Gesundheit

Nach Schließung in Siedlinghausen: Apotheke mobil geworden

Täglich landen Rezepte im Sammelkastenam Geschäft MomentMal in der Dorfmitte. Dort werden sie von den drei beteiligten Apotheken abgeholt. Foto:Stefanie Bald

Täglich landen Rezepte im Sammelkastenam Geschäft MomentMal in der Dorfmitte. Dort werden sie von den drei beteiligten Apotheken abgeholt. Foto:Stefanie Bald

Siedlnghausen.   Seit drei Monaten ist die Apotheke in Siedlinghausen geschlossen. Hat sich der neue Rezeptsammelkasten mit Lieferservice bewährt?

Seit genau drei Monaten ist die Marien-Apotheke in Siedlinghausen geschlossen. Um die Versorgung des Ortes und der umliegenden Dörfer mit Medikamenten zu sichern, hatten damals zwei Apotheken aus Winterberg und eine aus Bestwig-Ramsbeck eine Service-Offensive gestartet. Jeweils zweimal täglich fahren sie seitdem den Ort an, holen Rezepte bei einer Sammelstelle ab und liefern Medikamente frei Haus.

Neben der Versorgungssicherheit spielten für die Apotheken auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle – zuvorderst die Befürchtung, die mehr als 2000 potenziellen Kunden aus dem Gebiet um Siedlinghausen an Internetapotheken zu verlieren. Diese Befürchtung ist auch der Hauptgrund dafür, dass der Lieferservice kostenlos ist und trotz Diskussionen auch bleiben soll.

Hat sich das neue System bewährt? Die Westfalenpost hat nachgefragt.

Die Sammelstelle

Der Briefkasten, in dem die Rezepte gesammelt werden, hängt außen am Geschäft MomentMal in der Weberstraße. Nur wenige Meter sind es von hier zur örtlichen Hausarztpraxis; die Patienten müssen kaum einen Umweg gehen, um ihr Rezept in den Kasten zu werfen. Tanja Lechtenberg, die Inhaberin des kleinen Ladens, ist das Gesicht der Sammelstelle. Deshalb wird sie auch bei Fragen und Anliegen zu dem neuen System häufig von den Patienten angesprochen. „Dann helfe ich natürlich, so gut ich kann.“

Ihre Motivation, die Sammelstelle bei sich einrichten zu lassen, sei vor allem der Wunsch, möglichst viele Angebote im Dorf zu erhalten – alles andere als einfach in Zeiten des Onlineshoppings und des Sterbens der kleinen Dorfläden.

Neben ihrem Geschäft für Schul- und Schreibwaren sowie Dekorationsartikel betreibt sie auch die intensiv genutzte Poststelle des Dorfes. „Man braucht schon auch Idealismus, um die Zusatz-Services zu betreiben.“ Denn wirklich lukrativ seien diese für sie nicht.

Die Apotheker

Ob sich das neue System für die beteiligten Apotheker rentiert, darüber geben diese noch keine Auskunft. „Um das zuverlässig einschätzen zu können, muss das System erstmal über einen längeren Zeitraum laufen“, sagt der Inhaber der Ramsbecker Elisabeth-Apotheke, Jan-Wilhelm Prein. Zwar habe er durch die Umstellung Kunden hinzugewonnen. Andererseits ist der Service für die Patienten kostenlos, bedeutet für ihn aber einen deutlichen Mehraufwand. „Kommissionierung, Prüfung, Kommunikation mit den Kunden, Rechnungstellung und die Fahrten zweimal täglich – das ist arbeits- und kostenintensiv.“

Wie viele Rezepte täglich im Sammelkasten liegen, sei sehr unterschiedlich. Von null bis über 20 komme alles vor. Um den Mehraufwand zu bewältigen, hat Prein die Stundenzahl einiger seiner Mitarbeiter erhöht. Auch Tanja Lechtenberg von MomentMal gehört nun zu seinen Botendienst-Mitarbeiterinnen.

Das neue Angebot nutzen Patienten aller Altersklassen, hat Prein festgestellt. „Kernzielgruppe sind natürlich Senioren und Menschen, die keine Möglichkeit haben, persönlich zur Apotheke zu kommen.“ Aber auch Jüngere nähmen den Service gern in Anspruch und das sei auch in Ordnung. „Wir sind Dorf- und Landversorger.“

Das sieht Jürgen Schäfer, ebenfalls beteiligter Apotheker aus Winterberg, kritischer. „Im Kern ist der Service für Kunden bestimmt, die wirklich keine Möglichkeit haben, selbst in eine Apotheke zu kommen oder sich Medikamente mitbringen zu lassen.“ Junge, mobile Kunden gehören für ihn daher nicht zur Zielgruppe des Angebots. Auch Schäfer musste die Stundenzahl einiger Mitarbeiter erhöhen und registriert einen Mehraufwand. Aber im Großen und Ganzen, sagt er, funktioniere das neue System sehr gut.

Sowohl seine als auch Preins Apotheke sind dabei, einen weiteren Service zu entwickeln: Dabei geht es um eine Lösung, mit der Patienten ihre Rezepte datenschutzkonform online an die Apotheken übermitteln können.

Der Arzt

Dr. Rikardo Mihalic zieht eine positive erste Bilanz. Der einzige Allgemeinmediziner in Siedlinghausen hatte versucht, seinen Patienten durch gezielte Informationen den Übergang in das neue System zu erleichtern.

Ein paar Anlaufschwierigkeiten habe es gegeben, insbesondere was die Abstimmung von Lieferzeiten betraf. Aber inzwischen habe sich alles gut eingespielt. Wenn Patienten noch nicht wissen, wie das Angebot funktioniert, helfen Mihalics Sprechstundenhilfen weiter. Die meisten wüssten inzwischen aber gut Bescheid, sagt der Arzt. „Ich habe noch von keinem die Rückmeldung bekommen, dass das neue System nicht funktionieren würde.“

Natürlich seien die Menschen weiterhin traurig über die Schließung der örtlichen Apotheke. Aber es sei gelungen, aus der Situation das Beste zu machen. Besonders betonen möchte Mihalic den aus seiner Sicht hervorragenden Service, den das Geschäft MomentMal anbiete. „Dieses Zusammenspiel klappt super.“

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