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Anonyme Spurensicherung für Opfer von Sexualdelikten im HSK

Anonyme Spurensicherung - eine Chance für Opfer von Sexualstraftaten

Krankenhaus Brilon bietet anonyme Spurensicherung nach einer Sexualstraftat an. Nächste Woche läuft eine Fortbildung im Maria-Hilf-Krankenhaus.

Krankenhaus Brilon bietet anonyme Spurensicherung nach einer Sexualstraftat an. Nächste Woche läuft eine Fortbildung im Maria-Hilf-Krankenhaus.

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Brilon.   Um Opfern von Sexualdelikten auch später noch die Möglichkeit zur Strafverfolgung zu geben, gibt es die Anonyme Spurensicherung.

Eine erschreckende Zahl: Jede siebte Frau erlebt ab dem 16. Lebensjahr strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt. Nur fünf Prozent dieser Übergriffe werden zur Anzeige gebracht, von 100 Anzeigen enden nur 13 Fälle mit einer Verurteilung. Diese Zahlen dürften Pate gestanden haben bei der Idee zur „Anonymen Spurensicherung“.

Eine Chance für die Opfer

Sie ist eine Chance für Opfer von Sexualstraftaten. Im HSK bieten das Karolinen-Hospital Hüsten und das Maria-Hilf in Brilon diese Unterstützung im dritten Jahr an. Aber bislang wird das Angebot kaum genutzt: Ein Fall binnen zwei Jahren in Brilon, zwei im vergangenen Jahr in Arnsberg. Dabei ist jede Sexual-Straftat ein medizinischer Notfall.

Scham, Angst, Verzweiflung, Sorge, dass ihnen nicht geglaubt wird – es gibt viele Gründe, warum Frauen nach einer Vergewaltigung nicht zur Polizei gehen. „Sie sind im ersten Moment völlig traumatisiert, wollen einfach nur zur Ruhe kommen“, weiß Uschi Plenge von der Frauenberatung Arnsberg. Duschen, umziehen, falsch! Denn gerade unmittelbar nach der Tat ist es wichtig, Spuren zu sichern. Wenn später der Wunsch nach Gerechtigkeit aufkommt, fehlen in der Regel Tatzeugen oder medizinische Dokumentationen. Und ohne all das ist eine Straftat vor Gericht schwer nachweisbar. Der Staatsanwalt will es genau wissen. Wann ist es passiert, wo, wie genau?

Vertrauen und ärztliche Schweigepflicht

„Daher ist die vertrauliche Spurensicherung so wichtig“, erklärt Anne Schwartz, Gynäkologin im Briloner Krankenhaus. „Unsere Gynäkologie ist rund um die Uhr besetzt. Wir untersuchen die Opfer in einer per Leitfaden festgelegten Reihenfolge. Verletzungen und der psychische Zustand des Opfers werden dabei genau dokumentiert, Spuren aus Körperöffnungen gesichert und Kleidungsstücke aserviert.“ Dafür gibt es extra ein Spurenset. Aber auch Tests auf Hepatitis oder HIV sowie die Pille danach sind möglich. Über ein gesichertes und codiertes Verfahren werden die Proben und Aservate zur Rechtsmedizin nach Münster gebracht, wo sie zehn Jahre verwechslungssicher aufbewahrt werden.

Im Netzwerk vorbereiten

„Wir gehen natürlich davon aus, dass die Frauen nicht zehn Jahre warten, bis sie sich zu einer Anzeige entschließen. Aber man gewinnt durch die Spurensicherung Zeit. Die Frau gerät nicht automatisch in irgendwelche Mühlen, denen sie sich unterwerfen muss. Sie hat das Heft in der Hand und wir können sie über Netzwerke gezielt auf das juristische Procedere vorbereiten“, sagt Jana Schlömer von der Frauenberatung Meschede.

Wichtig: Die „Anonyme Spurensicherung“ unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Die Polizei wird nicht informiert, selbst die Krankenkasse erfährt nicht, warum die Patientin in Behandlung war. Die Kosten werden in der Regel über die Notfallpauschale abgegolten. Was darüber hinaus geht – die Pille danach ist nur bis zum 21. Lebensjahr eine Leistung der Krankenkasse – muss aus anderen Töpfen finanziert werden. Ein Punkt, bei dem nach Ansicht der Frauenberatungen noch Nachbesserungsbedarf besteht.

Fortbildung im Maria Hilf

Kleine rote Punkte im Weiß des Auges sind ein Zeichen dafür, dass die Sauerstoffzufuhr unterbrochen, dass ein Opfer gewürgt wurde. Für solche Feinheiten muss man auch als Arzt sensibilisiert werden. Welche Hilfe benötigen Mädchen, Frauen, Jungen und Männer, wenn sie nach einer Sexualstraftat medizinische Soforthilfe brauchen? Um solche Fragen geht es in der Fortbildung für Ärzte, medizinisches Personal und Mitarbeiter in Beratungsstellen am 14. November von 14 bis 17 Uhr im Briloner Krankenhaus. Veranstalter sind die Frauenberatungen Arnsberg und Meschede sowie der Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt und das Maria-Hilf-Krankenhaus. Es geht dabei um die Möglichkeiten der anonymen Spurensicherung und um verbesserte Chancen in einem späteren Gerichtsverfahren. Infos dazu im Krankenhaus und bei den Frauenberatungsstellen.

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