Schützenfesttragödie

Anklage nach tödlichem Unfall beim Schützenfest in Marsberg

Kerzen und zwei Schlagzeug-Stöcke wurden in Gedenken an den getöteten Schützenkönig am  12. Juli 2015 vor dem Tor zum Gelände der Schützenhalle Marsberg niedergelegt.

Kerzen und zwei Schlagzeug-Stöcke wurden in Gedenken an den getöteten Schützenkönig am 12. Juli 2015 vor dem Tor zum Gelände der Schützenhalle Marsberg niedergelegt.

Marsberg/Arnsberg.   Fast zwei Jahre nach dem Tod des Schützenkönigs Obermarsberg wird ein Mann angeklagt. Das Verfahren gegen weitere Verdächtige wurde eingestellt.

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Die Staatsanwaltschaft Arnsberg hat gegen einen Mann aus Marsberg Anklage vor dem Strafrichter in Marsberg wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Ihm wird mit der Anklage zur Last gelegt, am 11. Juli 2015 im Rahmen des „Anböllerns“ des Schützenfestes Marsberg eine Vorderladerkanone gezündet zu haben, obwohl er wusste, dass sie falsch beladen war.

Durch die fehlerhafte Verwendung von Sand als Vorlage soll es zu einem Überdruck im Innern der Böllerkanone gekommen sein, so dass diese explodierte. Ein weggesprengtes Metallstück dieser Kanone traf den wenige Meter von der Böllerkanone entfernt stehenden Schützenkönig und verletzte ihn tödlich, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Arnsberg vom Donnerstag.

Schützenkönig war von Trümmerteilen getroffen worden

Bei dem Schützenfest in Niedermarsberg waren Salutkanonen explodiert. Der amtierende Schützenkönig war von Trümmerteilen getroffen worden. Er verstarb.

Nach einem beim Landeskriminalamt in Auftrag gegebenes Explosionsstoffgutachten wurde Schwarzpulver als alleiniges Sprengmittel eingesetzt. Ein beauftragtes Ingenieurbüro aus Münster stellte bei den untersuchten Kanonen keine Materialschäden fest.

Staatsanwalt: Angeschuldigte wusste von falscher Beladung der Kanone

Ursächlich für die Explosionen war nach den Ausführungen des Sachverständigen eine falsche Beladung der explodierten Kanonen. Vor die Sprengstoffladung wird eine Vorlage gestopft. Nach der Beschussbescheinigung des Landesbetriebes Mess- und Eichverfahren des Landes Nordrhein-Westfalen waren 12 Gramm Kork oder andere sehr leichte, weiche, nicht brennbare Materialien als Vorlage zulässig. Der Sachverständige geht im vorliegenden Fall von der Verwendung von Sand und einem deutlich größeren Gewicht als 12 Gramm aus. Die Verwendung einer falschen Vorlage (Sand statt Kork) und der Umstand, dass zu viel Vorlage benutzt wurde, führten nach den Angaben des Sachverständigen zu dem Unglück.

Zwei Einstellungen mangels hinreichenden Tatverdachts

Der Fahrlässigkeitsvorwurf stützt sich auf die Tatsache, dass der Angeschuldigte wusste, dass bei allen Kanonen Sand als Vorlage benutzt wurde und somit auch die von ihm gezündete Kanone nicht vorschriftsgemäß geladen war, so die Staatsanwaltschaft.

Das Verfahren gegen zwei weiteren Tatverdächtige wurde (gemäß § 170, Absatz 2 StPO) mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt, weil nicht festgestellt werden konnte, wer die Kanone, durch deren Explosion die tödlichen Verletzungen hervorgerufen wurden, geladen hatte.

Der Angeschuldigte hat bisher – wie die anderen Beteiligten des „Böllerkommandos“ - von seinem Recht, keine Angaben zur Sache machen zu müssen, Gebrauch gemacht.

Das Amtsgericht Marsberg hat nun über die Zulassung der Anklage zu entscheiden.

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