wurde ein zentraler Begegnungsort im Dorf, also kämpfte man mit vereinten Kräften um seinen Erhalt.

Viel Arbeit und schlaflose Nächte

Vor allem in den vergangenen Jahren, als das Restaurant leer stand, sah es düster aus. Unzählige Stunden und in Krisenphasen auch schlaflose Nächte habe ihn das Kolpinghaus gekostet. Umso zufriedener ist Hoffmann, dass die viele Arbeit Erfolg und das Haus allem Anschein nach eine Zukunft hat. Ein neuer Pächter hat das Restaurant übernommen, ein Entschuldungskonzept ist auf dem Weg: In Kürze soll eine Unternehmer-Gesellschaft gegründet werden. Das Kapital stammt von lokalen Unternehmen, die Kolpingsfamilie behält nur noch einen 30-Prozent-Anteil des Hauses. Die Gesellschaft soll mit einem Schuldenschnitt endgültig den Weg in eine sorgenfreiere Zukunft ebnen. „Ein guter Moment, um zu gehen“, sagt Walter Hoffmann. „Es ist eine Genugtuung, kein Chaos zu hinterlassen.“ Wichtig ist ihm, zu erwähnen, dass es viele andere gegeben hat, die mit ihm diesen Weg gegangen sind. „Man macht so eine Aufgabe nie allein.“

Jetzt gibt er die weitere Entwicklung in andere Hände; nur in der Seniorenarbeit will er aktiv bleiben. Damit behält auch der gern genutzte Fahrdienst zu den Seniorenveranstaltungen die gewohnte Rufnummer: Siedlinghausen 602.

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